Die FPÖ auf dem Brunnenboden

Die näch­sten Tage wer­den ziem­lich span­nend und ver­mut­lich nicht nur etliche Zier­brun­nen zum Über­laufen brin­gen. Die FPÖ, genauer: die Abge­ord­nete Belakow­itsch-Jenewein, Spezial­istin für aus­sicht­slose Fälle, hat sich näm­lich der Zier­brun­nen angenom­men, genauer der Münzen in den Zier­brun­nen und damit eines Brauch­tums, das die Frei­heitlichen durch organ­isierte Ban­den gefährdet sehen.

Am 14. Juli bleibt kein Auge und schon gar kein Bun­deszier­brun­nen trock­en. An diesem Tag trudeln näm­lich spätestens die Antworten zu den Anfra­gen ein, die Belakow­itsch-Jenewein an die diversen, für Bun­des-Zier­brun­nen ver­ant­wortlichen Min­is­ter gestellt hat. Erst wenn man bedenkt, dass es nicht nur Bun­des-Zier­brun­nen, son­dern auch solche in Ver­ant­wor­tung eines Bun­des­lan­des oder auch von Gemein­den gibt (möglicher­weise auch solche in Pri­vatbe­sitz!), wird einem die gewaltige Dimen­sion dieses neuen frei­heitlichen Pro­jek­ts richtig klar. Da ste­ht noch einiges an Arbeit und Recherche für die kleinen frei­heitlichen Funk­tionäre und Man­datare bevor, die ver­mut­lich nur mit Hil­fe von pro­fes­sionellen Detek­tiv­en bewältigt wer­den kann!

Aber es ist eine lohnende Auf­gabe, denn schließlich geht es für die FPÖ hier nicht nur darum, dass „altes Volks­brauch­tum“ durch das Entwen­den der Geld­stücke zer­stört wird, son­dern auch „der Tatbe­stand des Dieb­stahls oder der Unter­schla­gung began­gen wird“ – und zwar durch „vor allem organ­isierte Ban­den“ (Anfrage BMI). Und weil Belakow­itsch-Jenewein ver­mutet, dass es sich dabei um „Mit­glieder organ­isiert­er Bet­tler­ban­den“ han­delt, will sie natür­lich auch die Nation­al­ität der „angezeigten Per­so­n­en“ wissen.

Die schle­ichende Zer­störung des „alten Volks­brauch­tums“ sieht die FPÖ vor allem dadurch gegeben, dass „immer weniger Touris­ten Geld in die Brun­nen wer­fen“. Na klar, da steigen organ­isierte Ban­den in die Zier­brun­nen ein und entwen­den mas­sig Geld­stücke, ver­mut­lich nicht nur vor den hil­flosen Augen frei­heitlich­er Funk­tionäre, son­dern auch entset­zter Touris­ten – das demo­tiviert natür­lich gewaltig beim „Wer­fen von Münzen in Zier­brun­nen, um Glück, Wohl­stand oder Gesund­heit zu erhal­ten oder wiederzuerlangen“!


Unser Vorschlag: Eine Zier­brun­nen­wehr! Zierburschenbrunnenwächterschaft!
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Vom Innen­min­is­teri­um will die FPÖ-Abge­ord­nete jeden­falls wis­sen, wie viele Anzeigen wegen Münzdieb­stahls und Unter­schla­gung von Münzen es seit 2008 gab, natür­lich „aufgeschlüs­selt nach Bun­deslän­dern, Brun­nen und Jahren“. Auch über die Höhe der jew­eili­gen Beute will die FPÖ informiert wer­den – schließlich kön­nen wir jeden Cent für die Hypo brauchen! Vom Jus­tizmin­is­teri­um will sie alles über die erfol­gten Verurteilun­gen wis­sen. Aus der Art der Fragestel­lung und ihrem Drang zur Detail­lierung kön­nen wir schließen, dass es sich bei den Dieb­stählen aus Zier­brun­nen um ein gewaltiges, aber bis­lang weit­ge­hend uner­forscht­es Prob­lem der organ­isierten Krim­i­nal­ität han­delt. Ver­mut­lich gibt es hin­ter unserem Rück­en bere­its regel­rechte Revierkämpfe um die besten Angel- bzw. Fis­ch­plätze für Zierbrunnenmünzen!

Mit den bei­den für die Ver­wal­tung von Bun­deszier­brun­nen zuständi­gen Min­is­tern für Wirtschaft (Mit­tler­lehn­er) und Land­wirtschaft (Rup­prechter) geht die FPÖ- Abge­ord­nete etwas schär­fer ins Gericht. Zu Recht – wie wir meinen, denn schließlich haben die bei­den Zier­brun­nen­min­is­ter den organ­isierten Abfluss von Münzen und Brauch­tum ganz offen­sichtlich nicht ver­hin­dert. Deshalb sind die Fra­gen an sie beson­ders exakt aus­ge­fall­en. Nicht nur die Anzahl der Bun­deszier­brun­nen, son­dern auch Stan­dort und Namen sowie die durch­schnit­tlichen jährlichen Sum­men der Münzen in den einzel­nen Brun­nen seit dem Jahr 2000 (!) will die FPÖ wis­sen. Da tut sich allerd­ings eine gewaltige Lücke auf, die sich­er noch Stoff für Nach­fra­gen liefert, denn in den Anfra­gen an Jus­tiz- und Innen­min­is­teri­um wollen die Frei­heitlichen nur über die Münzdieb­stäh­le seit 2008 Auskun­ft haben. Hängt das vielle­icht damit zusam­men, dass zwis­chen 2000 und 2006 die Blauen in der Regierung ein wach­es Auge auf die Münzen in den Zier­brun­nen (noch mehr auf die in der HypoAl­peAd­ria übri­gens!) gewor­fen haben?

Jeden­falls sollen die bei­den schwarzen Zier­brun­nen­min­is­ter auch die fol­gen­den Fra­gen beant­worten: „Wer genau hat diese Münzen gesam­melt bzw. gezählt?“ und “Ist Baden in den Zier­brun­nen erlaubt?“.

Während sich der schwarze Wirtschaftsmin­is­ter bish­er mit den Antworten geziert hat, was ein deut­lich­es Indiz dafür ist, dass er das Brauch­tum, die organ­isierte Krim­i­nal­ität und die Zier­brun­nen nicht ernst genug nimmt, hat der schwarze Land­wirtschaftsmin­is­ter bere­its geant­wortet und seine Ver­ant­wor­tung für zwei Bun­des-Zier­brun­nen man­gel­haft ein­bekan­nt. Der Brun­nen 07 im Belvedere Wien (auch Muschel­brun­nen genan­nt) habe durch­schnit­tlich nur 10 Euro jährlich abge­wor­fen, während aus dem Spring­brun­nen im Hof­garten Inns­bruck (Froschkönig­in­brun­nen) jährlich 300 Euro legal abge­fis­cht und dien­st­stel­len­in­tern sozialen Zweck­en zuge­führt wer­den. Der angegebene jährliche Durch­schnitt lässt lei­der keine genauen Rückschlüsse auf das Ver­hal­ten der organ­isierten Ban­den an den Zier­brun­nen zu. Möglicher­weise haben die organ­isierten Ban­den in West­öster­re­ich über­ris­sen, dass es für ihr brauch­tum­swidriges Treiben gün­stiger ist, einen hohen Rest­be­stand an Münzen im Bun­deszier­brun­nen zu belassen, weil so die braven Touris­ten eher motiviert sind, ihre Rest­münzen in den Bun­deszier­brun­nen zu entsor­gen, während die Ban­den in Ostöster­re­ich in ihrer Gier fast alles bis auf 10 Euro jährlich abfis­chen (das würde allerd­ings auch bedeuten, dass die Ban­den im ‚West­en das Brauch­tum pfle­gen!). Es kön­nte allerd­ings auch so sein, dass die Per­so­n­en, die die Münzen sam­meln und in der Anfrage­beant­wor­tung beze­ich­nen­der­weise nicht namentlich ange­führt wur­den, näm­lich der „jew­eilige Betrieb­srat der Bun­des­gärten“, auch ein biss­chen im trüben Wass­er der Bun­deszier­brun­nen mit­ge­fis­cht haben und mit den organ­isierten Ban­den unter ein­er Decke stecken.

Baden (Antwort zu Frage 8) ist in den Bun­deszier­brun­nen von Rup­prechter nicht erlaubt – das zumin­d­est ist eine klare Ansage an alle jene Mit­glieder von organ­isierten Ban­den, die ihr schändlich­es Treiben mit ver­meintlich­er kör­per­lich­er Ertüch­ti­gung tar­nen: nicht im Froschköniginbrunnen!

Ins­ge­samt- so find­en wir – hat sich die FPÖ mit dieser Anfrage­serie um das Volksver­mö­gen, das seit Jahren schle­ichend den Bun­deszier­brun­nen ent­zo­gen wird, sehr ver­di­ent gemacht und hält die Bürokratie ordentlich auf Trab. Es wird immer klar­er, dass diese Partei die einzige ist, die die bren­nen­den Lebens­fra­gen auf­greift. Nur bei den Lösun­gen für die Bun­deszier­brun­nen ist sie noch etwas brustschwach: wie wär’s mit spon­tan gebilde­ten Zier­brun­nen­wehren und – wärtern bis zu dem Zeit­punkt, wo Stra­che die Zier­brun­nen übernimmt? 

Anfrage Innenministerium

Ein altes Volks­brauch­tum, näm­lich das Wer­fen von Münzen in Zier­brun­nen, um Glück, Wohl­stand oder Gesund­heit zu erhal­ten oder wiederzuer­lan­gen, ist in weit­en Teilen Europas sehr ver­bre­it­et, so auch in Öster­re­ich. Aus rechtlich­er Sicht gehen die Münzen am Brun­nen­bo­den in den Besitz des Brun­nenbe­sitzers bzw. Erhal­ters über. Seit eini­gen Jahren mehren sich Beschw­er­den darüber, dass vor allem organ­isierte Ban­den in die Zier­brun­nen steigen und die Geld­stücke entwen­den. Damit wird nicht nur das Brauch­tum zer­stört, da immer weniger Touris­ten Geld in die Brun­nen wer­fen, auch der Tatbe­stand des Dieb­stahls oder der Unter­schla­gung wird begangen.

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/J/J_01473/fnameorig_349963.html

Anfrage BMJ

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/J/J_01472/fnameorig_349979.html

1. Wie viele Verurteilun­gen wegen Münzdieb­stahl aus Brun­nen gab es seit 2008 (aufgeschlüs­selt nach Bun­deslän­dern, Brun­nen und Jahren)?
2. Wie viele Verurteilun­gen wegen Unter­schla­gung von Münzen aus Brun­nen gab es seit 2008 (aufgeschlüs­selt nach Bun­deslän­dern, Brun­nen und Jahren)?
3. Gab es Anze­ichen darauf, dass die verurteil­ten Per­so­n­en Mit­glieder organ­isiert­er Bet­tler­ban­den waren?
4. Welche Nation­al­ität haben die verurteil­ten Personen?

Anfrage BMWFW (Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft)

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/J/J_01475/fnameorig_349978.html

1. Wie viele Brun­nen ste­hen im Eigen­tum der Republik?
2. Um welche Brun­nen (Name, Stan­dort) han­delt es sich?
3. In wie viele dieser Brun­nen wer­den regelmäßig Münzen geworfen?
4. Wie hoch waren die durch­schnit­tlichen Sum­men der einzel­nen Brun­nen seit dem Jahr 2000?
5. Wer genau hat diese Münzen gesam­melt bzw. gezählt?
6. Wofür wurde dieses Geld verwendet?
7. Befind­en sich auf den Bun­des­brun­nen Hin­weiss­childer, dass die Ent­nahme von Münzen ver­boten ist?
8. Ist Baden in den Zier­brun­nen erlaubt?