Die FPÖ und ihre deutschen Burschis

Wenn’s nach den FPÖ-Granden geht, dann steht Innsbruck knapp vor einer Diktatur. In einem offenen Brief, der von den FPÖ-Granden Strache (Bundesparteiobmann), Abwerzger (Landesparteiobmann) und Federspiel (Klubobmann) unterzeichnet ist und sich an alle Innsbrucker Haushalte richtet, sehen sich diese an totalitäre Tendenzen der Zwischenkriegszeit erinnert. Hoppala!

„Die Demokratie in der Landeshauptstadt ist in großer Gefahr“. So beginnt ein offener Brief der FPÖ- Granden, der den Übertitel „Wir sind Zukunft“ trägt und im Jänner offensichtlich an alle Innsbrucker Haushalte verschickt wurde. Wer die Demokratie nach Ansicht der FPÖ gefährdet, wird schon in den ersten Zeilen geklärt: „Die Stadtregierung, bestehend aus der Liste „Für Innsbruck“, den Grünen und der SPÖ, versucht immer mehr, demokratische Spielregeln auszuschalten…“.

Als Beleg für diese Entwicklung werden in aller Kürze und schlagwortartig das Parkraumkonzept der Stadtregierung und ihr Vorschlag für eine Regionalbahn genannt. Dann geht es allerdings in aller Breite um den eigentlichen Zweck des offenen Briefes: die Angriffe auf die „Burschenschaften“, die „unter den Habsburgern verfolgt“ wurden und auch heute „unter wachsendem Druck durch die Regierungen“ stehen würden. Mit Ausnahme des ersten Absatzes ist der offene Brief der FPÖ an die Innsbrucker BürgerInnen nur der Verteidigung der Burschenschaften und der Sorge vor totalitären Tendenzen in Innsbruck gewidmet.

Das Vorgehen der Innsbrucker Stadtregierung bzw. der Bürgermeisterin, den Vertrag mit den Burschenschaften aufzukündigen, der angebliche Druck von “Linksradikalen“ auf Privatunternehmen, das alles erinnert die FPÖ „frappant an die totalitären Tendenzen der Zwischenkriegszeit“. – Sind die FPÖ – Granden noch bei Trost oder betreiben sie wieder einmal Geschichtsrevision?

Im weinerlich freiheitlichen Duktus geht es weiter: „Leider hat mittlerweile die Polit-Apartheit (sic!) wieder Saison“. Dass sich die Freiheitlichen an der Apartheid nicht nur in der Rechtschreibung vergreifen, sondern den Begriff ausgerechnet bei den deutschen Burschenschaftern, die seit Jahren mit ihren Arier-Paragrafen beschäftigt sind, neu aufladen und Opfer-Täter-Umkehr betreiben, ist ein starkes Stück. Dass im offenen Brief der Terminus „Deutsche Burschenschaft(er)“ konsequent vermieden wird, stattdessen von „studentischen Verbindungen“ oder einfach von „Burschenschaften“ die Rede ist, passt da gut dazu. Es könnte ja sonst wer auf die Idee kommen und nachfragen, warum sich die FPÖ für „deutsche Burschenschaften“, die das deutsche Abstammungsprinzip verteidigen, stark macht.