„Mit ‚SS88‘ ‑Zeichen und Ku-Klux-Klan-Montur am Maskenball: Das ist nicht Fasching, das ist Rassismus“, war der Titel des Leitartikels der „SN“ vom 3.2.26, für den sogar die Chefredakteurin in die Tasten gegriffen hatte: „In Salzburg wurden öffentlich sichtbar Grenzen verschoben, die in Österreich nicht zu verschieben sind.“
Das sahen fast alle Salzburger Parteien auch so, nur die FPÖ in Person der stellvertretenden Landeshauptfrau Marlene Svazek fühlte sich neben einer Verurteilung des Auftrittes als „geschmacklos“ zu der Anmerkung bemüßigt: „Extremismus stellt von allen Seiten eine Gefahr dar.“ (SN, 4.2.26). Frau Svazek, die Aufklärung über solche Symbole einforderte, wird hiermit darüber aufgeklärt, dass das Zeichen, das sie 2021 lachend ausgerechnet neben einem rechtsextremen Jugendfunktionär gezeigt hat, das rassistische „White Power“-Zeichen darstellt. Die damals nachgeschobene Rechtfertigung eines FPÖ-Pressesprechers, wonach es sich um das „OK“-Zeichen gehandelt habe, ist ungefähr so überzeugend wie diejenigen Poster auf der Facebook-Seite der „SN“ es sind, die in den KKK-Kostümen die spanischen Nazarenos erkennen wollten.
Dabei war die Sache mit den Ku Klux-Klan-Verkleidungen am Ball selbst klar. Nina G., die die zwölf- bis fünfzehnköpfige Gruppe zur Rede gestellt hat, wird in den „SN“ (3.2.26) so zitiert:
„Ich habe sie gefragt, ob das ihr Ernst ist.“ Die Mitglieder der verkleideten Gruppe bejahten das. Man habe sich bewusst für diese Verkleidung entschieden. „Sie sagten uns, sie hätten gegoogelt und wüssten genau, wie weit sie gehen dürften.“
Die KKK-Gruppe wurde des Saales verwiesen. Wenig später tauchten mehrere junge Männer in orangen Gefangenenkostümen auf, davon einige mit dem Aufkleber „SS88“. Als auch sie vor der Ausweisung standen, rissen sie sich die Klebebänder herunter. Für den Pfarrwerfener Bürgermeister (ein Teil der Ortschaft Pöham gehört zu Pfarrwerfen) war das der Zeitpunkt, den Ball zu verlassen: „Ich hatte keine Lust, mit solchen Personen möglicherweise auf Fotos zu sehen zu sein.“ (SN, 3.2.26)
So musste er sich auch nicht mehr mit jener Person auseinandersetzen, die zum Ballausklang noch den Hitlergruß zeigte: „Ein junger Mann, der weder bei den Kuttenträgern noch bei dem Gefangenentrupp dabei war.“ (SN, 3.2.26)
Pöham, wo der traditionelle Maskenball beim Dichtlwirt stattfand, ist eine kleine Ortschaft, aufgeteilt zwischen den Gemeinden Pfarrwerfen und Bischofshofen. Man kennt einander und daher auch diese Gruppen, die in KKK-Kostümen und als Gefangene aufmarschiert sind. Die meisten von ihnen stammen aus Hüttau, wo sich in den vergangenen Jahren ein größerer Freundeskreis radikalisiert habe, erzählt ein Bischofshofener den „SN“ (4.2.26): „Sie sind in der Coronazeit in die Schwurblerszene geraten und später mit rechtsradikalen Foren im Internet in Kontakt gekommen.“
Die Bürgermeister der drei Pongauer Gemeinden Pfarrwerfen (ÖVP), Hüttau (ÖVP) und Bischofshofen (SPÖ) haben sich mittlerweile drauf verständigt, auch auf die rechtsextrem Kostümierten zuzugehen und zu einem moderierten Gespräch einzuladen: „Ob sie auf uns zugehen, wird sich weisen.“ (SN, 6.2.26) Der Plan des „Zugehens“ dürfte weitgehend gescheitert sein.
Teilnehmer sprechen von rund 50 Personen, die sich im Probelokal zur Aussprache eingefunden hätten. Die beim Faschingsball verkleideten Personen seien nur zum Teil anwesend gewesen, heißt es. Eine Diskussion über Ursache und Beweggründe für die Vorfälle sei aber nicht geführt worden, berichten Anwesende der Aussprache den SN. Auch die Frage, warum man als rechtsradikale Gruppierung auftrete, sei nicht beantwortet worden. Ziel der Aussprache sei primär eine Beruhigung der Situation gewesen, wie beschrieben wird. Zudem sei jenen Frauen gedankt worden, die sich noch am Faschingsballabend klar gegen jegliche Form von Rechtsextremismus ausgesprochen hätten. (sn.at, 12.2.26)
Die beiden jungen Frauen, die am Ball sehr entschlossen und klar die Auseinandersetzung führten, haben viel Zuspruch bekommen, aber auch einige böse und abwertende Kommentare. Die Kostümierten und der Hitlergrüßer wurden angezeigt.
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