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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Der Feind liest mit …

Ein Inter­view geführt von der Zei­tung „Ermu­ti­gen” der Ama­deu Anto­nio Stif­tung, über das The­ma Inter­net und wie rele­vant es für Neo­na­zis ist.

14. Okt. 2010

Das The­ma Inter­net wird auch für Neo­na­zis rele­vant. Im Web 2.0, auf Blogs und in Foren tum­meln sie sich. Über die Wich­tig­keit des Inter­nets sprach die Aus­stei­ger­or­ga­ni­sa­ti­on EXIT mit Fran­ka, die bis vor kur­zen in der Neo­na­zi-Sze­ne aktiv vor.

EXIT: Ist das Inter­net ein wich­ti­ges Medi­um für die Naziszene?

Natür­lich ist es wich­tig. In den letz­ten sechs Jah­ren hat sich 70 bis 80 Pro­zent der Ver­net­zung ins Inter­net ver­la­gert. Wich­ti­ger als die öffent­li­che NPD-Sei­te oder die sozia­len Netz­wer­ke sind die ver­steck­ten Foren, auf denen für Demons­tra­tio­nen gewor­ben wird. Es gibt sogar Kon­takt­bör­sen von Neo­na­zis. Dort bleibt man unter sich und kann sich aus­tau­schen. Dar­auf soll­te man das Augen­merk richten.

EXIT: Und wie kom­me ich als außen­ste­hen­de Per­son in sol­che Foren?

Wenn man an die Adres­se von ver­steck­ten Foren her­an­ge­kom­men ist, braucht man bestimm­te Zugangs­da­ten. Die User wer­den auch manch­mal über­prüft, ob sie auch wirk­lich in die Krei­se gehö­ren. Das heißt, man muss ent­we­der einen Nach­weis schi­cken, sei­ne Tele­fon­num­mer oder sei­nen Wohn­ort preis­ge­ben. Wenn man nicht sagen kann, mit wel­chen Kame­rad­schaf­ten man Kon­takt hat, wird man nicht rein gelas­sen. Es gibt auch öffent­li­che Foren. Da kann man sich ein­fach anmelden.

EXIT: Und hält man sich in öffent­li­chen Foren dann zurück, weil der „Feind“ mit­le­sen könnte?

Ja, bei öffent­li­chen Foren, die eigent­lich nur für Nazis sein soll­ten, wird man nichts bekannt­ge­ben und sich auch nicht aus­tau­schen. Dazu wird auf geschlos­se­ne Foren ver­wie­sen, in denen man sich erst ein­mal „outen“ muss. Kame­rad­schaf­ten haben unter sich eige­ne Foren und Web­sei­ten, über die das Gan­ze läuft.

EXIT: Wenn man sich die Kom­men­ta­re auf Alter­me­dia oder Thia­zi anschaut: wie wer­den die moderiert?

Das ist von Forum zu Forum ver­schie­den. Es gibt neben dem Betrei­ber meist noch Admi­nis­tra­to­ren und Mode­ra­to­ren, die sich dar­um küm­mern, Kom­men­ta­re frei­zu­schal­ten oder zu löschen. Wenn es öffent­lich ist, schau­en sie auch, ob es straf­recht­lich rele­vant ist. Da kommt es aber auch dar­auf an, ob der Ser­ver im In- oder Aus­land liegt.

EXIT: Das ist aber auch viel Arbeit, oder?

Ja, die meis­ten sind arbeits­los und sit­zen dann den gan­zen Tag vor dem PC. Da geht nichts neben­bei. Es gibt Demons­tra­tio­nen und Inter­net. Die leben für die Sache und füh­len sich als wür­den sie unheim­lich viel für ihr Deutsch­land machen. Bei Alter­me­dia zum Bei­spiel müs­sen es mehr als drei Leu­te sein, damit es funktioniert.

EXIT: Und wie sieht es mit Anwei­sun­gen aus, wie Neo­na­zis sich im Inter­net ver­hal­ten sollen?

Ich den­ke, damit wird ein­fach nur abge­lenkt von der vor­han­de­nen Ver­net­zung. Hin­ter den Kulis­sen kann man gera­de mit dem Inter­net mehr machen und so lenkt man vom eigent­li­chen Fokus ab.

EXIT: Was ist mit Pro­fi­len bei den sozia­len Netz­wer­ken? Wie wird reagiert, wenn die gelöscht werden?

Dann macht man sich eben ein neu­es. Man­che haben auch meh­re­re Pro­fi­le und sind mit einem immer irgend­wie online. Man fällt auch nicht immer gleich mit der Tür ins Haus und kleis­tert alles mit Haken­kreu­zen zu. Es gibt natür­lich Dumpf­ba­cken, die das immer wie­der tun. Aber es gibt auch die, die sub­ti­ler sind und sich an lin­ken Grup­pen oder der Poli­zei vorbeischleichen.

EXIT: Die Ver­net­zung hat durch das Inter­net zuge­nom­men. Kann sich die Sze­ne dadurch schnel­ler mobilisieren?

Es könn­te so funk­tio­nie­ren, aber dazu sind Nazis zu phleg­ma­tisch. Man muss wochen­lang anprei­sen und mobil­ma­chen, dann klappt es. Wenn man das nicht macht, sind viel­leicht 30 Leu­te da. Aber mit dem Inter­net kann man auf Demons­tra­tio­nen bes­ser reagie­ren. Bei Blo­cka­den oder Inter­ven­tio­nen der Poli­zei kann man Infor­ma­tio­nen ein­fach abru­fen, sich dann anders for­mie­ren oder woan­ders hin­ge­hen. Da wird sich die Rol­le des Inter­nets noch weiterentwickeln.

Das Inter­view führ­te Fabi­an Wichmann.
Foto: eurleif via Flickr, cc

Das Inter­view erschien zuerst in der Zei­tung „Ermu­ti­gen” der Ama­deu Anto­nio Stiftung.

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