Bleiburg/Pliberk (Ktn): Kroatischer Totenkult mit Hitler-Gruß

Seit 1955 ver­sam­meln sich alljährlich am Mut­tertag Tausende Kroat­en bei ein­er kleinen Gedenkstätte am Fried­hof von Unter­loibach, das zur Gemeinde Bleiburg/ Pliberk gehört. Unter den Trauern­den zahlre­iche Verehrer des faschis­tis­chen Ustascha-Regimes. Das Gedenken gilt der „Tragödie von Bleiburg“. Heuer kam es dabei zur Ver­haf­tung des Kroat­en Davor T., der sei­ther in Kla­gen­furt in U‑Haft sitzt.

Der mil­itärische Zusam­men­bruch des NS-Regimes im Jahr 1945 führte zu Flucht- und Abset­zbe­we­gun­gen der mit den Nazis ver­bun­de­nen kroat­is­chen Stre­itkräfte, faschis­tis­chen Ustascha-Milizen und den Resten der Wehrma­chtsver­bände, die in Rich­tung Kärn­ten marschierten. Für sie war der Krieg mit der bedin­gungslosen Kapit­u­la­tion der Wehrma­cht am 8. Mai 1945 nicht zu Ende: die Heeres­gruppe E kapit­ulierte etwa erst am 10.Mai, während die Trup­pen der Jugoslaw­is­chen Volks­be­freiungsarmee schon am 8. Mai, wenige Stun­den nach den Briten, in Kla­gen­furt ein­marschiert waren.

Die Kampfhand­lun­gen dauerten noch bis 14. Mai an. An diesem Tag ersucht­en die Kom­man­deure der Trup­pen des Ustascha-Staates, die rund um Bleiburg eingekesselt waren, um Über­nahme in britis­che Kriegs­ge­fan­gen­schaft, was abgelehnt wurde. Die bedin­gungslose Kapit­u­la­tion, die daraufhin erfol­gte, führte zur Über­gabe an die Trup­pen der Jugoslaw­is­chen Befreiungsarmee mit dem Ziel eines Rück­trans­ports nach Jugoslaw­ien. Dabei kam es schon in Bleiburg, aber vor allem beim Rück­trans­port zu zahlre­ichen Mas­sak­ern an den gefan­genen Mil­itärs, Ustascha-Milizen, aber auch ZivilistIn­nen.


Ustascha-Feiern in Bleiburg/Pliberk, 2008, Bildquelle: u‑berg.at
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Dieser Mas­sak­er von Bleiburg wird seit Jahrzehn­ten an der Gedenkstätte im Fried­hof von Unter­loibach und bei ein­er Festmesse im Bleiburg­er Feld gedacht. Zu Titos Zeit­en war der Totenkult ein Auf­marsch von Ustascha-Anhängern, nach der Unab­hängigkeit von Kroa­t­ien wurde es Teil der offiziellen kroat­is­chen Gedenkkul­tur, in der eine pos­i­tive Bezug­nahme auf die Ustascha-Ide­olo­gie („Großkroa­t­ien“, eth­nis­che Säu­berun­gen) dur­chaus erwün­scht war.

Erst in den let­zten Jahren ist der Auf­marsch der kroat­is­chen Trauern­den in Bleiburg in der öster­re­ichis­chen Öffentlichkeit angekommen.

2006 berichtete die „Kleine Zeitung“ (16.5.2006), dass bei der offiziellen Gedenk­feier, die vom kroat­is­chen Fernse­hen live über­trag wurde, mehrere Per­so­n­en die Sym­bole der Ustascha-Faschis­ten und auch des festgenomme­nen kroat­is­chen Gen­er­als Ante Gotov­ina tru­gen. Gotov­ina stand zwis­chen 2008 und 2011 vor dem Haager Kriegsver­brech­er-Tri­bunal und wurde wegen ver­schieden­er Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit (Mord, Vertrei­bung, Plün­derung) zu ein­er hohen Haft­strafe verurteilt.

Der „Fal­ter“, der den Auf­marsch 2008 beobachtet hat­te, sah nicht nur Einzelne, son­dern neben der offiziellen Trauerge­meinde „wohl an die hun­dert Per­so­n­en“ mit Ustascha- und anderen schwarzen Fah­nen: „Jugendliche Neo­faschis­ten fotografierten einan­der in aller kroat­is­chen Öffentlichkeit, aber auch wieder­holt mit zum Hit­ler­gruß erhoben­er Hand. Auf­fäl­lig waren auch weit­ere T‑Shirt-Motive, etwa Porträts des kroat­is­chen „Führers“ und Kriegsver­brech­ers Ante Pavel­ic, der sich im Unter­schied zu den 1945 in Bleiburg an Tito Aus­geliefer­ten dank Unter­stützung katholis­ch­er Wür­den­träger in Sicher­heit brin­gen kon­nte, Bilder des kroat­is­chen Gen­er­als Ante Gotov­ina, aber auch zahlre­iche Darstel­lun­gen, die Marko Perkovic alias Thomp­son zeigen. Der nation­al­is­tis­che Pop­sänger, dem offene Sym­pa­thien für das faschis­tis­che Kroa­t­ien vorge­wor­fen wer­den, hat­te kür­zlich für einen Kärnt­ner Eklat gesorgt: nach Protesten war ein in St. Andrä im Lavant­tal für kroat­is­che Fuss­ball­fans geplantes Konz­ert abge­sagt wor­den, nun will Lan­deshaupt­mann Jörg Haider (BZÖ) den Sänger zur Entschädi­gung zu einem EM-Spiel nach Kla­gen­furt ein­laden“ (Fal­ter Nr. 21 vom 21.5.2008).


Ustascha-Feiern in Bleiburg/Pliberk, 2008, Bildquelle: u‑berg.at
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Nach den Eklats der Vor­jahre ver­suchte die kon­ser­v­a­tive Regierung Kroa­t­iens 2010 eine allzu pos­i­tive Bezug­nahme auf das Ustascha-Regime bei den Gedenk­feiern zu ver­mei­den. Die Ver­anstal­tung wurde mit Videokam­eras überwacht, kroat­is­che und öster­re­ichis­che Ord­nungs­di­en­ste hat­ten eine „mobile Haft“ für alle jene, die öster­re­ichis­che Geset­ze ver­let­zen, ein­gerichtet: „Einige Teil­nehmer ließen sich nicht davon abhal­ten, ihre Sym­pa­thie für die Ustascha-Bewe­gung in Form mil­itärisch­er Abze­ichen offen­zule­gen“ (Kleine Zeitung, 16.5.2010).

Zu den Totenehrun­gen 2012 reis­ten an die 8.000 Kroat­en an. Die neue linkslib­erale kroat­is­che Regierung hat­te schon zuvor beschlossen, kün­ftig die Ver­anstal­tung nicht mehr zu finanzieren und auch keinen Ehren­schutz mehr zu übernehmen. Die katholis­che Kirche Kroa­t­iens war hinge­gen mit einem Bischof und zahlre­ichen Geistlichen präsent. Die „Kleine Zeitung“ berichtete am 13.5. 2012 über die Gedenk­feier vom Vortag etwas zu optimistisch:

„Die kroat­is­chen Ver­anstal­ter hat­ten mit eige­nen Sicher­heit­sleuten dafür gesorgt, dass es zu keinen nation­al­is­tis­chen Auswüch­sen bei der Gedenkver­anstal­tung kam. In der Menge der Teil­nehmer waren zwar kurz geschorene Män­ner mit ein­schlägi­gen Parolen auf ihren T‑Shirts zu sehen, sie ver­hiel­ten sich bei der Kundge­bung jedoch ruhig“ (Kleine Zeitung, 13.5.2012).

Ein­er offen­sichtlich nicht. Der Kroate Davor T. sitzt, wie die „Kro­ne“ vom 29.6.2012 meldet, in Kla­gen­furt in U‑Haft, weil er bei der Gedenkver­anstal­tung die rechte Hand zum ein­schlägi­gen Gruß gehoben und dabei „Sieg Heil“ gerufen haben soll. Damit würde auch die Ausrede, es habe sich um den Ustascha-Gruß gehan­delt, nicht mehr ziehen. Die Ustascha-Gruß­formel wird eben­falls mit der recht­en Hand aus­ge­führt, dabei wird allerd­ings „Za Dom –Spremni!“(Für die Heimat- Bere­it!) gerufen. Der Anwalt von Davor T. ist mit Haft­prü­fungsanträ­gen bish­er abge­blitzt und rech­net eben­falls mit einem Geschwore­nen­prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung („Kro­ne“, 29.6.2012).

Siehe auch: Mem­oiren von Pavla Apovnik, DÖW.