FPÖ: Zwanghafte Erregungssymptome

Heftige Symp­tome zwang­hafter Störun­gen sind bei der FPÖ zu bemerken: Gle­ich drei Aussendun­gen inner­halb von zwei Tagen wid­met die FPÖ dem Vere­in SOS-Mit­men­sch und seinem Obmann. Die Argu­men­ta­tion der FPÖ ist dabei von ein­er der­ar­ti­gen Beliebigkeit und Absur­dität gekennze­ich­net, dass sie eher einem Krankheits­bild denn ein­er poli­tis­chen Äußerung entspricht. Eine erfun­dene Behaup­tung wird in die Welt geset­zt und mit absur­der Begleit­musik verse­hen. Am Ende bleibt irgendw­er übrig…

Aber von Vorne: Die Fach­gruppe Gas­tronomie der Wirtschaft­skam­mer hat ihren Mit­gliedern emp­fohlen, Speise­na­men mit möglicher­weise ver­let­zen­den Inhalt zu verän­dern. Als Beispiel dien­ten etwa „Mohr im Hemd“ oder das Zige­uner­schnitzel: „Wir sind uns der Tat­sache bewusst, dass sich die Fig­ur des Mohren in zahlre­ichen Fir­men­l­o­gos und sich der Begriff „Mohr” auch in Fir­men­beze­ich­nun­gen wieder find­et. Die Gas­tronomie sollte als Branche, die sich der Gast­fre­und­schaft ver­schrieben hat, hier aber mit gutem Beispiel vor­ange­hen und auf der­ar­tige Beze­ich­nun­gen verzicht­en“, emp­fiehlt die Fach­gruppe. Und: „Machen wir es zu einem Güte­siegel öster­re­ichis­ch­er Gas­tronomiebe­triebe, dass keine belei­di­gen­den Speise­beze­ich­nun­gen mehr ver­wen­det wer­den.“ Alexan­der Pol­lak, Sprech­er von SOS-Mit­men­sch, in ein­er Presseaussendung dazu: „Wir sind hocher­freut, dass der Gas­tronomiefachver­band nun in ein­er Empfehlung an seine Mit­glieder zum Aus­druck bringt, dass es im Inter­esse ein­er tra­di­tions­be­wussten Gas­tronomie ist, auf her­ab­würdi­gende Beze­ich­nun­gen und Fir­men­l­o­gos zu verzicht­en.“ Mehr hat er nicht gebraucht aus Sicht der FPÖ…


Lesenswert­er Text von SOS-Mit­men­sch und die Fra­gen und Antworten als PDF-Dokument
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Kam­pag­nen­haft macht die FPÖ seit Bekan­ntwer­den der WKÖ-Empfehlung mobil, und zwar gegen SOS Mit­men­sch und Alexan­der Pol­lak. FPÖ-Bun­desrat und Lan­desparteisekretär Jenewein etwa kam auf die hocho­rig­inelle Idee, in guter Tra­di­tion von Goebbels, Haider und Stra­che Witze über die Fam­i­li­en­na­men sein­er Zielscheibe zu machen: „Die ange­blich belei­di­gen­den Begriffe Zige­uner­schnitzel und Mohr im Hemd will aus­gerech­net ein Mann abschaf­fen, dessen Nach­name klingt wie die Beschimp­fung eines ganzen Volkes?”, so Jenewein zu Alexan­der Pol­lak. Und damit selb­st der let­zte Burschen­schafter und FPÖ-Sym­pa­thisant im Alko­hol­rausch noch ver­ste­ht, dass er witzig sein will, fügt Jenewein hinzu: „Um in seinen poli­tisch kor­rek­ten, linken, poten­ziell lei­der sog­ar gewalt­täti­gen Kreisen nicht früher oder später unter die Räder zu kom­men sollte er raschest seinen Namen ändern — Alexan­der Mgom­bo etwa wäre sich­er karrierefördernd.”

Min­destens eben­so niveau­voll wie Jenewein zeigte sich auch der FPÖ-Men­schen­rechtssprech­er Riemer, der in ein­er Aussendung die Namen „Wiener Schnitzel”, „Frank­furter Würstchen“ und „Spaghet­ti Put­tanesca” als diskri­m­inierend out­ete, um zu fordern: SOS-Mit­men­schsprech­er Pol­lak solle “seinen Namen zu ändern, denn „Pol­lak” sei ein übles Schimpf­wort für Men­schIn­nen aus Polen.“

Das Stöck­erl des Lan­desparteisekretärs aufge­grif­f­en hat eine Woche später der siebte Zwerg von Rechts im Wiener FPÖ-Land­tagsklub, Dominik Nepp. Am 15. Märzz 2012 ent­deck­te er eine ange­blich intel­li­genz­belei­di­gende Unlogik in ein­er Forderung des SOS-Mit­men­sch-Sprech­ers, die Nepp aber erst selb­st kon­stru­ieren muss: „Speisen wie etwa „Negerbrot” oder „Mohr im Hemd” seien böse, ras­sis­tis­che Begriffe, erk­lärt per­ma­nent und nicht min­der pen­e­trant Alexan­der Pol­lak, Sprech­er des mit Steuergeld sub­ven­tion­ierten Vere­ins SOS-Mit­men­sch. Auf die Frage eines Bürg­ers mit dem Namen Neger, ob er sich jet­zt umbe­nen­nen lassen müsse, antwortet Pol­lak aber plöt­zlich mit „Nein!” Wiens FPÖ-Gemein­der­at Dominik Nepp: „Wer soll sich da bei dem selb­ster­nan­nten Sprach­polizis­ten Pol­lak noch ausken­nen? Er ver­hed­dert sich in sein­er eige­nen poli­tis­chen Kor­rek­theit. Seine Aus­sagen sind eine Belei­di­gung der Intelligenz.“

Um es auf den Punkt zu brin­gen: Der FPÖ-Lan­desparteisekretär fordert den Sprech­er von SOS-Mit­men­sch auf, seinen Namen zu ändern. Eine Woche später kommt eine andere FPÖ-Intel­li­genzbestie daher und kri­tisiert den SOS-Mit­men­schsprech­er, weil er einem Drit­ten gegenüber erk­lärt habe, es gin­ge selb­stver­ständlich nicht darum, Fam­i­li­en­na­men zu ändern. Da baut also wer ein Welt­bild auf einem Gerücht auf, das er selb­st in die Welt geset­zt hat.


Öster­re­ich, aus der Sicht der FPÖ
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Der frei­heitliche Nation­al­rat­shin­ter­bän­kler Höbart nutzt das von der FPÖ selb­st in die Welt geset­zte Klis­chee der Sprach­polizei eben­falls am 15. März 2012, um sich als stand­festen Vertei­di­ger der öster­re­ichis­chen Kul­tur zu insze­nieren: „Die Beze­ich­nun­gen ‚Zige­uner­schnitzel’ oder ‚Mohr im Hemd’ sind tra­di­tionelle und altherge­brachte Beze­ich­nun­gen, an denen die FPÖ natür­lich fes­thal­ten wird.“ Und um in der Folge eine Ver­schwörungs­the­o­rie zu spin­nen: „Anstatt sich mit solchen absur­den Forderun­gen zu Wort zu melden, sollte man lieber die wirk­lichen Prob­leme der Öster­re­ich­er ange­hen. Dazu gehören steigende Jugen­dar­beit­slosigkeit, Massen­zuwan­derung und die Belas­tun­gen durch immer neue Steuer- und Belas­tungspakete der schwarz-roten Regierung. Die linken Gut­men­schen wollen mit absur­den Forderun­gen nach Wortän­derun­gen lediglich die Bevölkerung von den wichti­gen poli­tis­chen Fra­gen der Zeit ablenken.”, so Höbart in ein­er Aussendung.

Eine ver­schwörungs­the­o­retis­che Erk­lärung, warum SOS-Mit­men­sch ein Inter­esse haben sollte, „die Bevölkerung von den wichti­gen poli­tis­chen Fra­gen der Zeit ablenken“ zu wollen, liefert am 16. März 2012 die wegen Ver­het­zung strafrechtlich verurteilte FPÖ-Abge­ord­nete Susanne Win­ter: „Die ohne­hin mil­lio­nen­schwere Asyl­lob­by hängt auch am staatlichen Steuertropf”, behauptet Win­ter in ein­er Presseaussendung. „Bewiesen sei nun­mehr klar und deut­lich, dass „SOS Mit­men­sch” durch Inser­ate aus öffentlich­er Hand im „MO — Mag­a­zin für Men­schen­rechte” Steuergelder lukriere“. € 9.000,- habe etwa das Sozialmin­is­teri­um im Jahr 2011 für Inser­ate („Wir sind Män­ner ohne Gewalt”, „Armut” sowie „Europäis­ches Jahr der Frei­willigkeit 2011”) an die Zeitschrift bezahlt, die von SOS-Mit­men­sch her­aus­gegeben wird.

Das ist einiger­maßen vor­laut für die Abge­ord­nete ein­er Partei, die im Ver­dacht ste­ht, im Jahr 2003 Geldgeschenk ohne Gegen­leis­tung angenom­men zu haben (mehr als 760.000 Euro von der Agen­tur Rumpold, die zuvor für den Eurofight­er-Konz­ern EADS tätig war). Aber Sach­lichkeit ist nicht der FPÖ Ding: Hier geht es um zwang­haftes Hochziehen eines Nicht­the­mas, um das Erfind­en ein­er Ver­schwörung, ein­er ange­blichen Sprach­polizei und eines inex­is­ten­ten Zwanges. Die FPÖ erfind­et einen Miss­stand und macht sich selb­st zur Jeanne d’Arc im Kampf gegen das nicht existierende Prob­lem (oder eigentlich zum Don Qui­jotte, wenn der FPÖ nicht jed­er Anflug von sym­pa­this­ch­er Erschei­n­ung, die Don Qui­jotte innewohnt, fehlen würde): Eine erprobte Strate­gie, als es gegen die Auf­nahme des Wortes „Töchter“ in die Bun­deshymne ging oder um das von der FPÖ erfun­dene Niko­lo-Ver­bot in Kindergärten.

Gerüchte in die Welt set­zen und anderen in den Mund leg­en, dann die selb­st pro­duzierten Gerüchte als Angriff auf die Bevölkerung „ent­lar­ven“, ange­blich „Schuldige“ kon­stru­ieren und dif­famieren; und schließlich möglichst oft und laut herumschreien.

Üblicher­weise ein Krankheits­bild… aber eben auch typ­is­che Merk­male ein­er FPÖ-Kampagne.

SOS-Mit­men­sch hat der Absur­dität übri­gens Sub­stantielles entgegenzusetzen:
sos­mit­men­sch — „Habt ihr nichts Besseres zu tun?”