Wien: Brutale Neonazi-Schläger vor Gericht

Sie haben alle attack­iert, die ihnen „fremdländisch“ erschienen: Ser­ben, Tune­si­er, Afrikan­er, Philip­pinos. Am Mittwoch standen die bei­den Wiener (23) vor dem Schwurg­ericht wegen NS-Wieder­betä­ti­gung und absichtlich­er schw­er­er Körperverletzung.

Auf­fäl­lig zunächst die weit­ge­hend fehlende Medi­en­berichter­stat­tung – nur die APA berichtete aus­führlich über den Prozess. Bei­de Angeklagte haben schon mehrfache, teil­weise ein­schlägige Vorstrafen hin­ter sich.

Im August 2009 sind die bei­den in der U‑Bahn-Sta­tion Karl­splatz durch laut­starke „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“-Rufe aufgefallen.

Der Erstangeklagte hat am 22. Jän­ner 2011 gemein­sam mit drei weit­eren Mit­tätern (die geson­dert angeklagt wer­den) grund­los zwei philip­pinis­che Män­ner ange­grif­f­en, niedergeschla­gen und mit seinen Springer­stiefeln eines der am Boden liegen­den Opfer so schw­er ver­let­zt, dass das Opfer mit Knochen­brüchen und ein­er Hirn­blu­tung im Spi­tal lan­dete. Die Opfer hät­ten ihn und seine Mitschläger „angeschaut“, als er in ein­er Trafik Zigaret­ten kaufen wollte: „Es war ein pro­vokantes Belächeln“, behauptete er auch vor Gericht, und: “Im Gerangel bin ich jeman­dem auf den Kopf gestiegen. Das war keine Absicht.“ (APA)


Aggres­siv infan­tile Selb­st­darstel­lung mit Neon­azisym­bo­l­ik, ein Marken­ze­ichen der „White Pow­er Skinhead”-Bewegung. Hier Alexan­der Gast, MIt­glied der neon­azis­tis­chen Skin­head-Band Spreegeschwad­er
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Der Nazi-Schläger erk­lärte dem Gericht, er gehöre den „White Pow­er Skin­heads“ an und ste­he für ein „weißes Europa“.

Aus­län­der sollte man „nach Hause brin­gen, wenn sie sich nicht inte­gri­eren. Sie soll­ten auf jeden Fall Deutsch sprechen und nicht irgen­det­was daherre­den, was kein­er ver­ste­ht“ (APA) ‑gewis­ser­maßen das FPÖ- Aus­län­der­pro­gramm in Kurzfassung.

Der Zwei­tangeklagte hat im Vor­jahr in der U‑Bahn einen Ser­ben bzw. einen Tune­si­er mit Faustschlä­gen ins Gesicht trak­tiert, nach­dem er sie vorher mit Parolen beflegelt hat­te. Als er im Stadt­park einen Schwarzafrikan­er mit sein­er Fre­undin auf ein­er Park­bank sitzen sah, attack­ierte er das Pärchen ver­bal und schimpfte über „Rassen­schande“. Auf ein­er pri­vat­en Par­ty kreuzte er mit Hak­enkreuz-Arm­binden und ein­er SS-Fahne auf, ließ sich damit fotografieren und marschierte dann in dieser Auf­machung auf die Straße, wo er „zwecks Gau­di“ Nazi-Parolen brüllte.

„Ich hab’s damals nicht ver­standen, dass Schwarze mit Weißen z’samm sind. Wenn man sich den Aus­län­der­an­teil anschaut, ist der ziem­lich groß. Ich hab mir gedacht, irgend­wann gibt’s keine Weißen mehr“, erzählte er dem Schwurgericht.

Das Urteil der Geschwore­nen: sechs Jahre Haft für den Erstangeklagten, vier Jahre für den Zwei­tangeklagten. Da die Staat­san­waltschaft zu bei­den Urteilen noch keine Erk­lärung abgegeben hat, sind bei­de Urteile noch nicht recht­skräftig, obwohl der Zwei­tangeklagte sein Urteil annahm.

(Quellen: APA vom 6.6.2012, diepresse.com )