Der schwäbische Werwolf mit Tirol-Verbindung

Vor weni­gen Tagen sollte das Landgericht Augs­burg über die Beru­fung eines Neon­azi urteilen, der im Vor­jahr zu safti­gen zwei Jahren und 9 Monat­en Haft verurteilt wor­den war. Der Grün­der der „Legion Wer­wolf Schwaben“, ein­er Neon­azi-Grup­pierung, betrieb auch das Neon­azi-Label „Blood­line Streetwear“, dessen Motive auch Gegen­stand der Anklage waren. Moment! „Blood­line Streetwear“ ken­nen wir auch aus Öster­re­ich – und dessen Betreiber auch!

Es ist noch nicht so lange her, da resi­dierte der „Werwolf“-Gründer Har­ald Frank in Tirol, fungierte als ‚Präsi­dent‘ der recht­en FB-Gruppe „Hei­mater­ben Tyrol“, die im August 2011 in der Umge­bung von Hall/Tirol ein Neon­azi-Konz­ert ver­anstal­tete und ver­suchte sich auch mit „Blood­line Streetwear“, einem Ver­sand­han­del mit brauner Unter- und Ober­wäsche. Der Pro­to­typ seines Nazi-Labels lief aber nicht so wirk­lich, sodass der Nazi-Präsi­dent im Früh­jahr 2012 in kaum ver­ständlichem Deutsch gurgelte: „Achtung!!! Achtung!!! Aus Pri­vat­en Grün­den, wird der Online-Shop oder die Beratung bis auf weit­ers, bedauer­lich eingestellt !!!“.


„Blood­line Streetwear“, Ver­sand­han­del mit brauner Unter- und Oberwäsche
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Tja, die pri­vat­en Gründe, das war nicht ein­fach ein Rosenkrieg, son­dern der auch strafrechtlich rel­e­vante Vor­wurf sein­er Fre­undin, „Fräulein H.“, dass sie von ihrem Ex gewalt­sam bedro­ht wor­den sei. Danach ver­lieren sich die öster­re­ichis­chen Spuren von Har­ald Frank, der immer zwis­chen Tirol und sein­er schwäbis­chen Heimat­ge­meinde Mertin­gen gepen­delt hatte.


Har­ald Frank war ziem­lich sauer auf die „Hei­mater­ben“ und seine Ex-Freundin …
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Im April 2013 stellt der Land­tagsab­ge­ord­nete Sepp Dürr (Bay­ern –Bünd­nis 90/Die Grü­nen) eine par­la­men­tarische Anfrage zu Har­ald Frank, der mit­tler­weile mit seinem Label „Blood­line Streetwear“ wieder aktiv war. Mit T‑Shirts, die Auf­drucke wie „Nichtjude“ , „Bünd­nis 33 — Die Braunen“ oder „Nazisu­per­me­n­schen sind unbe­sieg­bar“ (abgekürzt als NSU les­bar) tra­gen. Das bay­erische Innen­min­is­teri­um teilt in sein­er Antwort mit, dass die Staat­san­waltschaft Augs­burg Ermit­tlun­gen führe. Das dürfte Har­ald Frank noch nicht beson­ders beun­ruhigt haben, denn Ermit­tlun­gen, Haus­durch­suchun­gen, Anzeigen und Strafver­fahren gehörten schon in der Öster­re­ich-Phase und vorher zum All­t­ags­geschäft. Kurz und gut: bei Har­ald Frank han­delt es sich um einen fes­ten und gefes­tigten Neon­azi – nicht nur bis zum Jahr 2005, wie er in sein­er Hauptver­hand­lung im Juni 2014 vor dem Amts­gericht Augs­burg behauptete.


Blood­line Streetwear, der Online-Shop von Har­ald F.
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Noch im Jahr 2012 fällt Frank auch mit der „Legion Wer­wolf Schwaben“ auf, ein­er Neon­azi- Gruppe, die sich als Rock­er mit Kutte, aber ohne Motor­rad präsen­tieren. Frank spielt auch dort den „Präsi­den­ten“ – bis zum Novem­ber 2013. Da wird er in Unter­suchung­shaft genom­men und dann im Juni 2014 beim Augs­burg­er Amtsgerichtangeklagt.

Die „Legion Wer­wolf Schwaben“ ver­di­ent einen Zwis­chen­stopp. Auch in der Schweiz gab es zu dieser Zeit eine „Legion Wer­wolf“. im Juli 2013 find­en in der Schweiz, Deutsch­land und den Nieder­lan­den Razz­ien wegen des Ver­dachts der Bil­dung ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung gegen die „Wer­wölfe“ statt. Von der Razz­ia im Juli2013 sind Har­ald Frank und seine braune Wer­wolf-Truppe in Schwaben nicht betrof­fen. Das ist merk­würdig, denn der ‚Störungsmelder‘, ein Blog der ‚Zeit‘, berichtet nicht nur von guten Beziehun­gen Franks in die Schweiz, son­dern auch zur dor­ti­gen „Werwolf“-Sektion: “So posiert Frank auf einem Pho­to zusam­men mit dem Schweiz­er Jonas Schnee­berg­er und Anderen — alle­samt in Klam­ot­ten der Legion“.

Das passt so gar nicht zu dem Ermit­tlungsergeb­nis der Bun­de­san­waltschaft, die – so ‚Blick nach Rechts‘ vor weni­gen Tagen — die Ermit­tlun­gen wegen der Bil­dung ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung gegen das deutsche „Wer­wolf –Kom­man­do“ eingestellt hat. Dem Schweiz­er Hauptverdächti­gen, Sebas­t­ian N., war vorge­wor­fen wor­den, einen Anschlag auf eine israelis­che Botschaft und Nagel­bombe­nan­schläge geplant zu haben. ‚Blick nach Rechts‘: „Ern­sthafte Pläne für Ter­ro­ran­schläge fan­den die Ermit­tler jedoch nicht“.

Vielle­icht wur­den nicht alle geeigneten „Auskun­ftsper­so­n­en“ befragt? Mar­tin Wiese war damals Geschäftspart­ner von Har­ald Frank bei „Blood­line Streetwear“. Die bei­den waren natür­lich auch gemein­sam in poli­tis­ch­er Mis­sion unter­wegs, etwa beim „Thürin­gen­tag der nationalen Jugend“ in Kahla im Juni 2013. Wiese, der wegen eines geplanten Anschlags auf das Jüdis­che Kul­turzen­trum in München 2003 vor Gericht ges­tanden hat­te und zu sieben Jahren Haft verurteilt wor­den war, ist nach wie vor ein­er der gefährlich­sten Neon­azis Deutsch­lands und – was Anschläge auf jüdis­che Ein­rich­tun­gen bet­rifft-sich­er kenntnisreich .

Im Juni 2014 stand Har­ald Frank vor dem Amts­gericht Augs­burg. Die Aktiv­itäten der „Wer­wolf Legion Schwaben“ spiel­ten in der Anklage keine Rolle. An ins­ge­samt drei Ver­hand­lungsta­gen wur­den die Vor­würfe gegen Frank abge­han­delt – von der Volksver­het­zung bis hin zu Erpres­sung und Betrug. Sein­er Ex-Fre­undin hat­te er auch gedro­ht, sie kön­nte schnell „ver­räumt“ sein, wenn sie sich weit­er­hin so aufspiele.

Das Amts­gericht Augs­burg verurteilte ihn zu den schon erwäh­n­ten zwei Jahren und 9 Monat­en Haft. Das Landgericht, das jet­zt über die Beru­fung Franks zu entschei­den hat­te, befand, dass das Amts­gere­icht in der ersten Instanz gar nicht zuständig war: „Vor die Wahl gestellt, das erstin­stan­zliche Urteil zu akzep­tieren oder das Risiko einzuge­hen, seine let­z­tendliche Haft­dauer zu ver­längern, gibt der Beschuldigte sich trotzig: „Akzep­tieren werde ich das Urteil garantiert nicht.”” Also wurde das Ver­fahren an die Staatss­chutzkam­mer am Landgericht in München ver­wiesen, wo es von neuem begin­nen wird“ (Störungsmelder).

Berichte zu Har­ald Frank in Tirol auch auf RFJ-Watch, 2011.