Kärnten: Hypo verschenkte 30 Millionen an FPÖ-Politiker

Sein Wirken im Nation­al­rat war nicht nur zeitlich begren­zt. Am 15.6.1998 wurde Heinz Marolt als Abge­ord­neter und Nach­fol­ger von Math­ias Reich­hold, der ger­ade wieder ein­mal als Kärnt­ner Lan­deshaupt­mann-Stel­lvertreter aushelfen musste, angelobt. Das Ses­sel­rück­en­spiel war damals ziem­lich ange­sagt: Die zahlre­ichen FPÖ-Affären bracht­en in kurzen Abstän­den die einen um ihre Jobs, die anderen zu ihren Sesseln.

Heinz Marolt war so ein­er, den das Glück kurzfristig ansprang. Der Hote­lier aus St. Kanz­ian führte am Klopein­er See einen 500-Bet­ten-Betrieb und eine Bar, deren Name Pro­gramm war: die „Blaue Lagune“, wo sich die Parteigranden trafen.

Wie „News“ in sein­er neuen Aus­gabe (Nr. 38/2010) berichtet, ging es dem Neo-Abge­ord­neten wirtschaftlich nicht beson­ders gut: „Mitte der 90er-Jahre beträgt sein Obli­go bei der Hypo ins­ge­samt rund 95 Mil­lio­nen Schilling. Diese Schulden steigen bis 1997 auf 127 Mil­lio­nen Schilling an. Kurz vor seinem poli­tis­chen Durch­bruch wird eine ‚Sanierung‘ mit der Bank verhandelt.“

Wie „News“ weit­er berichtet, erstellte der Wirtschaft­san­walt Johann Quendler ein Gutacht­en, das „mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahrschein­lichkeit Zahlung­sun­fähigkeit“ fest­stellte. Logis­che Kon­se­quenz wäre eigentlich ein Insol­ven­zantrag durch die Bank gewe­sen. Doch die Bank reagiert völ­lig anders: Sie saniert das Unternehmen und den zukün­fti­gen Poli­tik­er dadurch, indem sie auf ins­ge­samt 30 Mil­lio­nen Schilling verzichtet (15 Mil­lio­nen als Schuld­nach­lass, 15 Mil­lio­nen als Besserungskap­i­tal). Damit kon­nte das neue FPÖ-Sternchen Marolt ohne Belas­tung durch eine dro­hende Insol­venz in die Haider’sche Umlauf­bahn einge­bracht wer­den, um nach kurz­er Zeit wieder zu verglühen.

Am 16.8.1999 gab näm­lich Marolt gemein­sam mit zwei weit­eren FPÖ-Abge­ord­neten, Elfriede Madl und Anton Blüneg­ger, eine Unter­stützungserk­lärung für die Lugn­er-Liste „Die Unab­hängi­gen“ ab und seine Kan­di­datur für diese Liste bekan­nt. Der FPÖ-Klub schloss Marolt (und die anderen) umge­hend aus. Den Partei­wech­sel erk­lärte die FPÖ damit, dass sie Marolt für die bevorste­hen­den Nation­al­ratswahlen nicht mehr nominiert habe, weil Marolt seine Ver­mö­gensver­hält­nisse nicht offen­gelegt habe. Marolt kon­terte mit einem Schreiben seines Steuer­ber­aters, in dem laut „Kleine Zeitung“ bestätigt wird, dass Marolts Betrieb das Jahr1998 pos­i­tiv abschließen werde und alle Schulden pünk­tlich bezahle. Marolt behauptete ausser­dem, dass er die Unter­la­gen für 1997 Haider per­sön­lich übergeben habe.

Da wird die Geschichte inter­es­sant. Zu Beginn1997 hat­te der Betrieb schließlich noch 127 Mil­lio­nen Schilling in der Krei­de. Und dann gab es – wie die „Kro­ne“ (28.2.98) berichtete, Anfang 1998 noch eine anonyme Anzeige gegen den Touris­musver­band St. Kanz­ian, in dem auf Ungereimtheit­en bei ein­er Prü­fung der Ver­bands­fi­nanzen ver­wiesen und der Ver­dacht der Untreue for­muliert wurde.

Heinz Marolt, damals Touris­mus­ref­er­ent, tat die Anzeige als plumpen Ver­such, den Ver­band anzuschwärzen, ab. Über Ergeb­nisse der Ermit­tlun­gen gibt es keine Pressemel­dun­gen mehr. Vier Monate später war Marolt Abge­ord­neter in einem FPÖ-Klub, der ger­ade seine tur­bu­len­teste Zeit durch­lebte: die Affäre Rosen­st­ingl, dessen Flucht, die Ver­haf­tung des NÖ-Klubob­manns Gratzer, der Rück­tritt der Abge­ord­neten Men­til und Schrein­er im Mai 1998, ihr Ersatz durch die Kürzest-Zeit Abge­ord­neten Trenk und Leut­göb, die nach nur fünf Tagen im Par­la­ment wieder auss­chieden – da kon­nte die FPÖ keine weit­ere Affäre brauchen.

Jet­zt ist jeden­falls Wolf­gang Kul­ter­er, der frühere Chef der Hypo Alpe-Adria, mit dem Ver­dacht der Untreue kon­fron­tiert, weil er 30 Mil­lio­nen Schilling, für die die SteuerzahlerIn­nen her­hal­ten müssen, an den fak­tisch insol­ven­ten Betrieb ver­schenkt haben soll. Mal sehen, ob da nicht noch weit­ere Verdächtige auftauchen.

(Quelle: News, 23.9.2010, Nr. 38)

Siehe auch: FPÖ & Kriminalität