Na endlich: Koloini wieder einmal vor Gericht!

Der frühere Pro­tokollchef des ver­stor­be­nen Kärnt­ner Lan­deshaupt­mannes Jörg Haider, Franz Koloi­ni, muss sich ab 12. Okto­ber vor dem Wiener Straflan­des­gericht wegen des Ver­dacht­es der Geld­wäsche ver­ant­worten. Vor Gericht müssen sich auch zwei rus­sis­che Geschäft­sleute und ein in die Vorgänge ver­wick­el­ter Wiener Recht­san­walt wegen Bestechung bzw. Beteili­gung an dieser ver­ant­worten. Die Kor­rup­tion­sstaat­san­waltschaft wirft Koloi­ni vor, 2007 ein Bankkon­to aufgelöst zu haben, das von den zwei Russen gespeist wurde, denen Haider gegen „Ent­gelt“ die Beschaf­fung der öster­re­ichis­chen Staats­bürg­er­schaft ver­sprochen haben soll – „Part of the game“ eben.

Der „schöne Franz“, wie Koloi­ni in seinen Glanzzeit­en als Pro­tokollchef Haiders genan­nt wurde, soll einen Teil der € 197.032,80, die noch auf dem Kon­to waren bar an Haider übergeben haben, den Rest so auf Spar­büch­er (jew­eils € 14.990,-) verteilt haben, dass die Spar­büch­er nicht legit­imiert wer­den mussten.

Die FPK, deren Obmann Scheuch ja ger­ade ein Urteil in ähn­lich­er Angele­gen­heit kassieren musste, beeilte sich festzuhal­ten, dass Koloi­ni kein Mit­glied der FPK sei. Ja, soll sein, auf den Gerichts­bänken wird jeden­falls das Sys­tem Haider mitverhandelt.

Pet­zn­er: „Der schöne Franz hat eine weiße Weste“ (2008)

Bish­er hat Koloi­ni immer­hin schon zwei Unter­suchungsauss­chüsse, mehrere Anzeigen und zwei Ankla­gen über­standen, ohne dass ihm dadurch wirk­lich etwas passiert wäre. Der erste Unter­suchungsauss­chuss beschäftigte sich 2003 mit den Irak- und Libyen-Reisen Haiders. Schon damals wurde der Ver­dacht laut, dass Haider Geld von Sad­dam Hus­sein bzw. Ghadaf­fi erhal­ten habe. Haider demen­tierte ein­fach – und die Sache war damit auch schon wieder erledigt. Koloi­ni wurde allerd­ings der Falschaus­sage im Auss­chuss über­führt und angezeigt wegen des Ver­dachts der falschen Zeu­ge­naus­sage. Mit ein­er Weisung des dama­li­gen frei­heitlichen Jus­tizmin­is­ters Böh­m­dor­fer wur­den die Ermit­tlun­gen gegen Koloi­ni beendet.

Jahre später, 2008, kon­nte Koloi­ni auch den zweit­en Unter­suchungsauss­chuss, in dem er befragt wurde, für sich erfol­gre­ich abschließen. Koloi­ni, er war mit­tler­weile zum Beauf­tragten des Lan­des Kärn­ten für die EM 2008 bei der Kärn­ten-Wer­bung avanciert, sollte vom U‑Ausschuss „Kärn­ten Wer­bung” befragt wer­den, ersparte sich aber wegen ein­er anony­men Anzeige die Befra­gung. Die „Kleine Zeitung“ vom 13.8.2009 dazu: „Gerüchteweise soll die anonyme Anzeige, die ihm pein­liche Befra­gun­gen über seinen Kred­itkartenge­brauch ersparte, von Koloi­ni selb­st ges­tammt haben.“

Koloi­ni hat­te, wie die „Kro­ne“ berichtete, „mit der Fir­menkarte pri­vat eingekauft, und auch von Sex-Shops liefen Rech­nun­gen ein“ (Kro­ne, 3.7.2008). Die Erk­lärung Koloi­nis: Die Kred­itkarte sei in der fraglichen Zeit gestohlen wor­den. Das Dien­stver­hält­nis der „Kärn­ten Wer­bung” wurde zunächst mit ein­er frist­losen Ent­las­sung been­det, die dann in eine ein­vernehm­liche Auflö­sung umge­wan­delt wurde.

Auch bei Koloi­nis näch­stem Job, Prokurist des erfol­glosen SK Aus­tria Kärn­ten Ähn­lich­es: Sein Engage­ment „endete wegen ein­er dubiosen Geld-Affäre“ (Kuri­er, 30.1.2008). Der Präsi­dent des Vere­ins, Mario Canori (BZÖ), entließ Koloi­ni, weil der „ver­sucht hat­te, an 50.000 Euro aus der Vere­in­skas­sa zu kom­men“ (Kuri­er, 30.1.2008). Die Frist­lose wurde wieder in eine Ein­vernehm­liche umge­wan­delt, „weil Koloi­ni alle Vor­würfe entkräftete“, so der Haider-Sprech­er Pet­zn­er damals zum Kurier.

2008 hat­te Koloi­ni laut „Kuri­er“ aber noch ein­mal Berührung mit der Jus­tiz. Laut Kla­gen­furter Staat­san­waltschaft gab es einen Strafantrag wegen gefährlich­er Dro­hung „und so etwas wie Ans­tiftung zur Kör­per­ver­let­zung“ (Kuri­er, 30.1.2008). Dem Vernehmen nach soll eine Fehde Koloi­nis mit einem Pri­vat­mann zu ein­er Wirtshauss­chlägerei eskaliert haben. Pet­zn­er, damals Haiders Sprachrohr: „Wäre der Anzeiger ein echter Mann, würde er das mit Koloi­ni ausre­den und nicht zum Staat­san­walt laufen.“ (Kuri­er, 30.1.2008)

Der war aber kein echter Mann, wie ihn sich Pet­zn­er vorstellt, und so kam es im Feb­ru­ar 2008 zu ein­er Gerichtsver­hand­lung, bei der Koloi­ni wegen gefährlich­er Dro­hung zu ein­er Geld­strafe, der Ver­wandte Koloi­nis, der den Wider­sach­er niedergeprügelt hat­te, zu ein­er bed­ingten Haft­strafe (vier Monate) verurteilt wurde.

Der lesenswerte Bericht der „Kleinen Zeitung“ vom 19.2.2008 ist lei­der online nicht mehr ver­füg­bar, daher hier ein kurz­er Auszug:

Und was sagt Koloi­ni selb­st zu dem (tiefen) Fall? „Ich war mit meinem Ver­wandten bei der Lokaleröff­nung, aber von der Schlägerei habe ich nichts mit­bekom­men. Ich stand an der Theke und trank.” Er habe den Geschäfts­mann sich­er nicht bedro­ht. An Einzel­heit­en könne er sich allerd­ings nicht erin­nern. Was vielle­icht auch mit den „fünf bis acht Wod­ka-Red­bull” zusam­men­hängt, die er in zwei Stun­den getrunk­en habe. „Alles in allem war die Sit­u­a­tion ein­fach ungut”, betont Koloini.
Seine Ehe­frau will vor Gericht nicht aus­sagen. Aber sie soll diejenige gewe­sen sein, die nach der Schlägerei die Polizei alarmiert hat. Zwei Polizis­ten haben sog­ar mit­bekom­men, wie die Betrof­fene nach der Schlägerei von Koloi­ni angerufen und am Handy bedro­ht wurde. „Wir kon­nten mithören, weil die Frau das Tele­fon auf laut stellte”, sagen die Beamten. Koloi­ni wird indes immer leis­er. Auch seine Kar­riere scheint derzeit „ruhig gestellt”. „Ich bin seit Feb­ru­ar ohne Beschäf­ti­gung und beim AMS gemeldet”, gibt er im Prozess zu Pro­tokoll. „Keine Ahnung, wie viel Geld ich da bekomme.” Zulet­zt habe er 2100 Euro ver­di­ent. Ver­mö­gen habe er keines. Sein Auto, ein Audi TT sei geleast.
 (Kleine Zeitung, 19.2.2008)

2009 dann das Nach­spiel zu der Affäre beim SK Aus­tria Kärn­ten. Franz Koloi­ni wurde vom Vor­wurf des ver­sucht­en Betrugs im Zweifel freige­sprochen. Zeu­gen und Angeklagter ver­sicherten dem Gericht, dass es keinen Ver­such Koloi­nis gegeben habe, dem Vere­in € 50.000 für ange­bliche Spiel­er­schulden her­auszu­lock­en. Der betrof­fene Spiel­er kon­nte dazu auch nicht mehr befragt wer­den – er hat­te im Juni 2008 den Fre­itod gewählt.

Im Okto­ber hat Koloi­ni neuer­lich die Möglichkeit darzule­gen, dass alles ganz anders war.