Objekt 21: Der Mann für’s Grobe vor Gericht

In Wels stand am 22.4. eine Schlüsselfigur der Neonazi-Truppe Objekt 21 vor Gericht. Der Prozess gegen Andreas P. fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. P. hat bei den Ermittlungen ‚abgelegt‘ – in der Szene gilt er deshalb als Verräter.

Andreas P. war quasi ein ‚Urgestein‘ von Objekt 21. Der Neonazi (28), ein Söldner aus Thüringen, war in der bundesdeutschen Szene weitgehend unauffällig – die übliche Karriere eines Schlägernazis: rassistisch motivierte Prügeleien, schwere Körperverletzung, sodann eine unbedingte Haftstrafe, die ihm in der Szene den Status eines politischen Gefangenen einbrachte.


Meldung über Andreas P.

Nach der Haft taucht P. in Oberösterreich auf – bei der Kerntruppe des späteren Objekt 21, verbringt viel Zeit mit Jürgen W., dem Chef von Objekt 21, der für ihn die wichtigste Bezugsperson wird. Formulierungen wie „Es war wie in einer Familie“ bzw. W. ist die „einzige Person, für die ich alles getan hätte“ geben Auskunft über das Ausmaß von Abhängigkeit.

P. wird innerhalb von Objekt 21 der „Mann fürs Grobe“, zuständig für ziemlich viele Varianten von Straftaten. Innerhalb der Neonazi-Truppe hatten die meisten Angst vor P., vor seiner Gewaltbereitschaft. P. hatte dabei die volle Deckung von Jürgen W..


Neonazi-Grüße an Neonazis in Haft

Anfang November 2012 wird P. aufgrund eines internationalen Haftbefehls, ausgestellt von der Staatsanwaltschaft Wels, in Gotha festgenommen und in der Folge nach Österreich ausgeliefert. Seine „Lebensbeichte“, von der der Richter auch in der Urteilsbegründung spricht, trägt in der Folge erheblich dazu bei, dass die Straftaten, aber auch die Strukturen und Netzwerke von Objekt 21, erhellt werden können. Für P., der in Deutschland Frau und Kind hat, wird das Leben in der Haft dadurch aber nicht sicherer. Über einen Anwaltsgehilfen wird ein finanzielles Zuckerbrot bzw. anwaltliche Unterstützung an ihn herangetragen, wenn er seine Aussagen ändert. Drohungen mit der Peitsche, sprich massive existentielle Einschüchterungsversuche, folgen und führen zu den schon erwähnten Sicherheitsvorkehrungen bei den Prozessterminen.

Welche Maßnahmen zum Schutz von P. innerhalb der Justizanstalten ergriffen wurden, ist unbekannt. Sicher ist, dass sie ebenso notwendig sind wie ein Plan, der P. nach der Haft den Ausstieg aus der Neonazi-Szene und ihm und seiner Familie ein neues Leben ermöglichen sollte. Das relativ milde Urteil, eine unbedingte Haftstrafe von 3 Jahren, 9 Monaten und 2 Wochen (noch nicht rechtskräftig) deutet darauf hin, dass das Geschworenengericht P. diese Chance zubilligen will.