Achau (NÖ): Freiheitliche Exekutionsphantasien

Hel­mut Purzn­er zog bei den Gemein­der­atswahlen 2015 auf der FPÖ-Liste für Achau in den Gemein­der­at ein; mit dem heuti­gen Tag und nach der Veröf­fentlichung einiger sein­er Face­book-Post­ings durch „Öster­re­ich“ ist es mit Man­dat und Parteim­it­glied­schaft vor­bei. Wenn es in der FPÖ einen sofor­ti­gen frei­willi­gen Aus­tritt gibt, dann schaut’s wirk­lich schlimm aus.

In der Presseaussendung der FPÖ NÖ liest sich die Mel­dung über Hel­mut Purzn­ers Aus­tritt so, als ob der FPÖ der gute Mann ein­fach irgend­wie passiert sei: Purzn­er sei „erst am 27.10. 2014 in die FPÖ einge­treten“. Mit seinem Man­datsverzicht und dem Aus­tritt aus der Partei ist „für die FPÖ die Sache somit erledigt”. So ein­fach will sich die FPÖ das machen.

Dabei war schon vor seinem Parteiein­tritt im Okto­ber in frei­heitlichen Kreisen bekan­nt, wie Purzn­er tickt. In Face­book-Grup­pen wie „Zurück zum Schilling“, „Unsere Blaue Seite“ oder „Frei­heitlich für Öster­re­ich” hat­te Purzn­er seine braunen Duft­marken abge­set­zt, bevor er offiziell in die Partei eintrat.

Am 20. August postete er auch auf FB-Seite von Parte­ichef Stra­che: „tja unsere poli­tik­er führen und mit lauf­schritt in die näch­ste wirtschaft­skrise wird zeit das wir uns von ihnen entledi­gen ich empfehle den weg zu gehn den des franzö­sis­che volk damals ging zur zeit der franz. rev­o­lu­tion .. ein riesen schaf­fott in den haupt­städten und einen nach den anderen rauf­brin­gen .… als war­nen­des beispiel für zukün­ftige politiker .…”

Das Post­ing bei Stra­che ist noch immer online, ist aber trotz der ein­deuti­gen Dik­tion bei weit­em nicht das ärg­ste. Die roten und schwarzen „Bonzen”, die „Presse-Huren“, das Antifa-„Gsindl“, die Mus­lime – sie alle wer­den in der Vorstel­lung Purzn­ers gehängt, an die Wand gestellt oder mit ein­er Bombe aus­gelöscht. Purzn­ers Exeku­tions- und Lynch-Post­ings reichen bis in das Jahr 2012 zurück.

Entwed­er wird bei der FPÖ ein Kan­di­dat für die Gemein­der­atswahl nicht näher geprüft, oder es wird nicht als Prob­lem betra­chtet, wenn ein Kan­di­dat per­ma­nent auszuckt. Für let­zteres spricht ein süff­isantes Post­ing des niederöster­re­ichis­chen Lan­desparteisekretärs und Nation­al­ratsab­ge­ord­neten Chris­t­ian Hafe­neck­er (der heute den sofor­ti­gen Aus­tritt von Purzn­er bekan­nt­gegeben hat) über den Bürg­er­meis­ter von Traiskirchen: „Eigentlich arm, wenn ein Bürg­er­meis­ter plakatieren muss, dass er seine Gemeinde mag. Abge­se­hen davon hätte ich keine Freude damit, wenn mich meine Parteifre­unde an eine Lat­er­ne hän­gen würden.“

Ein der­maßen zwei­deutiges Post­ing ist natür­lich ein Schenkelk­lopfer bei den FPÖ-Hard­lin­ern. Auch Chris­t­ian Höbart gefiel es. Und Hel­mut Purzn­er wurde natür­lich beson­ders angeregt: „Also i find des scho reizvoll wenn a unfähiger poli­tik­er auf ner lat­er­ne hängt fay­mann und co soll­ten dds nach­machen und zeigen wie man richtig hängt hehe.“

Inner­halb der FPÖ fällt das offen­sichtlich alles unter Humor, denn das Post­ing von Purzn­er und auch das von Hafe­neck­er sind noch immer online. Als die Tageszeitung „Öster­re­ich“ Purzn­er mit seinen Hass-Kom­me­na­tren kon­fron­tierte, „lacht er und meint nur iro­nisch: ‚Auf diese Geschichte kom­men Sie aber früh!’ ” (Öster­re­ich, 9.2.2015)