„Am rechten Rand”/Ed Moschitz: Die Preisrede

Lesezeit: 4 Minuten

Ed Mos­chitz, der Sen­dungs­ma­cher von „Am rech­ten Rand“, einer „Am Schauplatz“-Reportage des ORF, hat am 23. Mai 2011 im Par­la­ment den Volks­bil­dungs­preis in der Spar­te Doku­men­ta­ti­on erhal­ten. In sei­ner kur­zen Preis­re­de nahm Mos­chitz Bezug auf die Vor­wür­fe, die gegen ihn und die aus­ge­zeich­ne­te Sen­dung erho­ben wur­den. Hier die Preis­re­de im Wortlaut.

Weil die Staats­an­walt­schaft Wie­ner Neu­stadt offen­bar immer noch glaubt, dass die Sen­dung „Am rech­ten Rand“ nicht eine von Ihnen aus­ge­zeich­ne­te Milieu­stu­die ist, son­dern ein „ Pro­pa­gan­da­film“, möch­te ich hier ein paar Din­ge erklären.

Als Schau­platz-Repor­ter hat man die Absicht, ein mög­lichst authen­ti­sches Bild von einer Per­son und ihrer Lebens­rea­li­tät zu gestal­ten. Wir vom Schau­platz wol­len sozu­sa­gen in das unge­schmink­te, in das ech­te Leben der Ande­ren bli­cken. Dafür recher­chie­ren wir oft schon Wochen, bevor wir mit der Kame­ra kom­men, sehr aus­führ­lich und machen uns dabei ein umfas­sen­des Bild von der Lebens­si­tua­ti­on unse­rer Protagonisten.

Doch was kön­nen wir unse­ren Inter­view­part­nern – von denen wir viel Per­sön­li­ches erfah­ren wol­len – anbie­ten, wenn wir sie über Mona­te, manch­mal sogar Jah­re mit der Kame­ra beglei­ten? Nun, im Ide­al­fall kön­nen wir etwas zur Lösung ihrer Pro­ble­me bei­tra­gen. Wenn wir den Auf­schub einer Delo­gie­rung erwir­ken, oder einen kos­ten­güns­ti­gen Anwalt ver­mit­teln. In Ein­zel­fäl­len aber kom­men wir bei unse­ren Lang­zeit­be­ob­ach­tun­gen an gerin­gen Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen nicht vor­bei. Damit wird aber aus­schließ­lich ein Zeit­auf­wand für Dreh­ar­bei­ten abge­gol­ten. Denn die Arbeit mit der Kame­ra ist auf­wän­dig und sie­ben bis acht Dreh­ta­ge brau­chen wir für einen Schau­platz. Über eine ein­mal aus­be­zahl­te Auf­wands­ent­schä­di­gung kön­nen Sie aber nicht mehr ver­fü­gen. Sie kön­nen einen Spiel­süch­ti­gen nicht davon abhal­ten, Geld in einen Spiel­au­to­ma­ten zu wer­fen und einen voll­jäh­ri­gen Neo­na­zi natür­lich nicht dar­an hin­tern, einen Fünf­zi­ger so anzu­le­gen, wie er es für rich­tig hält. Und wenn Prot­ago­nis­ten mir vor­schla­gen, dass Sie mit mir eine Par­tei­ver­an­stal­tung besu­chen wol­len, so spricht mei­ner Mei­nung nach nichts dage­gen, noch dazu, wo sie doch schon bei der FPÖ waren, bevor sie mich kannten.

Wie Sie in der Sen­dung unschwer erken­nen konn­ten, ver­eh­ren die von mir gezeig­ten Jugend­li­chen Adolf Hit­ler. In der Gegen­wart haben die Neo­na­zis in der FPÖ ihre poli­ti­sche Hei­mat. Sie schät­zen Frau Rosen­kranz, wegen ihrer Aus­sa­gen zum Ver­bots­ge­setz, und auch mit dem FPÖ Chef und sei­ner Poli­tik kennt man sie sich gut aus. Das beweist ein Video, das die Bur­schen schon im Jahr 2009 in vol­ler Akti­on auf einer FPÖ Ver­an­stal­tung zeigt. Also noch zu einer Zeit, bevor ich sie kannte.

Nun, war­um man uns in Wie­ner Neu­stadt zum FPÖ Chef hin­ter die Absper­rung gebe­ten hat  und die­ser, als das Kame­ra Team in sei­ner Nähe war, „etwas Neo­na­zis­ti­sches“ gehört haben will, das kann ich Ihnen nicht erklä­ren. Doch seit heu­te bin ich in Besitz des zwei­ten Gut­acht­ach­tens eines Sach­ver­stän­di­gen, der die Ori­gi­nal­kas­set­te auf Mani­pu­la­ti­ons­spu­ren unter­sucht hat. Gefun­den hat der Sach­ver­stän­di­ge frei­lich nichts Nen­nens­wer­tes. Nur eines: Das ver­däch­tig lan­ge Atem­ge­räusch, hin­ter dem Stra­che einen ver­lo­ren gegan­ge­nen Nazi­sa­ger ver­mu­tet, das klingt in etwa so…………… So ein Geräusch ent­steht, wenn man sich bei tie­fen Außen­tem­pe­ra­tu­ren nach einer lan­gen Stra­che-Rede in Wie­ner Neu­stadt die Fin­ger wär­men möch­te. Die­ses Atem­ge­räusch konn­te der Sach­ver­stän­di­ge mit einer Spe­zi­al­soft­ware fil­tern und das dahin­ter befind­li­che Gespräch trans­pa­rent machen.

Was er gefun­den hat, ist ein kur­zer Dia­log, bei dem ich auch Sie nun bit­te, ganz genau hin­zu­hö­ren, ob Sie ein Ver­ge­hen nach dem Ver­bots­ge­setz ver­neh­men kön­nen. Es han­delt sich um einen Dia­log, bei dem eine Per­son sagt: „I will des jetzt schon genau wis­sen.“ Und die ande­re Per­son ant­wor­tet: „Frag ihn.“ Ich weiß nicht was Sie dazu sagen, aber ich fin­de, dass bei der­art harm­lo­sen Aus­sa­gen eine Anzei­ge nach dem Ver­bots­ge­setz doch ein wenig über­trie­ben scheint. Der Natio­nal­rat hat ohne­hin bereits gehan­delt. Die par­la­men­ta­ri­sche Immu­ni­tät des FPÖ Chefs ist wegen eines drin­gen­den Tat­ver­dach­tes der „fal­schen Zeu­gen­aus­sa­ge“ und der „üblen Nach­re­de“ aufgehoben.

Herz­li­chen Dank mei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von der Schau­platz Redak­ti­on, für ihre groß­ar­ti­ge Unter­stüt­zung. Mei­nem Kame­ra­mann, dan­ke, dass er im ent­schei­den­den Moment wei­ter gefilmt hat, und wir alle Bewei­se auf Band haben. Und nicht zuletzt möch­te ich mich bei mei­ner Fami­lie bedan­ken, die das alles mit ertra­gen hat.