Die Faktenchecker

In Zeiten von Fake News, Hoaxes, False-Flag-Aktionen und Desinformation wird es immer wichtiger, sich über professionelle Faktenchecker an die Tatsachen heranzutasten. Da hat sich in den letzten Jahren ein regelrechtes Gewerbe etabliert, das natürlich ebenfalls gecheckt werden muss. Soweit wir das überprüfen können, arbeiten die von uns angeführten Faktenchecker sauber, geben ihre Quellen ebenso an wie ihre Finanzierungsstruktur und Kooperationspartner.

Der ORF wollte sich 2017 mit seiner Faktenchecker-Website „Fakt oder Fake“ auf Facebook-Postings, etwa von PolitikerInnen und JournalistInnen, konzentrieren, scheiterte aber schon rasch wieder am ORF-Gesetz, das für das Online-Angebot des ORF zwingend sendungsbegleitende Inhalte vorsieht.

Seit kurzem ist der ORF mit der Sendeleiste Doublecheck auf Ö1, also nur im Radio, mit einem durchaus interessanten, aber schmalem Angebot unterwegs, das die Medien (darunter auch den ORF) einem Check unterzieht. Dazu gibt’s auch einen Podcast. Das deutsche Pendant, allerdings im TV, ist das ausgezeichnete Medienmagazin ZAPP. Empfehlenswert ist etwa der Beitrag zu Medien und Corona-Verschwörungsmythen und der Problemstellung, wie über Verschwörungsmythen (nicht) zu berichten ist: „Es ist für Menschen schwieriger, sich die Verneinung von etwas zu merken. Das heißt, wenn ich jemanden eine Verschwörungserzählung präsentiere und danach sage: Das stimmt nicht, bleibt die Verschwörung stärker haften als die Information, dass es so nicht stimmt.“

Im eigentlichen Kernbereich von Fake-News aller Art und Provenienz ist seit fast 10 Jahren der Verein Mimikama zur Aufklärung über Internetmissbrauch unterwegs, der seinen Sitz in Wien hat, aber faktisch das gesamte deutschsprachige Gebiet betreut. „Mimikama“ versucht so ziemlich alles zu checken. In 62 Beiträgen setzte sich „Mimikama“ beispielsweise mit Fake-News zu Coca-Cola auseinander, in 654 mit Fake News zu Flüchtlingen, 713 beschäftigen sich mit Corona, während Fakemeldungen über die Grünen (Ö, D) in 512 aufscheinen (Stand 9.6.2020).

Mimikama: Fake News zu Grünen

Mimikama: Fake News zu Grünen

Was stört, ist die viele Werbung, mit der auch die Beiträge unterbrochen werden, durch die sich aber Mimikama in erster Linie finanziert. Mimikama betreibt mehrere Websites und Social Media-Accounts – etwa auf Facebook „Zuerst denken –dann klicken oder auch die Hoax-Suche Hoax-Search.

Relativ neu und informativ, aber noch ziemlich lieblos und unübersichtlich gestaltet ist der APA-Faktencheck.

Für Deutschland ist vor allem der Faktenfinder der ARD-Tagesschau erwähnenswert, der sich klar auf Fake News im politischen Bereich konzentriert – übrigens auch mit österreichischen Falschnachrichten. Für die Suche nach älteren Beiträgen oder Stichworten kann man leider nur die tagesschau.de-Suchfunktion benutzen.

Während der ARD-Faktenfinder über die ARD organisiert ist und damit in erster Linie über die Rundfunkbeiträge finanziert wird, kann die Recherche-Plattform „Correctiv“ auf eine ziemlich breite Förderungsstruktur zurückgreifen. Für das relativ umfangreiche Redaktionsteam machen die Faktenchecks (erwähnenswert vor allem jene zu Corona) aber nur einen Teil der Arbeit aus, die etwa auch ausgezeichnete Recherchen zur AfD oder ein eigenes deutsch-türkisches Magazin beinhaltet.

Es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren Faktencheck-Seiten und -Redaktionen, die wir hier nur kurz auflisten:

➡️ Fakten gegen Rechts (D)
➡️ ZDFheuteCheck (D)
➡️ Full Fact (GB)
➡️ BellingCat (GB), ausgezeichnet z.B. diese Recherche zu russischer Desinformationspolitik
➡️ FactCheck (USA)
➡️ PolitiFact (USA)
➡️ Snopes (USA)

PolitiFact zu Trump

PolitiFact zu Trump

Fakten gegen Rechts

Fakten gegen Rechts

P.S.: Wer nicht die Zeit hat, einen umfassenden Faktencheck vorzunehmen oder anderen Hilfestellungen zum Faktencheck geben will, sollte sich oder andere zunächst mit diesen Tipps der Spiegel-Redaktion vertraut machen.