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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Braune Ballszenen im Pongau

Es soll­te nur ein lus­ti­ger Mas­ken­ball wer­den am 31. Jän­ner beim Dicht­l­wirt im Pon­gau­er Pöham. So wie in den Jah­ren zuvor. Dies­mal aber mar­schier­ten Men­schen in KKK-Kos­tü­men auf. Danach noch wel­che in oran­gen Gefan­ge­nen­kos­tü­men mit dem Auf­kle­ber „SS88“. Schließ­lich zeig­te spä­ter noch einer den Hit­ler­gruß. Zwei jun­ge Frau­en aber wie­sen den Klan-Mas­kier­ten den Weg nach drau­ßen – und die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“ setz­ten mit einem beherz­ten Leit­ar­ti­kel nach.

14. Feb. 2026
Maskenball Pöham (Pongau) 2026
Maskenball Pöham (Pongau) 2026

„Mit ‚SS88‘ ‑Zei­chen und Ku-Klux-Klan-Mon­tur am Mas­ken­ball: Das ist nicht Fasching, das ist Ras­sis­mus“, war der Titel des Leit­ar­ti­kels der „SN“ vom 3.2.26, für den sogar die Chef­re­dak­teu­rin in die Tas­ten gegrif­fen hat­te: „In Salz­burg wur­den öffent­lich sicht­bar Gren­zen ver­scho­ben, die in Öster­reich nicht zu ver­schie­ben sind.“

Das sahen fast alle Salz­bur­ger Par­tei­en auch so, nur die FPÖ in Per­son der stell­ver­tre­ten­den Lan­des­haupt­frau Mar­le­ne Sva­zek fühl­te sich neben einer Ver­ur­tei­lung des Auf­trit­tes als „geschmack­los“ zu der Anmer­kung bemü­ßigt: „Extre­mis­mus stellt von allen Sei­ten eine Gefahr dar.“ (SN, 4.2.26). Frau Sva­zek, die Auf­klä­rung über sol­che Sym­bo­le ein­for­der­te, wird hier­mit dar­über auf­ge­klärt, dass das Zei­chen, das sie 2021 lachend aus­ge­rech­net neben einem rechts­extre­men Jugend­funk­tio­när gezeigt hat, das ras­sis­ti­sche „White Power“-Zeichen dar­stellt. Die damals nach­ge­scho­be­ne Recht­fer­ti­gung eines FPÖ-Pres­se­spre­chers, wonach es sich um das „OK“-Zeichen gehan­delt habe, ist unge­fähr so über­zeu­gend wie die­je­ni­gen Pos­ter auf der Face­book-Sei­te der „SN“ es sind, die in den KKK-Kos­tü­men die spa­ni­schen Naza­renos erken­nen wollten.

Dabei war die Sache mit den Ku Klux-Klan-Ver­klei­dun­gen am Ball selbst klar. Nina G., die die zwölf- bis fünf­zehn­köp­fi­ge Grup­pe zur Rede gestellt hat, wird in den „SN“ (3.2.26) so zitiert:

„Ich habe sie gefragt, ob das ihr Ernst ist.“ Die Mit­glie­der der ver­klei­de­ten Grup­pe bejah­ten das. Man habe sich bewusst für die­se Ver­klei­dung ent­schie­den. „Sie sag­ten uns, sie hät­ten gegoo­gelt und wüss­ten genau, wie weit sie gehen dürften.“

Die KKK-Grup­pe wur­de des Saa­les ver­wie­sen. Wenig spä­ter tauch­ten meh­re­re jun­ge Män­ner in oran­gen Gefan­ge­nen­kos­tü­men auf, davon eini­ge mit dem Auf­kle­ber „SS88“. Als auch sie vor der Aus­wei­sung stan­den, ris­sen sie sich die Kle­be­bän­der her­un­ter. Für den Pfarr­wer­fe­ner Bür­ger­meis­ter (ein Teil der Ort­schaft Pöham gehört zu Pfarr­wer­fen) war das der Zeit­punkt, den Ball zu ver­las­sen: „Ich hat­te kei­ne Lust, mit sol­chen Per­so­nen mög­li­cher­wei­se auf Fotos zu sehen zu sein.“ (SN, 3.2.26)

So muss­te er sich auch nicht mehr mit jener Per­son aus­ein­an­der­set­zen, die zum Ball­aus­klang noch den Hit­ler­gruß zeig­te: „Ein jun­ger Mann, der weder bei den Kut­ten­trä­gern noch bei dem Gefan­ge­nen­trupp dabei war.“ (SN, 3.2.26)

Pöham, wo der tra­di­tio­nel­le Mas­ken­ball beim Dicht­l­wirt statt­fand, ist eine klei­ne Ort­schaft, auf­ge­teilt zwi­schen den Gemein­den Pfarr­wer­fen und Bischofs­ho­fen. Man kennt ein­an­der und daher auch die­se Grup­pen, die in KKK-Kos­tü­men und als Gefan­ge­ne auf­mar­schiert sind. Die meis­ten von ihnen stam­men aus Hüt­tau, wo sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein grö­ße­rer Freun­des­kreis radi­ka­li­siert habe, erzählt ein Bischofs­ho­fe­ner den „SN“ (4.2.26): „Sie sind in der Coro­na­zeit in die Schwurb­ler­sze­ne gera­ten und spä­ter mit rechts­ra­di­ka­len Foren im Inter­net in Kon­takt gekom­men.“

Die Bür­ger­meis­ter der drei Pon­gau­er Gemein­den Pfarr­wer­fen (ÖVP), Hüt­tau (ÖVP) und Bischofs­ho­fen (SPÖ) haben sich mitt­ler­wei­le drauf ver­stän­digt, auch auf die rechts­extrem Kos­tü­mier­ten zuzu­ge­hen und zu einem mode­rier­ten Gespräch ein­zu­la­den: „Ob sie auf uns zuge­hen, wird sich wei­sen.“ (SN, 6.2.26) Der Plan des „Zuge­hens“ dürf­te weit­ge­hend geschei­tert sein.

Teil­neh­mer spre­chen von rund 50 Per­so­nen, die sich im Pro­be­lo­kal zur Aus­spra­che ein­ge­fun­den hät­ten. Die beim Faschings­ball ver­klei­de­ten Per­so­nen sei­en nur zum Teil anwe­send gewe­sen, heißt es. Eine Dis­kus­si­on über Ursa­che und Beweg­grün­de für die Vor­fäl­le sei aber nicht geführt wor­den, berich­ten Anwe­sen­de der Aus­spra­che den SN. Auch die Fra­ge, war­um man als rechts­ra­di­ka­le Grup­pie­rung auf­tre­te, sei nicht beant­wor­tet wor­den. Ziel der Aus­spra­che sei pri­mär eine Beru­hi­gung der Situa­ti­on gewe­sen, wie beschrie­ben wird. Zudem sei jenen Frau­en gedankt wor­den, die sich noch am Faschings­ball­abend klar gegen jeg­li­che Form von Rechts­extre­mis­mus aus­ge­spro­chen hät­ten. (sn.at, 12.2.26)

Die bei­den jun­gen Frau­en, die am Ball sehr ent­schlos­sen und klar die Aus­ein­an­der­set­zung führ­ten, haben viel Zuspruch bekom­men, aber auch eini­ge böse und abwer­ten­de Kom­men­ta­re. Die Kos­tü­mier­ten und der Hit­ler­grü­ßer wur­den angezeigt.

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