John Hoewer, in Deutschland seit Jahren im Milieu der extremen Rechten verankert, ist als Dissertant an der JKU Linz angenommen worden. Der Mann, dem in Rheinland-Pfalz wegen fehlender Verfassungstreue der juristische Vorbereitungsdienst verweigert wurde, bekommt nun in Oberösterreich laut „Oberösterreichische Nachrichten“ (9.2.26) den Weg zum Doktorat geöffnet. Sein Dissertationsvater: Andreas Hauer, korporiert beim pflichtschlagenden Corps Allemannia Linz zu Wien.
Wo Hoewer ideologisch zu verorten ist, kann im freiheitlichen Attersee-Report (Juni 2018) nachgelesen werden – just in jener Ausgabe, in der auch ein Interview mit Hauer abgedruckt wurde. Dort traf völkische Paranoia auf einen Mann, der unter erheblicher Kritik von der damaligen ÖVP-FPÖ-Regierung in den Verfassungsgerichtshof gehievt wurde. In Hoewers Text wurde ein klassisches Untergangsszenario der extremen Rechten ausgebreitet: „Überfremdung“, „Bevölkerungsaustausch“, kulturelle Abwehrfantasien gegen Schwarze und Muslim:innen.
2023 trat Hoewer beim rechtsextremen „Vienna Calling“ in Wien auf, um dort seinen „Roman“ zu präsentieren. Hoewers Affinität zur neofaschistischen „CasaPound“ wurde nicht nur durch seine einschlägigen Italien-Besuche und wohlmeinenden „CasaPound“-Artikel offenkundig, sondern auch durch die Wahl des „Roman“-Covers: Dort ist der als faschistischer Propagandabau 1940 eingeweihte „Palazzo della Civiltà Italiana“ in Rom zu sehen.
Laut SWR wurde Hoewer auch beim Kampfsporttraining mit Neonazis der früheren NPD fotografiert. Nach Stationen als Referent in der 2016 gewählten Landtagsfraktion der AfD in Sachsen-Anhalt und bei dem damaligen Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann war er zum Parlamentarier Sebastian Münzenmaier weitergezogen, seit 2023 stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag. (t‑online.de, 7.11.25)
Koblenz: Gerichtliche Ohrfeige mit Ansage
Der Beschluss des Verwaltungsgerichts Koblenz, Hoewer das Rechtsreferendariat zu verweigern, ist in der Begründung klar und bezieht sich auch auf Passagen aus seinem „Roman“: Der Staat muss keine Bewerber in den Vorbereitungsdienst übernehmen, die nicht die Gewähr bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten. Gerade weil Referendar:innen später richterliche, staatsanwaltschaftliche und sonst hoheitliche Aufgaben übernehmen, ist Verfassungstreue Zugangsvoraussetzung.
Das Gericht führte in seiner Entscheidung Hoewers Publikationen und Einbindungen in rechtsextreme Strukturen als Begründung an. Genannt werden u.a. seine Verbindungen zu „Ein Prozent“ und zur „Jungen Alternative“ sowie Publikationen im neurechten Spektrum. Besonders schwer wiegt die gerichtliche Würdigung von Hoewers „Roman“, in dem Schwarze wiederholt entmenschlichend dargestellt werden.
Zudem wird ausgeführt, ein „Affenjunge“ oder „Schimpanse“ solle keine deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Insbesondere schwarze Menschen werden durchgehend als „Neger“, „Erdnussköpfe […] oder Erdnuss-Louies“ oder mit Affenvergleichen pauschal herabgewürdigt. (…) Diese Aussagen sprechen für sich. Sie verdeutlichen, dass der Antragsteller ein mit Art. 1 Abs. 1 GG unvereinbares Menschenbild vertritt, welches er durch die Verwendung menschenverachtender Bezeichnungen zum Ausdruck bringt. Dies steht in eklatantem Widerspruch zu den an die Verfassungstreuepflicht für die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst zu stellenden Mindestanforderungen. (Beschluss Verwaltungsgericht Koblenz, S. 7)
Dass Hoewer in Sachsen im Eilverfahren mit Verweis auf nicht vorhandene strafrechtliche Verurteilungen dennoch Zugang zum Referendariat bekam, vermag den Koblenzer Befund nicht zu relativieren.
Die Chatprotokolle: Hitler und „Saufen, ficken, Deutschland“
In den von „Sachsen-Anhalt Rechtsaußen“ (7.6.20) und der „taz“ (6.6.20) geleakten Chats aus dem Umfeld der Leipziger Burschenschaft Germania soll Hoewer (selbst Mitglied der der „Kölner Burschenschaft Germania“, der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ und der „Magdeburger Burschenschaft Germania“) unter dem Pseudonym „Fritz Oberland“ geführt worden sein. Dort seien Formeln wie „hitler – hitler – hitler“, „Saufen, ficken, Deutschland“ und Memes wie „Unser Gruß ist Heil Hitler“ ausgetauscht worden.
Im März 2017 sind Michael Schuster und Fraktionskollege John Hoewer (damals Referent im Innenausschuss) bei der Polizei in Sachsen-Anhalt zum „Schießen mit anschließendem Imbiss” eingeladen. Warum: unklar. Im Privatchat schicken sie sich Bilder wie dieses: pic.twitter.com/AOEaOT5Utz
— LSA-rechtsaussen @[email protected] (@LSArechtsaussen) June 8, 2020
Verfassungsrichter trifft auf Verfassungsuntreue
In Österreich führt der Weg ins Doktorat über die Zusage des Betreuers. „‚Große Bedeutung‘ komme dem Betreuer (…) eines potenziellen Dissertanten zu, der eine ‚provisorische Betreuungszusage‘ nur dann geben dürfe, wenn er den Doktoranden auch ‚für geeignet erachtet‘“, zitieren die OÖN den JKU-Vizerektor Andreas Jank.
Hoewers Dissertationsvater ist Professor für Öffentliches Recht an der JKU und gilt als FPÖ-nah. Dass Hauer korporiert ist und Hoewer aus einem burschenschaftlich-neurechten-AfD-Kosmos stammt, weist wohl auf ideologische Schnittpunkte zwischen Dissertant und Betreuer hin. Dass ein Mitglied des österreichischen Verfassungsgerichtshofs mit Hoewer einem Dissertanten, dem ein deutsches Gericht die Verfassungstreue abspricht, quasi akademisches Asyl gewährt, irritiert. Und das ist sehr milde ausgedrückt!
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