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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Kärnten: Hypo verschenkte 30 Millionen an FPÖ-Politiker

Sein Wir­ken im Natio­nal­rat war nicht nur zeit­lich begrenzt. Am 15.6.1998 wur­de Heinz Marolt als Abge­ord­ne­ter und Nach­fol­ger von Mathi­as Reich­hold, der gera­de wie­der ein­mal als Kärnt­ner Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­ter aus­hel­fen muss­te, ange­lobt. Das Ses­sel­rü­cken­spiel war damals ziem­lich ange­sagt: Die zahl­rei­chen FPÖ-Affä­ren brach­ten in kur­zen Abstän­den die einen um ihre Jobs, die ande­ren zu ihren Sesseln.

23. Sep. 2010

Heinz Marolt war so einer, den das Glück kurz­fris­tig ansprang. Der Hote­lier aus St. Kan­zi­an führ­te am Klo­pei­ner See einen 500-Bet­ten-Betrieb und eine Bar, deren Name Pro­gramm war: die „Blaue Lagu­ne“, wo sich die Par­tei­gran­den trafen.

Wie „News“ in sei­ner neu­en Aus­ga­be (Nr. 38/2010) berich­tet, ging es dem Neo-Abge­ord­ne­ten wirt­schaft­lich nicht beson­ders gut: „Mit­te der 90er-Jah­re beträgt sein Obli­go bei der Hypo ins­ge­samt rund 95 Mil­lio­nen Schil­ling. Die­se Schul­den stei­gen bis 1997 auf 127 Mil­lio­nen Schil­ling an. Kurz vor sei­nem poli­ti­schen Durch­bruch wird eine ‚Sanie­rung‘ mit der Bank verhandelt.“

Wie „News“ wei­ter berich­tet, erstell­te der Wirt­schafts­an­walt Johann Quend­ler ein Gut­ach­ten, das „mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit Zah­lungs­un­fä­hig­keit“ fest­stell­te. Logi­sche Kon­se­quenz wäre eigent­lich ein Insol­venz­an­trag durch die Bank gewe­sen. Doch die Bank reagiert völ­lig anders: Sie saniert das Unter­neh­men und den zukünf­ti­gen Poli­ti­ker dadurch, indem sie auf ins­ge­samt 30 Mil­lio­nen Schil­ling ver­zich­tet (15 Mil­lio­nen als Schuld­nach­lass, 15 Mil­lio­nen als Bes­se­rungs­ka­pi­tal). Damit konn­te das neue FPÖ-Stern­chen Marolt ohne Belas­tung durch eine dro­hen­de Insol­venz in die Haider’sche Umlauf­bahn ein­ge­bracht wer­den, um nach kur­zer Zeit wie­der zu verglühen.

Am 16.8.1999 gab näm­lich Marolt gemein­sam mit zwei wei­te­ren FPÖ-Abge­ord­ne­ten, Elfrie­de Madl und Anton Blün­eg­ger, eine Unter­stüt­zungs­er­klä­rung für die Lug­ner-Lis­te „Die Unab­hän­gi­gen“ ab und sei­ne Kan­di­da­tur für die­se Lis­te bekannt. Der FPÖ-Klub schloss Marolt (und die ande­ren) umge­hend aus. Den Par­tei­wech­sel erklär­te die FPÖ damit, dass sie Marolt für die bevor­ste­hen­den Natio­nal­rats­wah­len nicht mehr nomi­niert habe, weil Marolt sei­ne Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se nicht offen­ge­legt habe. Marolt kon­ter­te mit einem Schrei­ben sei­nes Steu­er­be­ra­ters, in dem laut „Klei­ne Zei­tung“ bestä­tigt wird, dass Marolts Betrieb das Jahr1998 posi­tiv abschlie­ßen wer­de und alle Schul­den pünkt­lich bezah­le. Marolt behaup­te­te aus­ser­dem, dass er die Unter­la­gen für 1997 Hai­der per­sön­lich über­ge­ben habe.

Da wird die Geschich­te inter­es­sant. Zu Beginn1997 hat­te der Betrieb schließ­lich noch 127 Mil­lio­nen Schil­ling in der Krei­de. Und dann gab es – wie die „Kro­ne“ (28.2.98) berich­te­te, Anfang 1998 noch eine anony­me Anzei­ge gegen den Tou­ris­mus­ver­band St. Kan­zi­an, in dem auf Unge­reimt­hei­ten bei einer Prü­fung der Ver­bands­fi­nan­zen ver­wie­sen und der Ver­dacht der Untreue for­mu­liert wurde.

Heinz Marolt, damals Tou­ris­mus­re­fe­rent, tat die Anzei­ge als plum­pen Ver­such, den Ver­band anzu­schwär­zen, ab. Über Ergeb­nis­se der Ermitt­lun­gen gibt es kei­ne Pres­se­mel­dun­gen mehr. Vier Mona­te spä­ter war Marolt Abge­ord­ne­ter in einem FPÖ-Klub, der gera­de sei­ne tur­bu­len­tes­te Zeit durch­leb­te: die Affä­re Rosen­stingl, des­sen Flucht, die Ver­haf­tung des NÖ-Klub­ob­manns Grat­zer, der Rück­tritt der Abge­ord­ne­ten Men­til und Schrei­ner im Mai 1998, ihr Ersatz durch die Kür­zest-Zeit Abge­ord­ne­ten Trenk und Leut­göb, die nach nur fünf Tagen im Par­la­ment wie­der aus­schie­den – da konn­te die FPÖ kei­ne wei­te­re Affä­re brauchen.

Jetzt ist jeden­falls Wolf­gang Kul­te­rer, der frü­he­re Chef der Hypo Alpe-Adria, mit dem Ver­dacht der Untreue kon­fron­tiert, weil er 30 Mil­lio­nen Schil­ling, für die die Steu­er­zah­le­rIn­nen her­hal­ten müs­sen, an den fak­tisch insol­ven­ten Betrieb ver­schenkt haben soll. Mal sehen, ob da nicht noch wei­te­re Ver­däch­ti­ge auftauchen.

Sie­he auch: FPÖ & Kriminalität

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