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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Neue Hass-Mail: Schreckliche Zustände in deutschen Spitälern und Apotheken?

Ein etwas abge­nu­del­ter Spre­cher sitzt in einem Fern­seh­stu­dio, liest einen Text vom Blatt ab. Auf Tsche­chisch. Eine eng­li­sche Über­set­zung wird ein­ge­blen­det. Eine wei­te­re Über­set­zung ins Deut­sche wird via Mail mit einem Link zu dem Video von CNTV gera­de im Netz ver­brei­tet. „Gut anse­hen! Tsche­chi­sches Fern­se­hen!“, heißt es in einem Begleit­text zum angeb­li­chen „Bericht eines Arz­tes aus einem Münch­ner Spi­tal“. Was hier Authen­ti­zi­tät ver­mit­teln will, ist rechts­extre­me Lügenpropaganda.

15. Okt. 2015

Die neue Hass- und Lügen-Mail fährt wie immer bes­tens im Schnee­ball­sys­tem. Und weil sie mit den Mail­adres­sen von Bekann­ten, Freun­den, Fami­lie ver­brei­tet wird, wirkt sie zunächst ein­mal über­zeu­gend. Man­che fügen noch ihre per­sön­li­chen Anmer­kun­gen hin­zu. Etwa der Beam­te aus dem Finanz­mi­nis­te­ri­um, der sei­ne dienst­li­che Mail­adres­se für den wei­te­ren Ver­sand der Hass­bot­schaft nutzt: „Natür­lich glau­be ich das alles nicht, gewiß nur bös­wil­li­ge Pro­pa­gan­da. Das weiß ich ganz sicher, weil ich das Semi­nar Inter­kul­tu­rel­le Kom­pe­tenz besucht habe.“

Der eigent­li­che Inhalt der Mail ist schnell erzählt: Eine Freun­din in Prag kennt einen pen­sio­nier­ten Arzt, der jetzt in Mün­chen wie­der als Anäs­the­sist zu arbei­ten begon­nen hat und von den kata­stro­pha­len Zustän­den in Münch­ner Spi­tä­lern berich­tet. Der Fern­seh­spre­cher ist in schrift­li­chem Kon­takt mit der Freun­din des Arz­tes, von dem der Bericht stammt. In Mün­chen geht es dem­nach ordent­lich rund. Die Situa­ti­on im Spi­tal des ärzt­li­chen Pen­sio­nis­ten und in ande­ren Spi­tä­lern sei uner­träg­lich, klagt er. Migran­ten, die ein Spi­tal auf­su­chen wol­len, müs­sen in Mün­chen „seit dem letz­ten Wochen­en­de“ von Poli­zis­ten mit Poli­zei­hun­den beglei­tet werden.

„Vie­le Moham­me­da­ner ver­wei­gern die Behand­lung durch weib­li­ches Per­so­nal. Ande­rer­seits ver­wei­gert das weib­li­che Per­so­nal, unter die­se Tie­re zu gehen, beson­ders wenn die­se aus Afri­ka stam­men.“ Ein tsche­chi­scher Fern­seh­spre­cher, der ‚Moham­me­da­ner‘ als ‚Tie­re‘ bezeich­net? Aber eigent­lich ist es ärger: Es ist der Arzt, der das und noch viel mehr erbricht, etwa über die unzäh­li­gen Krank­hei­ten der ‚vie­len‘ Migran­ten, „von denen wir in Euro­pa kei­ne Vor­stel­lung über deren Behand­lung haben“. In den Apo­the­ken wür­den die Migran­ten durch­dre­hen, wenn Geld für das Rezept ver­langt wer­de (der Arzt, der kei­ne Vor­stel­lung über die Behand­lung bestimm­ter Krank­hei­ten hat, ver­schreibt trotz­dem Medi­ka­men­te?). Wegen die­ser Gewalt­aus­brü­che „muss die Poli­zei nicht nur die Arzt­pra­xen und Spi­tä­ler bewa­chen, son­dern auch die gro­ßen Apo­the­ken“.

Dem­nach müss­te ganz Mün­chen voll von Poli­zei sein, die Arzt­pra­xen, Spi­tä­ler und Apo­the­ken bewacht. Eigen­ar­ti­ger­wei­se wer­den in dem TV-Bericht kei­ne Bil­der aus dem poli­zei­lich bewach­ten Mün­chen ein­ge­blen­det. Auf den Moni­to­ren im Hin­ter­grund ist auch kein Flim­mern, kein beweg­tes Bild zu ent­de­cken. Die Arbeits­plät­ze im Stu­dio sind nicht besetzt. Das Stu­dio ist ein Potem­kin­sches Dorf, eine Attrap­pe. Und der Sprecher?

Der betreibt jetzt eine ande­re Sei­te, denn die Sei­te von CNTV, das natür­lich nicht das Tsche­chi­sche Fern­se­hen war, son­dern eine Inter­net­sei­te mit Video­b­e­trieb, gibt’s nicht mehr. Dafür aber die Sei­te „New World Order Oppo­si­ti­on“, die auch vom Spre­cher Petr Richard Ortek betrie­ben wird.

Auf die­ser Sei­te ste­hen auch Vide­os zum Down­load bereit. Zum Bei­spiel eines von David Duke, dem wil­den Anti­se­mi­ten und ehe­ma­li­gen KuKluxKlan-Mann.


David Duke und „New World Order Opposition“

Das Video ist über „LiveLeak“ abruf­bar. Dort wur­de es am 7. Okto­ber hoch­ge­la­den. In Ber­lin. Von „Eeyo­rev­lad­tepe“. Wer auch immer das ist, er oder es hat sei­nen vir­tu­el­len Sitz in Kana­da und ver­treibt über „LiveLeak“ wil­de Het­ze über den Islam und Muslime.

Bei­spiel: Mus­lim ermor­det Mut­ter, mas­tur­biert auf die Lei­che und schnei­det ihr das Herz her­aus. Die­se Spar­te von rech­ten Het­zern nennt sich selbst Coun­ter-Jiha­dis­ten, will hei­ßen, sie sind genau so ver­trot­telt wie die Jihadisten.

Bis auf den Spre­cher im Stu­dio, der die Sei­te mit der Oppo­si­ti­on zur Neu­en Welt­ord­nung betreibt, sind alle Per­so­nen anonym. Ein Kana­di­er, der in Ber­lin ein Video hoch­lädt, in dem der Spre­cher einer rechts­extre­men Sei­te dar­über berich­tet, dass er von einer Freun­din über die Mail infor­miert wur­de, die ihr ein pen­sio­nier­ten Arzt aus Mün­chen geschrie­ben hat. Die Über­set­zung stammt von dem anti­is­la­mi­schen, coun­ter-jiha­dis­ti­schen Blog „Xanthippa’s Cham­ber­pot“, der angeb­lich von einer Kana­die­rin mit dem Vor­na­men Alex­an­dra betrie­ben wird.


Hoch­ge­la­den aus Berlin

Aus dem Inhalt des Nacht­top­fes von Xan­thip­pe stammt auch der Rest der Nach­richt des angeb­li­chen Arz­tes aus Mün­chen. Der jam­mert nach sei­nen Ein­lei­tungs­sät­zen über die Situa­ti­on in Spi­tä­lern und Apo­the­ken in der Fol­ge über die Arbeits­lo­sen­zah­len, die wegen der Flücht­lin­ge bald stei­gen wür­den, über die häu­fig schwan­ge­ren Frau­en der Flücht­lin­ge, über die vie­len Kin­der der Flücht­lin­ge und dar­über, dass das „eines Tages in Tsche­chi­en auch so sein“ könn­te. Und dann der Satz für die Tsche­chen: „Nie­mand, der mit denen noch nicht in Kon­takt gewe­sen ist, hat eine Vor­stel­lung, was von eine Art von Tie­ren das sind, beson­ders die aus Afri­ka und wie Moham­me­da­ner sich in Hin­blick auf ihre Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit über­heb­lich gegen­über unse­rem Per­so­nal verhalten.”

Gegen Ende sei­ner Mail folgt eine wei­te­re Horrorgeschichte:

In einem bekann­ten Kin­der­spi­tal am Rhein haben die Migran­ten das Per­so­nal mit Mes­sern ange­grif­fen, nach­dem sie ihnen ein 8 Mona­te altes Kind an der Schwel­le des Todes über­ge­ben hat­ten, das sie seit drei Mona­ten quer durch halb Euro­pa geschleppt hat­ten. Das Kind starb nach zwei Tagen, obwohl es Spit­zen­ver­sor­gung in einer der bes­ten Kin­der­kli­ni­ken Deutsch­lands bekom­men hat­te. Der Arzt muss­te not­ope­riert wer­den und zwei Kran­ken­schwes­tern lan­de­ten auf der Inten­siv­sta­ti­on. Nie­mand wur­de bestraft! Der loka­len Pres­se ist es ver­bo­ten, über die­se Vor­fäl­le zu schreiben.

Der letz­te Satz ist der ent­schei­den­de. Nie­mand darf berich­ten, nie­mand kann daher die­se Lügen­ge­schich­te wirk­lich über­prü­fen. Nur der ärzt­li­che Pen­sio­nist in Mün­chen darf auf ver­schlun­ge­nen Wegen die Bot­schaft wei­ter­ge­ben. An Sie, an Dich, an uns – ein wah­rer Freund der Mensch­heit, zu der nun ein­mal „Tie­re“ nicht zäh­len! Wie er wohl von dem Vor­fall in dem „bekann­ten Kin­der­spi­tal“ erfah­ren haben mag? Ver­mut­lich über eine Mail mit dem Hin­weis „Bit­te lesen! Gut ansehen!“

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