Wolfsberg (Ktn): Der freiheitliche Magister

Michael Swersi­na ist Stad­trat der Frei­heitlichen Partei Kärn­ten (FPK) in Wolfs­berg. Bess­er gesagt, er war Stad­trat und Mag­is­ter. Anfang Mai inter­essierte sich die „Kleine Zeitung“ für die akademis­che Kar­riere des frei­heitlichen Stadtrates.

Die Zeitung wollte einem „hart­näck­i­gen Gerücht“ nachge­hen, dass Swersi­na gar keinen Mag­is­ter-Titel habe, „obwohl der Titel auf dem Türschild“ angegeben ist. Die „Kleine“ macht sich auf die Suche. Auf der Web­site der Gemeinde ste­ht, dass Swersi­na die Uni­ver­sität Graz absolviert habe, doch dort find­et sich der Name Swersi­na nicht. Auch die Diplo­mar­beit ist nicht auffind­bar. Swersi­na erk­lärt der „Kleinen“, dass er zwar in Graz studiert, seinen Titel aber „in Laibach/Ljubljana gemacht“ habe.

Die hart­näck­i­gen Redak­teurIn­nen nehmen Kon­takt mit der Uni Laibach/Ljubljana auf und find­en auch dort keinen Mag­is­ter Swersi­na. Mit­tler­weile ist Swersi­na sehr beschäftigt und kann der „Kleinen“ nur mehr tele­fonisch mit­teilen, dass er seinen Titel jeden­falls „im Aus­land“ erwor­ben habe: „Für mich spielt ein Titel keine Rolle.” Bra­vo, so soll es sein!

Die vor­läu­fi­gen Ermit­tlungsergeb­nisse der „Kleinen“ schla­gen Wellen. Am 3.5. gibt Swersi­na der „Kleinen“ bekan­nt, dass er sich doch den (aus­ländis­chen) Titel in Öster­re­ich anrech­nen lassen wolle. Der FPK-Lan­desrat Rag­ger wiederum will von Swersi­na gehört haben, dass der seinen Abschluss nicht in Laibach, son­dern bei einem Pro­fes­sor aus Laibach erwor­ben habe. Ach so! Noch etwas sagt Rag­ger: „Er leis­tet auch ohne diese drei Buch­staben vor seinem Namen eine super Arbeit als Stad­trat. Außer­dem lasse ich mir von kleinen SPÖlern nicht Stadträte aus den Rei­hen schießen.”

Am 4. Mai nach­mit­tags gibt Swersi­na seinen Rück­tritt als Stad­trat bekan­nt. In ein­er Aussendung wurde erk­lärt, dass Swersi­na zum Abschluss doch noch „zwei Kom­po­nen­ten“ fehlen würden.

Die frei­heitliche Magistra

Zehn Jahre zuvor war schon eine frei­heitliche „Mag­is­tra“ an ihrem Titel gescheit­ert. Ute Fabel avancierte vom Büro des frei­heitlichen Lan­desrates Matthias Reich­hold in Kärn­ten zur Kabi­nettschefin von Sozialmin­is­ter Haupt (FPÖ). Der Ring Frei­heitlich­er Wirtschaft­streiben­der ver­lieh sie um die nicht unbeschei­dene Gage von rund 8.000 Euro an das Sozialmin­is­teri­um. Als die Kabi­nettschefin dazu auch noch Über­stun­den ver­rech­nete (im Jän­ner 2001 11.918 Euro), kam die fleißige Akademik­erin ins Gerede und stolperte prompt im April 2001 über ihren falschen Titel. Der Schwindel hat­te allerd­ings keine strafrechtlichen Kon­se­quen­zen: „Zwis­chen dem falschen Titel und dem Gehalt als Kabi­nettchefin gab es keinen Zusam­men­hang“, erk­lärte dazu der Lei­t­ende Staat­san­walt (Kuri­er, 24.11.2003) Im Dezem­ber 2001 scheit­erte sie dann bei ihrem let­zten und sech­sten Ver­such, das Jusstudi­um zu absolvieren.

Zwei falsche akademis­che Titel, bei­de aus dem frei­heitlichen Lager, bei­de aus Kärn­ten – was ler­nen wir daraus?