Das Rückgrat des Stronach-Instituts

Frank Stronach, der Aus­tro-kanadis­che Mil­liardär, tritt auf die poli­tis­che Bühne. Mit einem Großin­ser­at warnt er die Abge­ord­neten vor dem ESM. Unterze­ich­net ist das Inser­at, das groß den Kopf von Frank Stronach in die Aus­lage stellt, nicht von Frank Stronach, son­dern vom Frank Stronach Insti­tut Öster­re­ich. Was ist mit diesem Insti­tut?

„Dem Volk dienen“, fordert das Frank Stronach Insti­tut in seinem Inser­at zum ESM (Europäis­ch­er Sta­bil­itätsmech­a­nis­mus): “Ihr verkauft unser Land. Das öster­re­ichis­che Volk wird Euch das nie verzei­hen. Und nur Ihr kön­nt den Wahnsinn des ESM stop­pen“. Deftige Worte.

Seit Monat­en tin­gelt Stronach durch das Land, um mit Vorträ­gen und Diskus­sionsver­anstal­tun­gen für sein neu gegrün­detes Frank Stronach Insti­tut „für sozialökonomis­che Gerechtigkeit“ zu wer­ben. „Grund­prinzip­i­en“ hat das Insti­tut bere­its entwick­elt. Das Impres­sum macht klar, wer hier was entwick­elt: „Da ich die Ein­fach­heit dem Kom­plizierten immer vorziehe, ver­wende ich Begriffe wie Öster­re­ich­er, Arbeit­er und Unternehmer in der geläu­fi­gen Form, meine damit aber selb­stver­ständlich Men­schen bei­der­lei Geschlechts.“ – Klar: Frank Stronach ist das Insti­tut! Und Frank for­muliert die Grund­prinzip­i­en, den “Weg­weis­er für Öster­re­ich“.

Inhaltlich ist das Ganze eine laue Melange von eini­gen abge­s­tande­nen Stronach-Formeln a la „Ich mache mir große Sor­gen um Öster­re­ichs Zukun­ft“, „Poli­tik­er sein, heißt, seinem Land zu dienen“ und ein­er grausamen Mis­chung aus unaus­ge­gore­nen Vorschlä­gen zur Verän­derung des poli­tis­chen Sys­tems und mark­tradikalen bzw. neolib­eralen Gemein­plätzen („Schulden abbauen“, „weniger Ver­wal­tung“, „Flat Tax“, „mehr an Sou­veränität, Mark­twirtschaft, Wet­tbe­werb und Unternehmer­tum!“).

Das Insti­tut fol­gt den Prinzip­i­en von Stronach: es ist sehr schlank! Den Präsi­den­ten ken­nen wir ja schon. Vizepräsi­dentin und Insti­tut­slei­t­erin ist eine Juristin, die bei Magna Inter­na­tion­al ein Prak­tikum in Human Resources gemacht hat, dann in Human Resources bei Magna geschult wurde und seit 2009 Frank Stronachs Bürolei­t­erin in Öster­re­ich und Kana­da ist. „Zusät­zlich ist sie Vice Pres­i­dent, Busi­ness Devel­op­ment der Stronach Group“. Wie heißt es in den „Grund­prinzip­i­en“: „Poli­tik ist weit­ge­hend eine abgemachte Sache, die auf „Fre­un­derl­wirtschaft“ aufge­baut ist“ – wie wahr!

Um dieses Sys­tem wirk­sam zu bekämpfen, hat Stronach schon in der Ver­gan­gen­heit Math­ias Reich­hold, Peter Wes­t­en­thaler, Karl Heinz Grass­er (damals alle FPÖ) , Andreas Rudas, Franz Vran­itzky (bei­de SPÖ) und Her­bert Paierl (ÖVP) für sich werken lassen!

Im Frank Stronach Insti­tut hat er immer­hin einen ver­hin­derten Präsi­dentschaft­skan­di­dat­en beschäftigt, der 2010 an der Unter­schriften­hürde gescheit­ert ist und ein eher selt­sames Buch „Indus­trielle Massen – Nutz­men­sch-Hal­tung (und mögliche Alter­na­tiv­en)“ geschrieben hat.

Eigentlich — so mut­maßte die „Presse“ noch im Novem­ber 2011, sollte Bar­bara Kolm-Lam­prechter die Geschäfts­führung des Insti­tuts übernehmen. Bar­bara Kolm-Lam­prechter ist Präsi­dentin des Friedrich Hayek-Insti­tuts, Direk­torin des Aus­tri­an Eco­nom­ics Cen­ter und so neben­bei auch Exper­tin für die FPÖ in wirtschaft­spoli­tis­chen Fra­gen. Für die Frei­heitlichen saß sie auch etliche Jahre im Inns­bruck­er Gemein­der­at – trotz tur­bu­len­ter Zeit­en. Kolm-Lam­prechter ist so etwas wie die Parade-Mark­tradikale in Öster­re­ich. Ihre klas­sis­ch­er Neolib­er­al­is­mus verträgt sich offen­sichtlich prob­lem­los mit den wirtschaft­spoli­tis­chen Posi­tio­nen der FPÖ, aber auch mit denen von Frank Stronach, wie die „Presse“ im Novem­ber 2011 nüchtern fes­thielt:

„Mit den Pos­tu­lat­en des Frank Stronach wird Kolm-Lam­prechter jeden­falls lock­er mit kön­nen: Der Aus­tro-Kanadier ste­ht für einen Abbau der Staatss­chulden, für ein möglichst sim­ples und leis­tung­sori­en­tiertes Steuer­sys­tem, für einen radikalen Abbau von Bürokratie. Und ver­mut­lich wird sie auch kein Prob­lem damit haben, dass Stronach dann und wann den Euro als „Miss­ge­burt“ beze­ich­net – wie zulet­zt bei seinem Vor­trag am Mittwochabend an der Uni Graz. „Die Währung­sunion ist ein großer Fehler“, sagte Stronach dort. „Der Euro wird sich in ein bis zwei Jahren von selb­st eliminieren.“

Kolm ist jeden­falls im Beirat des Frank Stronach-Insti­tuts gelandet – so wie der Pub­lizist Chris­t­ian Ort­ner, der sich als Betreiber des „Zen­tralor­gans des Neolib­er­al­is­mus“ präsen­tieren darf, Dr. Mar­ti­na Maut­ner-Mark­hof, Her­bert Paierl, der mit­tler­weile Vice Pres­i­dent von Magna Cos­ma Inter­na­tion­al ist, Chris­t­ian Jauk, Vor­sitzen­der der Cap­i­tal Bank oder auch Franz Hörhager, ein Finanzber­ater. Eine illus­tre Runde jeden­falls, die den Anspruch von Stronach und seinem Insti­tut ins rechte Licht rückt.