Die Sternsinger und der schwarze Bürgermeister

Aus dem Morgenland kamen sie in der Bibel – Weise, Magier oder Sterndeuter – und brachten dem Kind in Bethlehem Weihrauch, Myrrhe und Gold. Später wurden aus der unbestimmten Zahl von Weisen oder Sterndeutern drei Könige, die den damals bekannten Erdteilen zugeordnet wurden. Die Kontinente spielten so wie die Hautfarbe in der biblischen Erzählung keine Rolle. Für manche Rechte ist die Hautfarbe aber das Allerwichtigste. Auch ein ÖVP-Bürgermeister will nicht spenden, wenn kein Schwarzer dabei ist.

Wir begeben uns auf Spurensuche zu den „Heiligen Drei Königen“. Nicht in geschichtlichen Quellen (die gibt es nämlich nicht zu diesem Ereignis), sondern in der Bibel. So sehr wir das Matthäus-Evangelium aber auch durchforsten und in den verschiedenen Übersetzungen vergleichen: Von Königen, von drei oder gar von einem Schwarzen ist da nirgendwo die Rede. Nur von Sterndeutern oder Weisen aus dem Morgenland. Das Morgenland“ liegt aber bekanntlich nicht auf dem afrikanischen Kontinent.

Auch die großen Maler, die sich und uns später eine bildliche Vorstellung von den Ereignissen damals geben wollten, hatten keine Schwarzen im Auge. Giotto nicht, Leonardo da Vinci malte überhaupt gleich monochrom und Botticelli gar die Medicis als die Heiligen Drei. Ein schwarzer König wurde erstmals Anfang des 14. Jahrhunderts gesichtet bzw. gemalt.

Anbetung der Könige; Fresko in der Scrovegni-Kapelle von Giotto di Bondone (um 1303) – Ausschnitt

Anbetung der Könige; Fresko in der Scrovegni-Kapelle von Giotto di Bondone (um 1303) – Ausschnitt (Quelle: Wikipedia)

Das Stern- oder Dreikönigssingen ist – verglichen mit der biblischen Vorlage – überhaupt eine viel jüngere Angelegenheit, die im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa entstanden sein dürfte. Arme Kinder durften sich da ein Zubrot erbetteln. Erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben katholische Organisationen damit begonnen, rund um den Dreikönigstag Spenden für Kinderhilfsprojekte in aller Welt zu sammeln.

Mittlerweile hat die Debatte um Blackfacing auch die Sternsinger erreicht. Seit einigen Jahren schon gibt es in Österreich Sternsingergruppen, die auf einen schwarz geschminkten König verzichten. Als 2017 der damalige Präsidentschaftskandidat der FPÖ, Norbert Hofer, ein Foto zur Sternsingeraktion veröffentlichte, das drei weiße weibliche Jugendliche zeigte, die als Sterndeuter, Weise oder Könige firmierten, bekamen etliche seiner blauen Fans Schnappatmung:

Wolfgang R.: „es ist ein Wahnsinn nun ist der Mohr, der Vertreter Afrikas auch nicht mehr dabei, wieder ein Kniefall vor den ungebetenen Zuwanderern (…) es ist zum kotzen(sic!)“ Hildegard M.: „Wo ist der Moor es werden unsere Bräuche abgeschaft zu gunsten unserer Ausländer traurig ist das und wir lassen uns das alles gefallen“ Alexandra M.: Was soll das der Mohr gehört dazu! Wir Österreicher lassen uns alles vorschreiben ! Bei mir dürfen die Sternsinger nur rein wenn ein Mohr dabei ist ! Wieso geben wir unsere Kultur auf ? Tun das andere für uns?“ Ein „Adolf“ erklärt, dass die von ihm kein Geld kriegen würden: Er „hätte diese Bande hinausgeworfen“.

Wolfgang R. und Hildegard M. bei Norbert Hofer "...es ist zum kotzen" "Wo ist der Moor"

Wolfgang R. und Hildegard M. bei Norbert Hofer „…es ist zum kotzen“ „Wo ist der Moor“

Adolf bei Norbert Hofer: "also ich hätte diese Bande rasugeworfen"

Adolf bei Norbert Hofer: „also ich hätte diese Bande rasugeworfen“

Das war 2017. Heuer erklärte die Katholische Jungschar in einer Presseerklärung, dass sie schon vor Jahren gemeinsam mit den Pfarren einen Nachdenkprozess zur Problematik des Blackfacing begonnen habe und diese „rassistische Praxis“ beim Sternsingen ab sofort zu unterlassen sei. Ähnlich, aber doch deutlich zurückhaltender, äußert sich auch der Dachverband Katholische Aktion.

Was 2017 in erster Linie die blauen Fans zu rassistischen Rülpsern veranlasst hat, scheint mittlerweile aber sogar schwarz-türkise Funktionäre infiziert zu haben. So erklärte der Mödlinger Bürgermeister und Nationalratsabgeordnete Hans Stefan Hintner (ÖVP) auf Facebook in einem Post, das nur für seinen Freundeskreis einsehbar war: „Der Caspar war aus Afrika….wenn der nicht dabei ist, keine Spende! Ein weisser Südafrikaner war sicher nicht dabei….

Hans Stefan Hintner: "Der Caspar war aus Afrika..."

Hans Stefan Hintner: „Der Caspar war aus Afrika…“

Für diesen historischen (um diese Zeit gab es keine Weißen im südlichen Afrika!) und rassistischen Unsinn erhielt der Herr Bürgermeister immerhin an die 70 Likes. Und einige dazu passende Kommentare. Sigi B. etwa glaubt zu wissen: „Die linke Diktatur greift in alle Lebensbereiche ein. Unter dem Motto immer politisch korrekt sein und die geschichtliche Wahrheit verleugnen.“ Welche geschichtliche Wahrheit? Die Geschichte schweigt über die Heiligen Drei – und noch mehr über einen Schwarzen unter ihnen.

Karin B. sieht das aber so wie der Bürgermeister, nämlich so: „….es ist eben nicht egal ob der Mohr dabei ist oder nicht….es ist schlichtweg Geschichte seit 2021 Jahren, dass er dabei war. Was will man uns denn noch alles nehmen….?“

Sigi B.: "Die linke Diktatur ... geschichtliche Wahrheit verleugnen"

Sigi B.: „Die linke Diktatur … geschichtliche Wahrheit verleugnen“

Karin B. "Mohr Geschichte seit 2021 Jahren"

Karin B. „Mohr Geschichte seit 2021 Jahren“

Deshalb hat Karin B. – so wie der Bürgermeister – auch die Tür nicht geöffnet, als die Sternsinger vor der Tür standen. Den schwarzen Politiker Hintner dürften aber doch noch geschichtliche Zweifel gepackt haben, denn sein Posting hat er mittlerweile gelöscht.

Evangelium nach Matthäus: Die Huldigung der Sterndeuter

Evangelium nach Matthäus: Die Huldigung der Sterndeuter (Quelle: Jungschar): Keine drei Könige, schon gar kein Schwarzer, nur drei Sterndeuter

Aufruf zu einem antirassistischen Volksbegehren: „Gegen Blackfacing beim Sternsingen“