BRD: Vor 30 Jahren Terroranschlag am Oktoberfest

Hoff­manns Öster­re­ich-Con­nec­tion: Schimanek

Am 26. Sep­tem­ber jährt sich der blutig­ste Ter­ro­ran­schlag, den die BRD in der Nachkriegs­geschichte erlebt hat­te. Das Resul­tat ein­er Bombe waren 13 Tote und mehr als 200 Ver­let­zte beim Münch­n­er Okto­ber­fest am 26.9.1980. (Quelle APA, 7.9.2010)


Wehrsport­gruppe Hoffmann

Offizieller Täter war Gun­dolf Köh­ler, ein Stu­dent, der über beste Beziehun­gen zum Recht­sex­trem­is­mus und beson­ders zur Wehrsport­gruppe Hoff­mann ver­fügte. Diese neon­azis­tis­che Ter­ror­bande, die im ganzen dama­li­gen Bun­des­ge­bi­et aktiv war, wurde Anfang 1980 als ver­fas­sungs­feindliche Organ­i­sa­tion aufgelöst. Bei Haus­durch­suchun­gen wur­den ins­ge­samt 18 LKW-Ladun­gen mit Waf­fen aller Art sichergestellt.

Obwohl immer wieder Fak­ten und Ver­mu­tun­gen auf­taucht­en, wonach die Wehrsport­gruppe Hoff­mann (WSG‑H) selb­st das Mor­dat­ten­tat am Okto­ber­fest geplant und aus­ge­führt habe, kam es nie zu einem Prozess gegen die Ver­ant­wortlichen der WSG‑H. Karl-Heinz Hoff­mann selb­st set­zte sich in den Libanon ab und grün­dete dort eine Wehrsport­gruppe Aus­land gemein­sam mit Al Fatah-Leuten.

Im Dezem­ber 1980 ermordete ein weit­eres Mit­glied der WSG‑H, Uwe Behrendt, den Nürn­berg­er jüdis­chen Ver­leger Shlo­mo Lewin und seine Lebens­ge­fährtin Frie­da Poeschke in ihrer Woh­nung in Erlangen.

Am 2. 8.1982, nach einem Amok­lauf durch die Frank­furter Innen­stadt und auf der Flucht vor der Polizei, tötet sich der Neon­azi und WSG‑H Mann Ste­fan Wag­n­er durch einen Schuß in den Mund. Kurz vor dem Selb­st­mord hat­te er noch mit der Waffe einen Mann bedro­ht, dem er ges­tand, an der Durch­führung des Atten­tats beteiligt gewe­sen zu sein (nadir.org).

Auch diese Spur wurde so wie alle anderen vorher nicht weit­er ernst genom­men. Die Grü­nen im Deutschen Bun­destag haben im Vor­jahr eine umfan­gre­iche Anfrage zur Wehrsport­gruppe Hoff­mann und den schlampi­gen Ermit­tlun­gen damals gestellt ( Anfrage ).

Obwohl die Antwort der Deutschen Bun­desregierung einiges zu wün­schen übrig lässt, ist sie den­noch auf­schlussre­ich und lesenswert. Vieles kann nicht mehr rekon­stru­iert wer­den, vieles ruht in den Archiv­en, vieles wurde verschlampt.

Über den Ermit­tlun­gen zum Ter­ro­rat­ten­tat beim Okto­ber­fest liegt ein Nebel aus Ver­tuschung und Verschlampung.

Für die bayrische Poli­tik war der Ter­ro­ran­schlag näm­lich eine ziem­lich unan­genehme und äußerst pein­liche Angele­gen­heit gewe­sen. Bay­ern stand damals im Wahlkampf und der Min­is­ter­präsi­dent Franz Josef Strauß und die CSU hat­ten vor dem Atten­tat die WSG‑H als eine Gruppe von Spin­nern ver­harm­lost. Selb­st nach dem Atten­tat, als die Münch­n­er Abendzeitung schon von den Nazis als den Wiesen­tätern titelte, war von Strauß zunächst die Rote Armee Frak­tion (RAF) als Urhe­berin ins Spiel gebracht worden.


Mah­n­mal für die 13 Men­schen die beim Atten­tat auf dem Okto­ber­fest 1980 star­ben. (Foto: ima­go — Bildquelle)

Warum wir das hier schreiben?

1. Weil die Ver­harm­lo­sung des Recht­sex­trem­is­mus und Neon­azis­mus auch ein Kennze­ichen heimis­ch­er Behör­den und der FPÖ ist.

2. Weil der dama­lige Ban­denchef Hoff­mann, der 1984 zu lächer­lichen 9 Jahren und 6 Monat­en Haft verurteilt wor­den war, nach 5 Jahren „wegen gün­stiger Sozial­prog­nose“ freige­lassen wurde und sei­ther in dem von sein­er Frau Franziska aufge­baut­en Fir­menge­flecht tätig ist. Jet­zt, in weni­gen Tagen, am 11.9. will Hoff­mann, der über all die Jahre seine recht­sex­tremen Kon­tak­te pflegte und für seine Geschäfte nutzbar machte, aber keine erkennbare poli­tis­che Aktiv­ität ent­fal­tete, öffentlich sprechen. Unter dem Titel „Der Chef spricht!“ wird im neon­azis­tis­chen Thi­azi-Forum für eine Ver­anstal­tung mit Hoff­mann als Red­ner in West­sach­sen gewor­ben. Zweck des Refer­ats sei, die Leg­en­den und Ver­fälschun­gen über die WSG‑H aufzuk­lären und auch „eine ein­dringliche War­nung vor unüber­legten Nachah­mungsver­suchen“. (bnr.de)

3. Weil es auch eine Öster­re­ich-Con­nec­tion gibt! Hans Jörg Schi­manek jun., selb­st für seine Aktiv­itäten in ein­er öster­re­ichis­chen Wehrsport­gruppe in Lan­gen­lois zu ein­er mehrjähri­gen Haft­strafe verurteilt, war jeden­falls über lange Zeit ein Geschäftspart­ner von Hoff­mann. In sein­er Fir­ma in Leipzig waren auch weit­ere Öster­re­ich­er mit ein­schlägigem Hin­ter­grund beschäftigt, wie ein gut doku­men­tiertes Dossier von Andrea Röp­ke und Berny Vogl berichtet. (raumzeit-online.de)


Hans Jörg Schi­manek jun.

Hans Jörg Schi­manek jun., der in Leipzig seine Geschäfte machte, ist auch nach wie vor poli­tisch aktiv. Mit seinem Nazikumpa­nen Got­tfried Küs­sel ist er bei Vorträ­gen in Sach­sen unter­wegs und besucht auch Ver­anstal­tun­gen in Öster­re­ich wie das im Jahr 2009 von der Kärnt­ner FPÖ organ­isierte Ulrichs­berg-Tre­f­fen. Auch das Neon­azi-Forum Thiazi.net dürfte ihm nicht unbekan­nt sein.