KZ-Loibl: Mit Hakenkreuz die Erinnerung zerstört

An kaum einem anderen Ort in Öster­re­ich hat sich eine Zeile der Kärnt­ner Lan­deshymne der­art deut­lich „mate­ri­al­isiert“ wie am Loiblpass: „Wo man mit Blut die Gren­ze schrieb“, beschreibt sehr genau die Sit­u­a­tion um den von ca. 1800 KZ-Häftlin­gen errichteten Tun­nel am Loiblpass. Tagtäglich von Tausenden von Men­schen am Weg von Öster­re­ich nach Slowe­nien genutzt, wird der Tun­nel nicht als Relikt des nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­rors wahrgenommen.

40 Men­schen wur­den im KZ Loibl während der Errich­tung des Tun­nels ermordet oder zu Tode geschun­den. Mehr als 300 Men­schen wur­den von der Arbeit geschwächt ins Haupt­lager nach Mau­thausen zurück­trans­portiert und in der Folge – wie ins­ge­samt etwa 100.000 andere in Mau­thausen und seinen Neben­lagern inhaftierte Men­schen – ermordet.

Kaum wahrnehm­bar sind zur Unken­ntlichkeit verblasste Gedenk­tafeln am (in Öster­re­ich gele­ge­nen) Nord­por­tal des Tun­nels, und erst seit 1995 bemühen sich Men­schen auf der öster­re­ichis­chen Seite unter Fed­er­führung des Mau­thausenkomi­tees, die Exis­tenz eines Konzen­tra­tionslagers in Erin­nerung zu rufen. Der auf der slowenis­chen Seite des Pass­es gele­gene Lagerteil des KZ Loibl hinge­gen ist bere­its seit 1956 als betreute Gedenkstätte etabliert. Sachkundi­ge Begleitun­gen in bei­den Teilen des Konzen­tra­tionslagers kön­nen über das Mau­thausenkomi­tee organ­isiert wer­den und schützen den­noch nicht vor erschreck­enden Erleb­nis­sen: Just an der Stelle des ehe­ma­li­gen Kre­ma­to­ri­ums ent­deck­te am 24. August 2013 eine Gruppe von Jugendlichen während eines Besuchs der Gedenkstätte ein frisch in die Rinde eines Baumes ein­ger­itztes Hak­enkreuz. Ob unbe­wusst oder bewusst: Der oder die Täter hat/haben nicht nur ihre Mis­sach­tung gegenüber den Opfern des NS-Ter­rors zum Aus­druck gebracht, son­dern auch die Erin­nerungsar­beit der Über­leben­den zer­stört: Diese hat­ten näm­lich bere­its in der Ver­gan­gen­heit Erin­nerungssprüche, Todes­dat­en ihrer Ange­höri­gen oder Häftlingsnum­mern ermorde­ter Men­schen in die Baum­rinde eingeritzt.

Für die jun­gen BesucherIn­nen war das Auffind­en des Hak­enkreuzes ger­ade am Kre­ma­to­ri­um ver­störend. Der offen­sichtlich nation­al­sozial­is­tis­che Angriff auf die Gedenkstätte sowie auf die per­sön­liche Erin­nerungsar­beit von Über­leben­den bringt aber auch die Absur­dität NS-affin­er „Denk“welten zum Aus­druck: Um zum Kre­ma­to­ri­um der Gedenkstätte zu gelan­gen und diese angreifen zu kön­nen, mussten die Täter ger­ade jenen Tun­nel benutzen, den es ohne die Exis­tenz jen­er Men­schen, deren Andenken sie aus­löschen wollen, gar nicht geben würde.