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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Eklat beim rechtsextremen „Lesertreffen”?

Die­ses Wochen­en­de fand in Zeu­len­ro­da (Ost­thü­rin­gen) nach einer Unter­bre­chung im Jahr 2014 wie­der ein „Leser­tref­fen“ der extrem rech­ten Zeit­schrift „Zuerst!“ statt. Die ange­reis­ten Rechts­extre­men und Neo­na­zis hat­ten viel zu bespre­chen ange­sichts der brei­ten The­men­pa­let­te. Mit dabei unter den Refe­ren­tIn­nen: Alex­an­der Dugin und Bar­ba­ra Rosen­kranz (FPÖ). Und einen Eklat gab es auch noch.

9. März 2015

Zu den Leser­tref­fen lud offi­zi­ell der „Schul­ver­ein zur För­de­rung der Russ­land­deut­schen in Ost­preu­ßen e. V“, der, so „Thü­rin­gen rechts­aus­sen”, zum Netz­werk der von Diet­mar Munier, dem rechts­extre­men Ver­le­ger, beein­fluss­ten oder initi­ier­ten Ver­ei­ne und Ein­rich­tun­gen gehört. 2013 fand das Leser­tref­fen im Hotel Pan­ora­ma in Ober­wie­sen­thal statt – unter Betei­li­gung eines FPÖ-Man­da­tars. Hans Jörg Jene­wein durf­te über „Frei­heit­li­che Per­spek­ti­ven. Die FPÖ im Super­wahl­jahr“ refe­rie­ren, der Nazi-Bar­de Frank Ren­ni­cke war als musi­ka­li­sche Beglei­tung des Tref­fens ange­sagt. Weil aber der Hotel­be­sit­zer das Leser­tref­fen der extre­men Rech­ten nicht län­ger in sei­nem Haus haben woll­te, fiel es 2014 aus.

Mit dem „Bio-See­ho­tel Zeu­len­ro­da“ wur­de für 2015 ein neu­er Ver­an­stal­tungs­ort gefun­den. Unter kon­spi­ra­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen – wie „Blick nach Rechts“ schon Mit­te Febru­ar mel­de­te: „Der Ver­an­stal­tungs­ort wur­de den Inter­es­sen­ten erst nach einer ver­bind­li­chen Anmel­dung mit­ge­teilt. Neben einem Tagungs­bei­trag in Höhe von 99,– Euro pro Per­son müs­sen die Teil­neh­mer auch die Kos­ten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung tragen.“

Somit wäre eigent­lich kos­ten­mä­ßig sicher­ge­stellt , dass sich nur hand­ver­le­se­nes rechts­extre­mes Publi­kum  zum „Leser­tref­fen“ ver­sam­melt, um den Vor­trä­gen von Alex­an­der Dugin, rus­si­scher Faschist und Kriegs­trei­ber der „Eura­si­schen Bewe­gung“, James Bac­que, kana­di­scher Geschichts­re­vi­sio­nist und Bar­ba­ra Rosen­kranz, FPÖ-Abge­ord­ne­te zu „Euro­pa för­dern, EU zäh­men, Euro stop­pen!“ zu lau­schen (die wei­te­ren Refe­ren­ten und The­men sind bei „Blick nach Rechts” zu finden).

Ganz so lau­schig dürf­te es nicht gewe­sen sein, denn zum „Leser­tref­fen“ erschien auch eine Lese­rin: die 86-jäh­ri­ge Ursu­la Haver­beck, die Gran­de Dame der Neo­na­zis, Holo­caust­leug­ne­rIn­nen und Geschichts­re­vi­sio­nis­tIn­nen. Angeb­lich war sie vom Ver­le­ger und Ver­an­stal­ter Diet­mar Munier selbst schrift­lich ein­ge­la­den wor­den. Das berich­tet jeden­falls „Die Rech­te – Ver­den“ auf ihrem Face­book-Account. „Die Rech­te“, das ist eine Par­tei rechts von der NPD, die ihr zu lasch ist. „Die Rech­te – Ver­den“ (und ein wei­te­res Neo­na­zi-Blatt) lösch­ten ihre Mel­dung jedoch wieder:

Wäh­rend im Haupt­saal das bekann­te Lied „Die Gedan­ken sind frei” gesun­gen wur­de, hat der Ver­le­ger und Ver­an­stal­ter Diet­mar MUNIER, die euro­pa­weit bekann­te 86jährige Dis­si­den­tin und Kämp­fe­rin Ursu­la HAVERBECK hin­aus­wer­fen wol­len. Eine Begrün­dung erfolg­te zunächst nicht.
Frau Haver­beck ist ursprüng­lich einer schrift­li­chen Ein­la­dung von Herrn Munier gefolgt, wes­we­gen es zu gro­ßem Unver­ständ­nis bei der Wit­we, des ehe­ma­li­gen Waf­fen-SS Ange­hö­ri­gen und ehem. Reichst­abs­mit­glied der NSDAP unter Rudolf Heß, Prof. Dr. Wer­ner Georg Haver­beck kam.
Dank der Beglei­tung von Kame­ra­den unse­rer Par­tei konn­te schlim­me­res ver­hin­dert werden.
Unzäh­li­ge der über 400 ange­reis­ten Teil­neh­mer zeig­ten sich soli­da­risch mit der groß­ar­ti­gen Dame und wür­dig­ten ihren unge­bro­che­nen Ein­satz für Deutsch­land und lie­ßen es schlu­ßend­lich zu einem Eklat kommen.
Nach einer regen Dis­kus­si­on mit allen Betei­lig­ten, beschloß die Dis­si­den­tin dem Trei­ben von Herrn Munier nicht wei­ter bei­woh­nen zu wol­len und ver­ließ mit eini­gen bis­he­ri­gen Teil­neh­mern das 4 Ster­ne Hotel am See.
Wer unse­re Vete­ra­nen nicht mit Wür­de und Anstand behan­delt, hat in unse­rer Bewe­gung nichts zu suchen!

Jetzt hät­ten wir natür­lich ger­ne erfah­ren, was die Zeit­schrift „Zuerst!“ zu dem hier beschrie­be­nen Eklat sagt oder auch Bar­ba­ra Rosen­kranz, von der wir zudem ger­ne gewusst hät­ten, ob auch sie „dem Trei­ben von Herrn Munier“ nicht län­ger zuse­hen woll­te bzw. wel­che Ein­drü­cke sie von dem „Leser­tref­fen“ mit­ge­nom­men hat. Aber weder auf der FB-Sei­te von „Zuerst!“ noch auf der von Bar­ba­ra Rosen­kranz fin­det sich ein Hin­weis – auf bei­den Sei­ten kommt das „Leser­tref­fen“ nicht ein­mal vor.

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