„Am rechten Rand”/Ed Moschitz: Die Preisrede

Ed Moschitz, der Sendungs­mach­er von „Am recht­en Rand“, ein­er „Am Schauplatz“-Reportage des ORF, hat am 23. Mai 2011 im Par­la­ment den Volks­bil­dung­spreis in der Sparte Doku­men­ta­tion erhal­ten. In sein­er kurzen Preisrede nahm Moschitz Bezug auf die Vor­würfe, die gegen ihn und die aus­geze­ich­nete Sendung erhoben wur­den. Hier die Preisrede im Wortlaut.

Weil die Staat­san­waltschaft Wiener Neustadt offen­bar immer noch glaubt, dass die Sendung „Am recht­en Rand“ nicht eine von Ihnen aus­geze­ich­nete Milieustudie ist, son­dern ein „ Pro­pa­gandafilm“, möchte ich hier ein paar Dinge erklären.

Als Schau­platz-Reporter hat man die Absicht, ein möglichst authen­tis­ches Bild von ein­er Per­son und ihrer Leben­sre­al­ität zu gestal­ten. Wir vom Schau­platz wollen sozusagen in das ungeschmink­te, in das echte Leben der Anderen blick­en. Dafür recher­chieren wir oft schon Wochen, bevor wir mit der Kam­era kom­men, sehr aus­führlich und machen uns dabei ein umfassendes Bild von der Lebenssi­t­u­a­tion unser­er Protagonisten.

Doch was kön­nen wir unseren Inter­view­part­nern – von denen wir viel Per­sön­lich­es erfahren wollen – anbi­eten, wenn wir sie über Monate, manch­mal sog­ar Jahre mit der Kam­era begleit­en? Nun, im Ide­al­fall kön­nen wir etwas zur Lösung ihrer Prob­leme beitra­gen. Wenn wir den Auf­schub ein­er Del­o­gierung erwirken, oder einen kostengün­sti­gen Anwalt ver­mit­teln. In Einzelfällen aber kom­men wir bei unseren Langzeit­beobach­tun­gen an gerin­gen Aufwand­sentschädi­gun­gen nicht vor­bei. Damit wird aber auss­chließlich ein Zeitaufwand für Drehar­beit­en abge­golten. Denn die Arbeit mit der Kam­era ist aufwändig und sieben bis acht Drehtage brauchen wir für einen Schau­platz. Über eine ein­mal aus­bezahlte Aufwand­sentschädi­gung kön­nen Sie aber nicht mehr ver­fü­gen. Sie kön­nen einen Spiel­süchti­gen nicht davon abhal­ten, Geld in einen Spielau­to­mat­en zu wer­fen und einen volljähri­gen Neon­azi natür­lich nicht daran hin­tern, einen Fün­fziger so anzule­gen, wie er es für richtig hält. Und wenn Pro­tag­o­nis­ten mir vorschla­gen, dass Sie mit mir eine Parteiver­anstal­tung besuchen wollen, so spricht mein­er Mei­n­ung nach nichts dage­gen, noch dazu, wo sie doch schon bei der FPÖ waren, bevor sie mich kannten.

Wie Sie in der Sendung unschw­er erken­nen kon­nten, verehren die von mir gezeigten Jugendlichen Adolf Hitler. In der Gegen­wart haben die Neon­azis in der FPÖ ihre poli­tis­che Heimat. Sie schätzen Frau Rosenkranz, wegen ihrer Aus­sagen zum Ver­bots­ge­setz, und auch mit dem FPÖ Chef und sein­er Poli­tik ken­nt man sie sich gut aus. Das beweist ein Video, das die Burschen schon im Jahr 2009 in voller Aktion auf ein­er FPÖ Ver­anstal­tung zeigt. Also noch zu ein­er Zeit, bevor ich sie kannte.

Nun, warum man uns in Wiener Neustadt zum FPÖ Chef hin­ter die Absper­rung gebeten hat  und dieser, als das Kam­era Team in sein­er Nähe war, „etwas Neon­azis­tis­ches“ gehört haben will, das kann ich Ihnen nicht erk­lären. Doch seit heute bin ich in Besitz des zweit­en Gutach­tacht­ens eines Sachver­ständi­gen, der die Orig­i­nalka­s­sette auf Manip­u­la­tion­sspuren unter­sucht hat. Gefun­den hat der Sachver­ständi­ge freilich nichts Nen­nenswertes. Nur eines: Das verdächtig lange Atemgeräusch, hin­ter dem Stra­che einen ver­loren gegan­genen Nazis­ager ver­mutet, das klingt in etwa so…………… So ein Geräusch entste­ht, wenn man sich bei tiefen Außen­tem­per­a­turen nach ein­er lan­gen Stra­che-Rede in Wiener Neustadt die Fin­ger wär­men möchte. Dieses Atemgeräusch kon­nte der Sachver­ständi­ge mit ein­er Spezial­soft­ware fil­tern und das dahin­ter befind­liche Gespräch trans­par­ent machen.

Was er gefun­den hat, ist ein kurz­er Dia­log, bei dem ich auch Sie nun bitte, ganz genau hinzuhören, ob Sie ein Verge­hen nach dem Ver­bots­ge­setz vernehmen kön­nen. Es han­delt sich um einen Dia­log, bei dem eine Per­son sagt: „I will des jet­zt schon genau wis­sen.“ Und die andere Per­son antwortet: „Frag ihn.“ Ich weiß nicht was Sie dazu sagen, aber ich finde, dass bei der­art harm­losen Aus­sagen eine Anzeige nach dem Ver­bots­ge­setz doch ein wenig über­trieben scheint. Der Nation­al­rat hat ohne­hin bere­its gehan­delt. Die par­la­men­tarische Immu­nität des FPÖ Chefs ist wegen eines drin­gen­den Tatver­dacht­es der „falschen Zeu­ge­naus­sage“ und der „üblen Nachrede“ aufgehoben.

Her­zlichen Dank meinen Kol­legin­nen und Kol­le­gen von der Schau­platz Redak­tion, für ihre großar­tige Unter­stützung. Meinem Kam­era­mann, danke, dass er im entschei­den­den Moment weit­er gefilmt hat, und wir alle Beweise auf Band haben. Und nicht zulet­zt möchte ich mich bei mein­er Fam­i­lie bedanken, die das alles mit ertra­gen hat.