Verlogen bis zum Abwinken: Dumping-Propaganda der FPÖ

Die FPÖ ist schon wieder Opfer! Im Bur­gen­land plakatiert sie frech „Heimvorteil für Bur­gen­län­der“ und sprach­lich gelun­gen „Heimis­che Kön­ner statt Ost-Dump­ing-Löh­n­er“ — und dann deckt die „Kro­ne“ auf, dass die blauen Plakate von ungarischen Dump­ing-Löh­n­ern gek­lebt wer­den! Eben! Das beweise die Richtigkeit der FPÖ- Forderun­gen, teilte der bur­gen­ländis­che Opfer­ob­mann Tschürtz dem staunen­den Pub­likum in ein­er Aussendung mit.


Quelle: arbeit-recht-soziales.at, ÖGB-Ver­lag
-

Den Namen muss man sich merken: er kön­nte es – wenn schon nicht bei Wahlen, so doch in der Plakatiererbranche – noch zu etwas brin­gen! Johann Tschürtz, der Spitzenkan­di­dat der bur­gen­ländis­chen FPÖ für die Land­tagswahlen Ende Mai, weiß ganz genau, wie ein Frei­heitlich­er darauf reagieren muss, wenn seine Partei ger­ade auf frisch­er Tat ertappt wor­den ist – man muss ganz laut schreien: “Hal­tet den Dieb!“. Oder etwas umständlich­er: „Ger­ade dieser Vor­fall ist ein Parade­beispiel für die Richtigkeit unser­er Forderungen!.…..Auch wenn dieses mal (sic!) die FPÖ das Opfer war…“.

Das Opfer? Ja sicher­lich, so Tschürtz: “Der Vor­fall führt ein­drucksvoll vor Augen, welch­es Aus­maß die regel­rechte ‚Inva­sion‘ von Arbeit­skräften und Sub­un­ternehmern aus Osteu­ropa bere­its angenom­men hat“. Die FPÖ Bur­gen­land habe – so Tschürtz – ein öster­re­ichis­ches „Tra­di­tion­sun­ternehmen“ mit der Außen­wer­bung beauf­tragt und dieses dann ein Sub­un­ternehmen mit der Plakatierung, das dann ver­mut­lich „zur Abdeck­ung von Aus­las­tungsspitzen“ die von der „Kro­ne“ ent­deck­ten ungarischen Hil­f­skräfte bzw. ein weit­eres Sub­un­ternehmen beauf­tragt habe, was sich aber der Ken­nt­nis des öster­re­ichis­chen „Tra­di­tion­sun­ternehmens“ und der FPÖ völ­lig ent­zo­gen habe. „Die wahre Krux an der Sache“, so Tschürtz weit­er, sei, „dass öster­re­ichis­che Unternehmer sich über­haupt osteu­ropäis­ch­er Sub­un­ternehmer bedi­enen – unter Bedacht­nahme auf die Steuer­be­las­tung im Lande manch­mal regel­recht bedi­enen müssen!“


Aussendung der FPÖ
-

Hal­lo Tschürtz! Geht’s noch? Der Spitzenkan­di­dat ein­er Partei, die, während sie von „Heimvorteil für Bur­gen­län­der“ und „Heimis­che Kön­ner statt Ost-Dump­inglöh­n­er“ schwätzt , ger­ade dabei ertappt wird, dass Dump­inglöh­n­er für sie plakatieren, erk­lärt schul­terzuck­end, dass öster­re­ichis­che Unternehmen wegen der Steuer­be­las­tung regel­recht gezwun­gen sind, sich dieser Dump­inglöh­n­er zu bedi­enen? Soll das eine Recht­fer­ti­gung dafür sein , dass die FPÖ — wie auch die ÖVP — immer gegen den Haf­tungs­durch­griff auf Sub­sub­un­ternehmen und gegen wirk­same Straf­bes­tim­mungen für Lohn­dump­ing war?

Die Presseerk­lärung von Tschürtz ist schw­er auffind­bar. Auf der Seite der FPÖ Bur­gen­land ist man bei den aktuellen Mel­dun­gen etwas in Verzug. Eigentlich aber sollte die Presseaussendung von Tschürtz (15.5.2015) als Lehrbeispiel für die sozial- und beschäf­ti­gungspoli­tis­chen Vorstel­lun­gen der FPÖ Ver­wen­dung find­en. Für ihre Insze­nierung als Opfer sowieso.


FPÖ ist top aktuell
-

Wider­lich ist nicht der Ein­satz von ungarischen Plakatier­ern, son­dern ihr Ein­satz zu Dump­inglöh­nen, der auch noch gerecht­fer­tigt wird („unter Bedacht­nahme auf die Steuer­be­las­tung“) durch die, die auf ihren Plakat­en dage­gen kampagnisieren!

Wir haben in unseren Archiv­en gestöbert und doku­men­tieren hier einige weit­ere „Vor­fälle“ , die bele­gen, dass die Frei­heitlichen kein Prob­lem damit haben, gegen aus­ländis­che Pro­duk­te und Dien­stleis­tun­gen zu polemisieren, sich aber sel­ber ihrer zu bedienen.

  • Das HC Stra­che-Kap­perl, das im Jahr 2010 blaue Hirne bedeck­en und für den Parteivor­sitzen­den wer­ben sollte, trug die Ursprungs­beze­ich­nung „Made in Chi­na“ [youtube IegzaE003Ew]
  • Der Hund mit der Parole „Mut zur Heimat“, der für die niederöster­re­ichis­che FPÖ-Kan­di­datin Bar­bara Rosenkranz als Schlüs­se­lan­hänger her­hal­ten musste, war wed­er ein heimis­ch­er Hund noch in der Heimat gefer­tigt. „Made in Chi­na“ war das Beken­nt­nis zur Heimat.

  • Sehr passend auch der Beitrag der frei­heitlichen Wirtschaft­streiben­den zum FPÖ-Parteitag im Juni 2011 in Graz, bei dem das Beken­nt­nis zur deutschen Volks‑,Sprach- und Kul­turge­mein­schaft abge­feiert wurde: ein T‑Shirt mit der Herkun­fts­beze­ich­nung „Made in Haiti“ 


    Blaue Wirtschaft­streibende (RFW): Leiberln aus Haiti (© Stoppt­dierecht­en, CC BY-SA 4.0)
    -

  • Die Zeitschrift „Zur Zeit“, die der FPÖ bzw. dem Mölz­er-Clan nicht ger­ade fern­ste­ht und auch Presse­förderung erhält , wird in Bratisla­va gedruckt.