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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Donald Trump und seine rechtsextreme Einflüsterin Laura Loomer

Man stel­le sich vor: Gott­fried Küs­sel oder Mar­tin Sell­ner über­ge­ben dem öster­rei­chi­schen Innen­mi­nis­ter eine Lis­te mit Emp­feh­lun­gen für Ent­las­sun­gen. Dar­auf fän­den sich der Chef der DSN und wei­te­re hoch­ran­gi­ge Geheimdienstmitarbeiter*innen. Absurd? Stimmt, aber in den USA Rea­li­tät. Die rechts­extre­me Influen­ce­rin Lau­ra Loo­mer hat Prä­si­dent Trump eine der­ar­ti­ge Lis­te über­ge­ben, und der hat dar­auf­hin den NSA-Chef gefeuert.

14. Apr. 2025
Steve Bannon gratuliert Laura Loomer nach ihrem Treffen mit Donald Trump: "CONGRATS: After meeting with @LauraLoomer, President Trump fired 6, SIX, Mike Waltz staf" (Screenshot X 6.4.25)
Steve Bannon gratuliert Laura Loomer nach ihrem Treffen mit Donald Trump: "CONGRATS: After meeting with @LauraLoomer, President Trump fired 6, SIX, Mike Waltz staf" (Screenshot X 6.4.25)

Am 3. April hat US-Prä­si­dent Trump den Direk­tor des Geheim­diens­tes NSA, Timo­thy Haugh, ohne Anga­be von Grün­den ent­las­sen. Wei­te­re lei­ten­de Geheim­dienst­ler der NSA und des Rates für Natio­na­le Sicher­heit (NSC) wur­den eben­so gefeu­ert. Am Vor­tag hat­te eine Bespre­chung des Prä­si­den­ten mit der rechts­extre­men Influen­ce­rin Lau­ra Loo­mer statt­ge­fun­den, bei dem die­se die Lis­te mit den Namen von Per­so­nen über­ge­ben hat, die ihrer Mei­nung nach dem Prä­si­den­ten gegen­über illoy­al sei­en. Loo­mer bestä­tig­te das Tref­fen mit den Wor­ten: „Es war eine gro­ße Ehre, Prä­si­dent Trump zu tref­fen und ihm die Ergeb­nis­se mei­ner Recher­chen zu unter­brei­ten.“ (nzz.ch, 4.4.25)

Trump, auf das Tref­fen ange­spro­chen, bezeich­ne­te Loo­mer als gro­ße Patrio­tin und sag­te: „Sie gibt Emp­feh­lun­gen ab, und manch­mal höre ich auf die­se Emp­feh­lun­gen.“ (nzz.ch) Wäh­rend Trump an ande­rer Stel­le einen Ein­fluss von Loo­mer auf die Ent­las­sun­gen wie­der bestritt, gra­tu­lier­te ihr dazu der Rechts­extre­mist Ste­ve Ban­non Loo­mer selbst kün­dig­te wei­te­re Ver­öf­fent­li­chun­gen von Mit­ar­bei­tern von Geheim­diens­ten an, die ihrer Ansicht nach illoy­al zu Trump sind.

Wer ist Laura Loomer?

Die „New York Times“ hat schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der über Loo­mers Akti­vi­tä­ten berich­tet und wirft ihr „zahl­rei­che ras­sis­ti­sche, sexis­ti­sche, homo­pho­be und islam­feind­li­che Äuße­run­gen“ (nytimes.com, 13.9.24; Über­set­zung SdR) vor. Sie selbst (31) hat sich als „pro-wei­ße Natio­na­lis­tin“ und „stol­ze Isla­mo­pho­be“ bezeich­net. 2015, in ihrem letz­ten Stu­di­en­jahr an einer katho­li­schen Pri­vat­uni­ver­si­tät in Flo­ri­da, nahm sie mit einer ver­steck­ten Video­ka­me­ra Gesprä­che mit Beam­ten der Uni­ver­si­tät auf, in denen sie vor­geb­lich dar­über sprach, eine Grup­pe an der Uni­ver­si­tät grün­den zu wol­len, die den Isla­mi­schen Staat in Syri­en und dem Irak unter­stüt­zen wolle.

Die Uni­ver­si­täts­mit­ar­bei­ter hät­ten auf die IS-Unter­stüt­zer­grup­pe durch­aus posi­tiv reagiert, behaup­te­te James O’Keefe, der Grün­der von „Pro­ject Veri­tas“, der dann das Video­ma­te­ri­al ver­öf­fent­lich­te. Die Uni­ver­si­tät reagier­te hef­tig, sus­pen­dier­te Loo­mer und erklär­te, dass in den von ihr ein­ge­reich­ten Pro­jekt­un­ter­la­gen nir­gend­wo der IS erwähnt, son­dern eine Unter­stüt­zung von Stu­den­ten im Nahen Osten vor­ge­täuscht wor­den sei. Weder wur­de die Uni­ver­si­tät von „Pro­ject Veri­tas“, Loo­mer oder O’Keefe zu den Vor­wür­fen befragt, noch wur­den die Uni­ver­si­täts­mit­ar­bei­ter dar­über infor­miert, dass sie mit ver­steck­ter Kame­ra gefilmt wurden.

„Project Veritas“

Ihre Arbeit für „Pro­ject Veri­tas“ war der Ein­stieg in eine Art von „jour­na­lis­ti­scher“ Arbeit, bei der unter ande­rem durch Lock­me­tho­den und Vor­täu­schen fal­scher Anga­ben Ent­hül­lun­gen über lin­ke bzw. libe­ra­le Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen pro­du­ziert werden.

Eine der bezeich­nen­den Aktio­nen für die Arbeits­wei­se des extrem rech­ten „Pro­ject Veri­tas“ und von O’Keefe ist eine Akti­on, die von Wiki­pe­dia mit „Auf­tre­ten als vor­geb­li­ches Ver­ge­wal­ti­gungs-Opfer“ beti­telt ist:

Der Washing­ton Post gegen­über behaup­te­te die Pro­ject-Veri­tas-Akti­vis­tin Jai­me Phil­ips im Novem­ber 2017, als Jugend­li­che vom repu­bli­ka­ni­schen Senats­kan­di­da­ten Roy Moo­re geschwän­gert wor­den zu sein und das Kind abge­trie­ben zu haben. Moo­re wur­de zu dem Zeit­punkt von zwei Frau­en vor­ge­wor­fen, gegen sie sexu­ell über­grif­fig gewor­den zu sein. Phil­ips war als Lock­vo­gel dar­auf ange­setzt wor­den, Falsch­in­for­ma­tio­nen zu ver­brei­ten, um die betrof­fe­nen Medi­en anschlie­ßend als Lügen­pres­se vor­zu­füh­ren. Die Washing­ton Post zeig­te auf, dass sie Dut­zen­de Jour­na­lis­ten über Poli­tik aus­ge­horcht und Gesprä­che heim­lich mit­ge­schnit­ten hat­te. Pro­ject Veri­tas ver­öf­fent­lich­te die ent­spre­chen­den Vide­os, „wohl als Rache­ak­ti­on auf die Post-Ent­hül­lun­gen“, wie die Süd­deut­sche schrieb.

Donald Trump hat­te schon vor sei­ner ers­ten Amts­zeit als Prä­si­dent Gefal­len an die­ser Art von „Ent­hül­lun­gen“ gefun­den und wie die Mil­li­ar­dä­re Thiel, Koch und Mer­cer das „Pro­ject Veri­tas“ finan­zi­ell unter­stützt. 2021 wur­de der Twit­ter-Account von „Pro­ject Veri­tas“ „dau­er­haft“ sus­pen­diert, im Novem­ber 2022 aber von Elon Musk wiederhergestellt.

O’Keefe wur­de im Febru­ar 2023 aus sei­ner Füh­rungs­funk­ti­on wegen finan­zi­el­ler und ande­rer Miss­stän­de ent­fernt, im Sep­tem­ber 2023 stell­te die Orga­ni­sa­ti­on ihre Ope­ra­tio­nen ein, im Dezem­ber 2023 trat die frisch gewähl­te Vor­stands­vor­sit­zen­de von ihrer Funk­ti­on zurück, nach­dem sie „star­ke Bewei­se“ für ille­ga­le Aktio­nen und finan­zi­el­le Unre­gel­mä­ßig­kei­ten ent­deckt und den Straf­be­hör­den ange­zeigt hatte.

Lau­ra Loo­mer war schon viel frü­her aus dem „Pro­ject Veri­tas“ aus­ge­schie­den, aber nicht, weil sie sich von des­sen Metho­den wirk­lich distan­ziert hät­te. Sie arbei­te­te danach für den Gel­ler-Report, Rebel News und Info­wars von Alex Jones alles rechts­extre­me Medi­en­por­ta­le, voll von Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen und Fake-News. Mitt­ler­wei­le betreibt Loo­mer ihre eige­ne Web­site „loo­me­red“. Ihre Metho­de ist das Über­rum­peln von Men­schen mit uner­war­te­ten, oft pein­li­chen Fra­gen (nytimes.com, 13.9.24) und nennt das „loo­me­red“. Das sei dann ver­meint­lich die unge­fil­ter­te „Wahr­heit“. Im Wahl­kampf 2024 war sie des­halb auch eine der ers­ten und eif­rigs­ten Stim­men zur Ver­brei­tung der Lügen­ge­schich­te über Spring­field (Ohio), des­sen migran­ti­sche Bewohner*innen Kat­zen und Hun­de ver­zeh­ren wür­den. Donald Trump und J.D. Van­ce waren auch damals schon sehr erfreut über die­se Form der Unterstützung.

➡️ Lau­ra Loo­mer: Wiki­pe­dia
➡️ Guar­di­an (29.11.17): Pro­ject Veri­tas: how fake news pri­ze went to right­wing group bel­oved by Trump

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