Graz: Mehr als drei Jahre Vollrausch und Nazi-Parolen

Es scheint ein typ­isch öster­re­ichis­ches Phänomen zu sein: sturz­be­trunk­ene Men­schen, die Nazi-Parolen grölen und sich vor Gericht an nichts erin­nern kön­nen. Ein beson­deres Exem­plar dieser Gat­tung, ein 35-jähriger Ost­steir­er, stand Ende Novem­ber vor einem Geschwore­nen­gericht in Graz wegen Wiederbetätigung.

„Heil Hitler“ oder auch „Wir Ger­ma­nen, Sieg Heil“ rief er gerne zwis­chen 2007 und 2011, wenn er in Lokalen unter­wegs war, und reck­te dabei auch die Hand zum ein­schlägi­gen Gruß. Manch­mal ran­dalierte er auch dabei. Getrunk­en hat er anscheinend alle 14 Tage, sodass in mehr als drei Jahren eine erhe­bliche Anzahl an Wieder­betä­ti­gun­gen zus­tande gekom­men sein dürfte. Beim let­zten Vor­fall hat­te er 3,3 Promille Alko­hol im Blut. Der Angeklagte kon­nte sich vor Gericht natür­lich an keinen der Vor­fälle erin­nern. Er war bere­its mehrfach wegen ähn­lich­er Vor­fälle verurteilt wor­den, „jet­zt macht er nur mehr schw­er alko­holisiert solche Aus­sagen“, ver­suchte seine Vertei­di­gerin zu beschwichti­gen.

Die Rich­terin fragte ihn daher: “Machen Sie jet­zt eine Ther­a­pie?“„Nein, ich habe mich sel­ber eingeschränkt und trinke jet­zt weniger“, antwortete der Angeklagte (Kro­ne Steier­mark, 1.12.2011).

Die Geschwore­nen bil­ligten ihm zwar den Voll­rausch zu, nicht aber die Unzurech­nungs­fähigkeit. Der Ost­steir­er wurde zu einem Jahr bed­ingter Haft, und zur bed­ingten Ein­weisung in eine Anstalt für entwöh­nungs­bedürftige Rechts­brech­er verurteilt. Solange er eine ambu­lante Ther­a­pie nach­weisen kann, kommt die Ein­weisung nicht zum Tra­gen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

derstandard.at — Ost­steir­er brüllte Nazi-Parolen: Ein Jahr Haft bedingt
kleinezeitung.at — Nazi-Parolen gerufen: Ein Jahr bed­ingte Haft für Steirer