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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Na endlich: Koloini wieder einmal vor Gericht!

Der frü­he­re Pro­to­koll­chef des ver­stor­be­nen Kärnt­ner Lan­des­haupt­man­nes Jörg Hai­der, Franz Koloini, muss sich ab 12. Okto­ber vor dem Wie­ner Straf­lan­des­ge­richt wegen des Ver­dach­tes der Geld­wä­sche ver­ant­wor­ten. Vor Gericht müs­sen sich auch zwei rus­si­sche Geschäfts­leu­te und ein in die Vor­gän­ge ver­wi­ckel­ter Wie­ner Rechts­an­walt wegen Bestechung bzw. Betei­li­gung an die­ser ver­ant­wor­ten. Die Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft wirft Koloini vor, 2007 ein Bank­kon­to auf­ge­löst zu haben, das von den zwei Rus­sen gespeist wur­de, denen Hai­der gegen „Ent­gelt“ die Beschaf­fung der öster­rei­chi­schen Staats­bür­ger­schaft ver­spro­chen haben soll – „Part of the game“ eben.

15. Aug. 2011

Der „schö­ne Franz“, wie Koloini in sei­nen Glanz­zei­ten als Pro­to­koll­chef Hai­ders genannt wur­de, soll einen Teil der € 197.032,80, die noch auf dem Kon­to waren bar an Hai­der über­ge­ben haben, den Rest so auf Spar­bü­cher (jeweils € 14.990,-) ver­teilt haben, dass die Spar­bü­cher nicht legi­ti­miert wer­den mussten.

Die FPK, deren Obmann Scheuch ja gera­de ein Urteil in ähn­li­cher Ange­le­gen­heit kas­sie­ren muss­te, beeil­te sich fest­zu­hal­ten, dass Koloini kein Mit­glied der FPK sei. Ja, soll sein, auf den Gerichts­bän­ken wird jeden­falls das Sys­tem Hai­der mitverhandelt.

Petz­ner: „Der schö­ne Franz hat eine wei­ße Wes­te“ (2008)

Bis­her hat Koloini immer­hin schon zwei Unter­su­chungs­aus­schüs­se, meh­re­re Anzei­gen und zwei Ankla­gen über­stan­den, ohne dass ihm dadurch wirk­lich etwas pas­siert wäre. Der ers­te Unter­su­chungs­aus­schuss beschäf­tig­te sich 2003 mit den Irak- und Liby­en-Rei­sen Hai­ders. Schon damals wur­de der Ver­dacht laut, dass Hai­der Geld von Sad­dam Hus­sein bzw. Ghad­af­fi erhal­ten habe. Hai­der demen­tier­te ein­fach – und die Sache war damit auch schon wie­der erle­digt. Koloini wur­de aller­dings der Falsch­aus­sa­ge im Aus­schuss über­führt und ange­zeigt wegen des Ver­dachts der fal­schen Zeu­gen­aus­sa­ge. Mit einer Wei­sung des dama­li­gen frei­heit­li­chen Jus­tiz­mi­nis­ters Böhm­dor­fer wur­den die Ermitt­lun­gen gegen Koloini beendet.

Jah­re spä­ter, 2008, konn­te Koloini auch den zwei­ten Unter­su­chungs­aus­schuss, in dem er befragt wur­de, für sich erfolg­reich abschlie­ßen. Koloini, er war mitt­ler­wei­le zum Beauf­trag­ten des Lan­des Kärn­ten für die EM 2008 bei der Kärn­ten-Wer­bung avan­ciert, soll­te vom U‑Ausschuss „Kärn­ten Wer­bung” befragt wer­den, erspar­te sich aber wegen einer anony­men Anzei­ge die Befra­gung. Die „Klei­ne Zei­tung“ vom 13.8.2009 dazu: „Gerüch­te­wei­se soll die anony­me Anzei­ge, die ihm pein­li­che Befra­gun­gen über sei­nen Kre­dit­kar­ten­ge­brauch erspar­te, von Koloini selbst gestammt haben.“

Koloini hat­te, wie die „Kro­ne“ berich­te­te, „mit der Fir­men­kar­te pri­vat ein­ge­kauft, und auch von Sex-Shops lie­fen Rech­nun­gen ein“ (Kro­ne, 3.7.2008). Die Erklä­rung Kolo­inis: Die Kre­dit­kar­te sei in der frag­li­chen Zeit gestoh­len wor­den. Das Dienst­ver­hält­nis der „Kärn­ten Wer­bung” wur­de zunächst mit einer frist­lo­sen Ent­las­sung been­det, die dann in eine ein­ver­nehm­li­che Auf­lö­sung umge­wan­delt wurde.

Auch bei Kolo­inis nächs­tem Job, Pro­ku­rist des erfolg­lo­sen SK Aus­tria Kärn­ten Ähn­li­ches: Sein Enga­ge­ment „ende­te wegen einer dubio­sen Geld-Affä­re“ (Kurier, 30.1.2008). Der Prä­si­dent des Ver­eins, Mario Can­ori (BZÖ), ent­ließ Koloini, weil der „ver­sucht hat­te, an 50.000 Euro aus der Ver­eins­kas­sa zu kom­men“ (Kurier, 30.1.2008). Die Frist­lo­se wur­de wie­der in eine Ein­ver­nehm­li­che umge­wan­delt, „weil Koloini alle Vor­wür­fe ent­kräf­te­te“, so der Hai­der-Spre­cher Petz­ner damals zum Kurier.

2008 hat­te Koloini laut „Kurier“ aber noch ein­mal Berüh­rung mit der Jus­tiz. Laut Kla­gen­fur­ter Staats­an­walt­schaft gab es einen Straf­an­trag wegen gefähr­li­cher Dro­hung „und so etwas wie Anstif­tung zur Kör­per­ver­let­zung“ (Kurier, 30.1.2008). Dem Ver­neh­men nach soll eine Feh­de Kolo­inis mit einem Pri­vat­mann zu einer Wirts­haus­schlä­ge­rei eska­liert haben. Petz­ner, damals Hai­ders Sprach­rohr: „Wäre der Anzei­ger ein ech­ter Mann, wür­de er das mit Koloini aus­re­den und nicht zum Staats­an­walt lau­fen.“ (Kurier, 30.1.2008)

Der war aber kein ech­ter Mann, wie ihn sich Petz­ner vor­stellt, und so kam es im Febru­ar 2008 zu einer Gerichts­ver­hand­lung, bei der Koloini wegen gefähr­li­cher Dro­hung zu einer Geld­stra­fe, der Ver­wand­te Kolo­inis, der den Wider­sa­cher nie­der­ge­prü­gelt hat­te, zu einer beding­ten Haft­stra­fe (vier Mona­te) ver­ur­teilt wurde.

Der lesens­wer­te Bericht der „Klei­nen Zei­tung“ vom 19.2.2008 ist lei­der online nicht mehr ver­füg­bar, daher hier ein kur­zer Auszug:

Und was sagt Koloini selbst zu dem (tie­fen) Fall? „Ich war mit mei­nem Ver­wand­ten bei der Lokal­er­öff­nung, aber von der Schlä­ge­rei habe ich nichts mit­be­kom­men. Ich stand an der The­ke und trank.” Er habe den Geschäfts­mann sicher nicht bedroht. An Ein­zel­hei­ten kön­ne er sich aller­dings nicht erin­nern. Was viel­leicht auch mit den „fünf bis acht Wod­ka-Red­bull” zusam­men­hängt, die er in zwei Stun­den getrun­ken habe. „Alles in allem war die Situa­ti­on ein­fach ungut”, betont Koloini.
Sei­ne Ehe­frau will vor Gericht nicht aus­sa­gen. Aber sie soll die­je­ni­ge gewe­sen sein, die nach der Schlä­ge­rei die Poli­zei alar­miert hat. Zwei Poli­zis­ten haben sogar mit­be­kom­men, wie die Betrof­fe­ne nach der Schlä­ge­rei von Koloini ange­ru­fen und am Han­dy bedroht wur­de. „Wir konn­ten mit­hö­ren, weil die Frau das Tele­fon auf laut stell­te”, sagen die Beam­ten. Koloini wird indes immer lei­ser. Auch sei­ne Kar­rie­re scheint der­zeit „ruhig gestellt”. „Ich bin seit Febru­ar ohne Beschäf­ti­gung und beim AMS gemel­det”, gibt er im Pro­zess zu Pro­to­koll. „Kei­ne Ahnung, wie viel Geld ich da bekom­me.” Zuletzt habe er 2100 Euro ver­dient. Ver­mö­gen habe er kei­nes. Sein Auto, ein Audi TT sei geleast.
 (Klei­ne Zei­tung, 19.2.2008)

2009 dann das Nach­spiel zu der Affä­re beim SK Aus­tria Kärn­ten. Franz Koloini wur­de vom Vor­wurf des ver­such­ten Betrugs im Zwei­fel frei­ge­spro­chen. Zeu­gen und Ange­klag­ter ver­si­cher­ten dem Gericht, dass es kei­nen Ver­such Kolo­inis gege­ben habe, dem Ver­ein € 50.000 für angeb­li­che Spie­ler­schul­den her­aus­zu­lo­cken. Der betrof­fe­ne Spie­ler konn­te dazu auch nicht mehr befragt wer­den – er hat­te im Juni 2008 den Frei­tod gewählt.

Im Okto­ber hat Koloini neu­er­lich die Mög­lich­keit dar­zu­le­gen, dass alles ganz anders war.

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