Neue Hass-Mail: Schreckliche Zustände in deutschen Spitälern und Apotheken ?

Ein etwas abgenudel­ter Sprech­er sitzt in einem Fernsehstu­dio, liest einen Text vom Blatt ab. Auf Tschechisch. Eine englis­che Über­set­zung wird einge­blendet. Eine weit­ere Über­set­zung ins Deutsche wird via Mail mit einem Link zu dem Video von CNTV ger­ade im Netz ver­bre­it­et. „Gut anse­hen! Tschechis­ches Fernse­hen!“ heißt es in einem Begleit­text zum ange­blichen „Bericht eines Arztes aus einem Münch­n­er Spi­tal“. Was hier Authen­tiz­ität ver­mit­teln will, ist recht­sex­treme Lügenpropaganda.

Die neue Hass- und Lügen-Mail fährt wie immer bestens im Schnee­ball­sys­tem. Und weil sie so ver­bre­it­et wird — mit den Mailadressen von Bekan­nten, Fre­un­den, Fam­i­lie, wirkt sie zunächst ein­mal überzeu­gend. Manche fügen noch ihre per­sön­lichen Anmerkun­gen hinzu. Etwa der Beamte aus dem Finanzmin­is­teri­um, der seine dien­stliche Mailadresse für den weit­eren Ver­sand nutzt: „Natür­lich glaube ich das alles nicht, gewiß nur böswillige Pro­pa­gan­da. Das weiß ich ganz sich­er, weil ich das Sem­i­nar Interkul­turelle Kom­pe­tenz besucht habe…“. — Ein echt­es Arschloch!

Der eigentliche Inhalt der Mail – und damit der Text des TV-Sprech­ers- ist schnell erzählt. Eine Fre­undin in Prag ken­nt einen pen­sion­ierten Arzt, der jet­zt in München wieder als Anäs­the­sist zu arbeit­en begonnen hat und von den katas­trophalen Zustän­den in Münch­n­er Spitälern berichtet. Der Fernsehsprech­er (!) ist in schriftlichem Kon­takt mit der Fre­undin des Arztes, von dem der Bericht stammt.

In München geht es dem­nach ordentlich rund. Die Sit­u­a­tion im Spi­tal des ärztlichen Pen­sion­is­ten und in anderen Spitälern sei unerträglich, klagt er. Migranten, die ein Spi­tal auf­suchen wollen, müssen in München „seit dem let­zten Woch­enende“ von Polizis­ten mit Polizei­hun­den begleit­et werden.

„Viele Mohammedan­er ver­weigern die Behand­lung durch weib­lich­es Per­son­al. Ander­er­seits ver­weigert das weib­liche Per­son­al, unter diese Tiere zu gehen, beson­ders wenn diese aus Afri­ka stam­men“.

Wie bitte? Ein tschechis­ch­er Fernsehsprech­er, der ‚Mohammedan­er‘ als ‚Tiere‘ beze­ich­net ? Aber eigentlich ist es ärg­er: es ist ja der Arzt, der das und noch viel mehr erbricht, etwa über die unzäh­li­gen Krankheit­en der ‚vie­len‘ Migranten, „von denen wir in Europa keine Vorstel­lung über deren Behand­lung haben“. In den Apotheken wür­den die Migranten durch­drehen, wenn Geld für das Rezept ver­langt werde (der Arzt, der keine Vorstel­lung über die Behand­lung bes­timmter Krankheit­en hat, ver­schreibt trotz­dem Medika­mente!). Wegen dieser Gewal­taus­brüche „muss die Polizei nicht nur die Arzt­prax­en und Spitäler bewachen, son­dern auch die großen Apotheken“ .

Dem­nach müsste ganz München voll von Polizei sein, die Arzt­prax­en (!), Spitäler und Apotheken bewacht. Eige­nar­tiger­weise wer­den in dem TV-Bericht keine Bilder aus dem polizeilich bewacht­en München einge­blendet. Auf den Mon­i­toren im Hin­ter­grund ist auch kein Flim­mern, kein bewegtes Bild zu ent­deck­en. Die Arbeit­splätze im Stu­dio sind nicht beset­zt. Das Stu­dio ist ein Potemkin­sches Dorf, eine Attrappe. Und der Sprecher?

Der betreibt jet­zt eine andere Seite, denn die Seite von CNTV, das natür­lich nicht das Tschechis­che Fernse­hen war, son­dern eine Inter­net­seite mit Video­be­trieb, gibt’s nicht mehr. Dafür aber die Seite „New World Order Oppo­si­tion“, die auch vom Sprech­er Petr Richard Ortek betrieben wird.

Auf dieser Seite ste­hen auch Videos zum Down­load bere­it. Zum Beispiel eines von David Duke, dem wilden Anti­semiten und ehe­ma­li­gen KuKluxKlan-Mann.


David Duke und „New World Order Opposition“
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Unser Video ist über „Live­Leak“ abruf­bar. Dort wurde es hochge­laden am 7. Okto­ber. In Berlin. Von „Eey­orevladte­pe“. Wer auch immer das ist, er oder es hat seinen virtuellen Sitz in Kana­da und vertreibt über „Live­Leak“ wilde Het­ze über den Islam und Muslime.

Beispiel: Mus­lim ermordet Mut­ter, mas­tur­biert auf die Leiche und schnei­det ihr das Herz her­aus. Diese Sparte von recht­en Het­zern nen­nt sich selb­st Counter-Jihadis­ten, will heißen, sie sind genau so vertrot­telt wie die Jihadisten.

Bis auf den Sprech­er im Stu­dio, der die Seite mit der Oppo­si­tion zur Neuen Wel­tord­nung betreibt, sind alle Per­so­n­en anonym. Ein Kanadier, der in Berlin ein Video hochlädt, in dem der Sprech­er ein­er recht­sex­tremen Seite darüber berichtet, dass er von ein­er Fre­undin über die Mail informiert wurde, die ihr ein pen­sion­ierten Arzt aus München geschrieben hat. Ach ja, die Über­set­zungsleis­tung wäre noch zu erwäh­nen! Die stammt von dem anti­is­lamis­chen, counter-jihadis­tis­chen Blog „Xanthippa’s Cham­ber­pot“, der ange­blich von ein­er Kanadierin mit dem Vor­na­men Alexan­dra betrieben wird.


Hochge­laden aus Berlin
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Aus dem Inhalt des Nacht­topfes von Xan­thippe stammt auch der Rest der Nachricht des ange­blichen Arztes aus München. Der jam­mert nach seinen Ein­leitungssätzen über die Sit­u­a­tion in Spitälern und Apotheken in der Folge über die Arbeit­slosen­zahlen, die wegen der Flüchtlinge bald steigen wür­den, über die häu­fig schwan­geren Frauen der Flüchtlinge, über die vie­len Kinder der Flüchtlinge und darüber, dass das „eines Tages in Tschechien auch so sein“ könnte.

Und dann der Satz für die Tschechen: “Nie­mand, der mit denen noch nicht in Kon­takt gewe­sen ist, hat eine Vorstel­lung, was von eine Art von Tieren das sind, beson­ders die aus Afri­ka und wie Mohammedan­er sich in Hin­blick auf ihre Reli­gion­szuge­hörigkeit über­he­blich gegenüber unserem Per­son­al ver­hal­ten“.

Gegen Ende sein­er Mail dann noch eine Hor­rorgeschichte aus dem Nachttopf:

„In einem bekan­nten Kinder­spi­tal am Rhein haben die Migranten das Per­son­al mit Messern ange­grif­f­en, nach­dem sie ihnen ein 8 Monate altes Kind an der Schwelle des Todes übergeben hat­ten, das sie seit drei Monat­en quer durch halb Europa geschleppt hat­ten. Das Kind starb nach zwei Tagen, obwohl es Spitzen­ver­sorgung in ein­er der besten Kinderkliniken Deutsch­lands bekom­men hat­te. Der Arzt musste notoperiert wer­den und zwei Kranken­schwest­ern lan­de­ten auf der Inten­sivs­ta­tion. Nie­mand wurde bestraft! Der lokalen Presse ist es ver­boten, über diese Vor­fälle zu schreiben“.

Der let­zte Satz ist der entschei­dende. Nie­mand darf bericht­en, nie­mand kann daher diese Lügengeschichte wirk­lich über­prüfen. Nur der ärztliche Pen­sion­ist in München darf auf ver­schlun­genen Wegen die Botschaft weit­ergeben. An Sie, an Dich, an uns – ein wahrer Fre­und der Men­schheit, zu der nun ein­mal „Tiere“ nicht zählen! Wie er wohl von dem Vor­fall in dem „bekan­nten Kinder­spi­tal“ erfahren haben mag? Ver­mut­lich über eine Mail mit dem Hin­weis „Bitte lesen! Gut ansehen!“