Die Info-Quellen der FPÖ LichtenwörthLesezeit: 4 Minuten

Die FPÖ Lich­ten­wörth bleibt bei ihrer Het­ze. Wie wir ges­tern berich­te­ten, haben eini­ge FPÖ-Orts­or­­ga­­ni­­sa­­tio­­nen einen Link geteilt und kom­men­tiert, in dem behaup­tet wur­de, dass in der „Unrechts­re­pu­blik Öster­reich” Tür­ken Kin­der ver­ge­wal­ti­gen dür­fen, weil es sich um eine „jah­re­lan­ge Fami­li­en­tra­di­ti­on” hand­le. Unse­re Recher­che ergab Merk­wür­di­ges: ein ver­ur­teil­ter Sexu­al­straf­tä­ter, Spu­ren zu Sci­en­to­lo­gy und eini­ges mehr. Der Face­­book-Bei­­trag der […]

15. Mai 2013

Der Face­book-Bei­trag der FPÖ Lich­ten­wörth, in dem der „ver­schies­se­nen [sic!] arsch­krie­che­ri­schen Jus­tiz“ ihre Ent­schei­dung vor­ge­wor­fen wird, ist aktu­ell, näm­lich vom 12.5.2013.

Der „Gala­xien­ge­sund­heits­rat“ vom König­reich Weden­land, zu des­sen Bei­trag die FPÖ-Orts­grup­pen Hei­den­reich­stein, Gmünd und Lich­ten­wörth ver­linkt haben, hat sei­nen Bei­trag am 11.5. 2013 auf ver­öf­fent­licht. Der Bei­trag stammt nicht von ihm, son­dern vom dubio­sen Kopp-Ver­lag. Als Autor wird Udo Ulfkot­te, als wei­te­re Quel­le wird die Web­sei­te inhr.net genannt. Dort wur­de der Bei­trag am 5.9. 2011 ins Netz gestellt: Als Quel­le wur­de kopp.online genannt, wo der Bei­trag am 31.8.2011 ver­öf­fent­licht wurde.


„König­reich Wedenland”

Kopp.online bzw. der Autor Ulfkot­te ver­weist auf einen „Krone“-Artikel vom 30.8.2011, in dem von „Fas­sungs­lo­sig­keit“ in Nie­der­ös­ter­reich berich­tet wird, weil die Jus­tiz einen Tür­ken, der angeb­lich auf Fotos in „ein­deu­ti­gen Posen mit sei­nem zehn­jäh­ri­gen Sohn“ abge­bil­det war, auf frei­em Fuß ange­zeigt hat­te. Die „Kro­ne“ damals: „Als Begrün­dung wur­de ange­ge­ben, dass die an sich kin­der­por­no­gra­fi­schen Posen nicht aus sexu­el­len Moti­ven, son­dern aus falsch ver­stan­de­ner Vater­lie­be ent­stan­den sei­en.“ Die Fotos selbst stamm­ten aus dem Jahr 2006, geht aus einem Bericht des ORF NÖ vom 8.9. 2011 her­vor: Dem­nach wur­de über den ver­däch­ti­gen Vater U‑Haft verhängt.

Die Bei­trä­ge von kopp.online und inhr.net unter­schei­den sich von dem von den FPÖ-Orts­grup­pen ver­link­ten Bei­trag des „Gala­xien­ge­sund­heits­ra­tes“ durch den Nach­trag, mit dem der galak­ti­sche König des Weden­rei­ches unter Hin­weis auf die „kul­tu­rel­le Tra­di­ti­on“ der Het­ze noch eines drauf­setzt, indem er fragt, ob isla­mi­sche afgha­ni­sche Män­ner in Deutsch­land „nun mit höchs­ter rich­ter­li­cher Rücken­de­ckung hier auch klei­ne Jungs ver­ge­wal­ti­gen“ dürfen.



Nach­trag des Galaxiengesundheitsrates

Wir reka­pi­tu­lie­ren:

  • Der Vor­fall ereig­ne­te sich vor Jahren
  • Der het­ze­ri­sche Vor­wurf in allen Bei­trä­gen bezieht sich nicht auf ein Urteil, son­dern auf die ursprüng­li­che Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft Ende August 2011, den Ver­däch­ti­gen auf frei­em Fuß anzu­zei­gen (die­se Ent­schei­dung wur­de weni­ge Tage spä­ter revidiert)
  • Die Vor­wür­fe in den Bei­trä­gen der FPÖ-Lich­ten­wörth, Gmünd, Hei­den­reich­stein sowie der genann­ten Quel­len bezie­hen sich auf die „Unrechts­re­pu­blik Öster­reich“, in der Tür­ken erlaubt wer­de, ihre Kin­der zu vergewaltigen.

Hät­ten die Frei­heit­li­chen tat­säch­lich ein Inter­es­se an Auf­klä­rung gehabt, anstatt gene­ra­li­sie­ren­de Het­ze gegen Tür­ken zu betrei­ben, die angeb­lich in Öster­reich Kin­der ver­ge­wal­ti­gen dür­fen, so hät­ten sie ihren Infor­ma­ti­ons­stand durch die Lek­tü­re der par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge der FPÖ-Abge­ord­ne­ten Mühl­berg­hu­ber, vor allem aber durch die Ant­wort der Jus­tiz­mi­nis­te­rin ent­schei­dend ver­än­dern kön­nen: Die Jus­tiz, so die Ant­wort vom Jän­ner 2012, ermit­telt wegen des Ver­dachts des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs gegen den Kindesvater.

Im Febru­ar 2012 berich­tet dann der „Kurier“ über den Pro­zess: Die Fotos zei­gen den Vater, der sei­nen damals sechs­jäh­ri­gen Sohn „an allen mög­li­chen und unmög­li­chen Stel­len abge­bus­selt“ hat. Als die Bil­der 2006 ent­stan­den, waren die Mut­ter und der zwei­te Sohn mit dabei. Das Schöf­fen­ge­richt kann in den Fotos kei­nen sexu­el­len Miss­brauch erken­nen und fällt einen Frei­spruch. Der Staats­an­walt mel­det Nich­tig­keit an. Zum wei­te­ren Ver­lauf des Ver­fah­rens gibt es kei­ne Pressemeldung.

Dafür gibt es inter­es­san­te Hin­wei­se zu den Quel­len, die von den FPÖ-Orts­grup­pen benutzt wer­den. Über den „Gala­xien­ge­sund­heits­rat“ und sein arisch-wedi­sches König­reich haben wir bereits berich­tet.


Het­ze des soge­nann­ten „Gala­xien­ge­sund­heits­rat”

Kopp.online und der Autor Udo Ulfkot­te, der 2011 von einem „Fäka­li­en-Dschi­had“ phan­ta­sier­te, wer­den auf dem auf rech­te Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker und Eso­te­ri­ker spe­zia­li­sier­ten Info-Por­tal psi­ram beschrie­ben. Bleibt die „Quel­le“ inhr.net. INHR soll für Inter­na­tio­nal Net­work of Human Rights ste­hen – und es gibt tat­säch­lich einen Ein­trag im Ver­eins­re­gis­ter, der Wolfs­berg in Kärn­ten als Sitz die­ses welt­um­span­nen­den Netz­werks aus­weist. Der Vor­sit­zen­de des Ver­eins, der auch die Web­site inhr.com betreibt, ist 2011 höchst­ge­richt­lich wegen des Ver­bre­chens des sexu­el­len Miss­brauchs von Unmün­di­gen und des Ver­ge­hens des Miss­brauchs eines auto­ri­täts­ver­hält­nis­ses für schul­dig befun­den wor­den.

Ein ver­ur­teil­ter Sexu­al­straf­tä­ter bzw. des­sen Ver­ein als Quel­le für Het­ze gegen Tür­ken, die (ihre) Kin­der ver­ge­wal­ti­gen dür­fen? Das ist ein star­kes Stück! Der Ver­eins­vor­sit­zen­de ist übri­gens noch in einem ande­ren Zusam­men­hang auf­fäl­lig gewor­den. Der Sci­en­to­lo­gy-Aus­stei­ger Wil­fried Handl berich­tet auf sei­nem Blog über die Her­kunft eines „Gut­ach­tens“, das im Auf­trag von Sci­en­to­lo­gy ange­fer­tigt wur­de und lan­det dabei bei dem ver­ur­teil­ten Vereinsvorsitzenden.

Die FPÖ Hei­den­reich­stein und die FPÖ Gmünd haben ihren Ein­trag „Tür­ken dür­fen Kin­der ver­ge­wal­ti­gen !?“ mitt­ler­wei­le gelöscht, aber die FPÖ Lich­ten­wörth hält dar­an fest und nutzt die Quel­le inhr.net („Migran­ten ver­ge­wal­ti­gen deut­sche Mäd­chen“) noch für einen wei­te­ren Kom­men­tar: „Tat­sa­chen müs­sen aus­ge­spro­chen wer­den!“ Das fin­den wir auch!

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