Straches Wahrheiten zum Waldgang

Im „Som­merge­spräch“ des ORF mit FPÖ-Chef Stra­che am 27.8.2012 ging es ein­mal mehr um Ernst Jünger. Eigentlich um eine Beschrei­bung des Lieblings­buch­es von Stra­che, die dieser vor Jahren auf seine Home­page gestellt hat­te. Im „Som­merge­spräch“ 2005 befragte Armin Wolf Stra­che dazu und erhielt ziem­lich auswe­ichende Antworten. Sieben Jahre später wärmte Stra­che seine falschen Behaup­tun­gen von 2005 auf Face­book wieder auf und beze­ich­nete die Behaup­tun­gen von Armin Wolf als „bewusst falsch“. Eine Chronik der Strache-„Wahrheiten“.

Die Vor­liebe Stra­ches zu Ernst Jüngers Essay „Der Waldgang“ wäre schon eine eigene Betra­ch­tung wert. Hier wird aber nur darauf Bezug genom­men, wie Stra­che 2005 und dann wieder 2012 mit „sein­er“ Beschrei­bung seines Lieblings­buch­es und den Fra­gen bzw. Fest­stel­lun­gen von Armin Wolf dazu umge­gan­gen ist.

Stra­che beim Som­merge­spräch 2005

Tran­skript ORF„Sommergespräch“ vom 23.8.2005:

Wolf Armin (ORF): Ich habe dieses Buch gele­sen am Woch­enende, also ich habe ver­sucht es zu lesen, ich habe rel­a­tiv viel Philoso­phie schon gele­sen, aber das Buch ist unglaublich müh­sam zu lesen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Sie müssen es mehrfach lesen.

Wolf Armin (ORF): Gut und jet­zt fand ich auf Ihrer Home­page eine ganz tolle Zusam­men­fas­sung von diesem Buch, sehr ele­gant geschrieben und habe Sie bewun­dert, dass Sie so gut schreiben kön­nen, ist das ein Hob­by von Ihnen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Ich schreibe gerne und ich habe auch in ein­er Tageszeitung ein­mal die Ehre gehabt Gastkom­mentare schreiben zu dür­fen und das ist ein Hob­by von mir.

Wolf Armin (ORF): Dann habe ich diesen Text auf Ihrer Home­page über dieses Buch, wo sie beschreiben warum Ihnen dieses Buch so gut gefällt durch eine Inter­net­such­mas­chine laufen lassen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Aber nicht bei den Hack­ern jet­zt hof­fentlich. (Anmerkung: Stra­ches Home­page war kurz zuvor gehackt worden)

Wolf Armin (ORF): Über­haupt nicht bei den Hack­ern, lange vor den Hack­ern schon, let­zte Woche, wis­sen Sie wo ich den Text gefun­den habe?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Wo?

Wolf Armin (ORF): Auf ein­er recht­sradikalen deutschen Inter­nethome­page, allerd­ings aus dem Jahr 1998, also lange vor Ihrer Home­page, nicht von Ihnen geschrieben, son­dern von Jür­gen Hatzen­bich­ler, der lange Zeit ein beken­nen­der Neon­azi war. Das ist der Text, den Sie auf Ihrer Home­page haben — de fac­to wortwörtlich abgeschrieben.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Also das kann ich mir nicht vorstellen, ich habe den Text ja nicht geschrieben und ich kann mir das auch nicht vorstellen undJürgen.

Wolf Armin (ORF): Also Sie haben ihn doch nicht geschrieben?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Jür­gen Hatzen­bich­ler ist ja jemand, der als Jour­nal­ist auch tätig ist und soweit ich weiß nicht als recht­sradikaler Jour­nal­ist tätig ist in diesem Land.

Wolf Armin (ORF): Ich ver­ste­he Sie jet­zt nicht insofern wie ich Sie zuerst gefragt habe, ob Sie so gerne schreiben, oder schreiben kön­nen. Und Sie gesagt haben das ist so ein biss­chen ein Hob­by von Ihnen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Ich habe meine Home­page nicht selb­st geschrieben, also wenn Sie die Mei­n­ung vertreten muss ich Sie enttäuschen.

Wolf Armin (ORF): Nein, dass die Texte, wo Sie über Ihre Lieblingsmusik schreiben und Ihre Lieblings­büch­er und sagen warum Sie das so gerne machen und was Sie gerne hören.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Aber die Zusam­men­fas­sun­gen sind von Mitar­beit­ern erstellt worden.

Wolf Armin (ORF): Okay, dass Ihre Mitar­beit­er diese Texte von recht­sradikalen Home­pages, also.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Also das ist eine Unter­stel­lung, die Sie hier, die auf das schärf­ste zurück­weisen muss. Sie behaupten jet­zt hier etwas, das ich nicht ver­i­fizieren kann.

Wolf Armin (ORF): Ich gebe es Ihnen gerne mit um es Ihren Mitar­beit­ern zu zeigen, es ist auch keine Home­page, weil in diesen Kreisen heißt das ja Heimat­seite und wird unter­schrieben mit „diese Seite wurde das let­zte Mal am Frey­er­stag dem neun­ten Ernt­ing im Jahre 4152 aktu­al­isiert”, also irgend­wie ist das so ein bisschen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Ich kann auch auf diesen Unsinn keine Antwort geben, weil wenn Sie den Text, der das Buch beschreibt als recht­sradikal definieren, dann sei das Ihre Angele­gen­heit. Aber ich kenne diesen Text nicht als recht­sradikal, auf welch­er Seite so ein Text auch noch ste­hen möge kann ich nicht beurteilen, aber der Text, der das Buch beschreibt ist mit Sicher­heit kein recht­sradikaler und welche anderen Ableitun­gen und Unter­stel­lun­gen Sie damit ableit­en das sei Ihre Sache, aber das ist zurückzuweisen.

Am 7. August 2012 richtet sich Stra­che auf sein­er FB-Seite an eine Frau G., um ihr noch eine neue Ver­sion sein­er „Wahrheit“ über das Gespräch von 2005 aufzutischen:

An Frau Glaser! Die dama­lige Behaup­tung von Her­rn Armin Wolf hat nach­weis­lich nicht ges­timmt. Die Zus­samen­fas­sung des Buch­es „Der Waldgang”, war nicht wie von Armin Wolf fälschlich behauptet abgschrieben, son­dern lediglich bei ein­er zwei­seit­i­gen Zusam­men­fas­sung ein Satz fast wor­tident zu seinem mir vorgelegten Artikel (im Übri­gen aus der Orig­i­nal­buchein­leitung über­nom­men)! Soviel zum wesentlichen Unter­schied ein­er bewußt falschen Behaup­tung eines ORF-Mod­er­a­tors während ein­er ORF-Diskus­sions-Sendung, welche vor Ort nicht über­prüf­bar und nicht sofort richtig zu stellen war! Dafür bekommt man als ORF-Jounal­ist dann auch noch Medi­en­preise! Span­nend, wie manche mit der Wahrheit umfge­hen! (Fehler im Original)

Im Som­merge­spräch vom 27.8. 2012 fragt Armin Wolf, warum Stra­che 2012 auf Face­book diese Behaup­tun­gen aufgestellt hat:

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Weil es damals sehr inter­es­sant war im Jahr 2005, als Sie mich mit einem Vor­wurf kon­fron­tiert haben, der damals auch vor Ort nicht über­prüf­bar war und nicht zu check­en war. Und bei ein­er nachträglichen Prü­fung war eines sicht­bar: dass es eine Buchbeschrei­bung gibt,viele Ele­mente aus dieser Buchbeschrei­bung auch in mein­er Beschrei­bung sich wiederge­fun­den haben, aber auch wo anders. Und das ist etwas völ­lig Nor­males, was Sie damals ver­sucht haben so darzustellen, als hätte ich eins zu eins irgen­deine Bucherk­lärung ein­er recht­sradikalen Home­page abgeschrieben, was nicht der Fall war.

Wolf Armin (ORF): Jet­zt habe ich es auch über­prüft, weil ich mich doch gewun­dert habe, dass Sie nach sieben Jahren noch ein­mal damit anfan­gen und habe mir das noch ein­mal angeschaut. Das ist nicht so ein­fach, weil die Buchbe­sprechung von Ihrer Home­page gibt es schon lange nicht mehr, die haben Sie schon lange gelöscht, aber man find­et sie noch irgend­wo im Inter­net. Und das ist Ihre Buchbeschrei­bung, die Sie im Inter­net veröf­fentlicht haben.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Genau.

Wolf Armin (ORF): Also das sind jet­zt nicht ganz zwei Seit­en, son­dern das sind wenige Zeilen.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Sie haben behauptet, dass zwei A4-Seit­en abgeschrieben wor­den wären.

Wolf Armin (ORF): Das habe ich nicht behauptet, Herr Stra­che, das kann man auch auf Youtube nach­schauen, haben schon über 300 000 Leute angeschaut, also da kann man sehr leicht anschauen. Also das war Ihre gesamte Beschrei­bung. Das sind genau neun Sätze. Von diesen neun Sätzen ist alles, was hier gelb ist, näm­lich sechs Sätze — zwei Drit­tel Ihres Textes — ist Wort für Wort abgeschrieben von dieser recht­sradikalen Heimat­seite, die natür­lich sehr viel länger ist. Und -

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Die Frage ist, wäre vielle­icht, wer wo abgeschrieben hat. Und da soll­ten Sie vielle­icht doch recherchieren.

Wolf Armin (ORF): Herr Stra­che, Herr Stra­che, lassen Sie mich ganz kurz noch weit­er­sprechen: Und Ihr Lieblings­buch hat keine Ein­leitung. Also aus der Orig­i­nal-Buchein­leitung kann es nicht sein, es find­et sich auch kein Satz aus Ihrem Text auf den ersten Seit­en. Alles, was Sie in diesem Face­book-Post­ing schreiben, jed­er einzelne Satz, ist falsch. Kein einziges Wort ist wahr. Sie wis­sen das auch, warum schreiben Sie es trotzdem?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Herr Wolf, Sie behaupten etwas und stellen eine Unwahrheit in den Raum und steigen nicht davon herunter. Vielle­icht auch die Möglichkeit in Betra­cht zu ziehen, dass diese Home­page vielle­icht meine Ein­leitung abgeschrieben hat.

Wolf Armin (ORF): Die Home­page ist von 1998, Ihre Home­page ist von sehr viel später.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Also ich habe die Zusam­men­fas­sung des Buch­es in ein­er kurzen Art und Weise wiedergegeben, während die Beschrei­bung, die Sie damals ver­glichen haben, zwei A4 Seit­en aus­macht. Das ist eine wesentlich andere Beschrei­bung als meine.

Wolf Armin (ORF): Herr Stra­che, in unserem Gespräch damals haben Sie gesagt, Sie haben es gar nicht geschrieben.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Das ist eine wesentlich andere Beschrei­bung als meine. Das habe ich auch nicht geschrieben, son­dern das haben Mitar­beit­er geschrieben. Ja, ist auch richtig. Aber die haben das auch selb­st for­muliert, das ist nicht abgeschrieben worden.

Wolf Armin (ORF): Herr Stra­che, es ist Wort für Wort abgeschrieben, aber wir wer­den uns hier nicht eini­gen, ich mache fol­gen­den Vorschlag: Nach der Sendung stelle ich das alles online und die Zuse­her kön­nen sich ihr eigenes Bild machen davon.

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Gerne, gerne.

Seit heute, 28.8.2012, ist alles anders. Auf sein­er Face­book-Seite erk­lärt Stra­che seine falschen Behaup­tun­gen zum „Missver­ständ­nis“, das dadurch ent­standen sei, dass seine Mitar­beit­er Angst davor hat­ten, ihm die Wahrheit zu sagen:

Klarstel­lung Buchbe­sprechung „Waldgang“: Die dama­lige Besprechung über Ernst Jüngers Buch „Der Waldgang“ auf mein­er Home­page wurde nicht von mir, son­dern von meinen Mitar­beit­ern ver­fasst. Ohne mein Wis­sen wur­den dabei sechs Sätze aus ein­er anderen Besprechung über dieses Buch über­nom­men. Meine Mitar­beit­er hat­ten offen­bar Angst davor, mir dies­bezüglich die Wahrheit zu sagen und haben mich nicht voll­ständig informiert. Dadurch kam dieses Missver­ständ­nis zus­tande. Im „Som­merge­spräch“ von 2005 ver­mit­telte sich mir außer­dem fälschlicher­weise der Ein­druck, Armin Wolf behaupte, zwei ganze DIN-A4-Seit­en seien in der Buchbe­sprechung kopiert wor­den. Herr Wolf hat dies aber wed­er damals noch beim gestri­gen „Som­merge­spräch“ unter­stellt, son­dern völ­lig kor­rekt gehan­delt. Daher ziehe ich meine dies­bezüglichen Vor­würfe gegen Armin Wolf selb­stver­ständlich zurück. Ehre, wem Ehre gebührt!

Eine Zusam­men­fas­sung von Armin Wolf find­et sich hier: Heinz Chris­t­ian Stra­che und sein Lieblingsbuch