Straches Facebook-Seite: ein vorläufiger Nachruf

Nun hat die FPÖ also Nägel mit Köpfen gemacht und Stra­ches Face­book-Seite still­gelegt, was im Moment nur heißt, dass sie nicht sicht­bar ist. Sie hat­te zwis­chen­zeitlich knapp über 800.000 Fans, zulet­zt etwa 780.000. Das ist natür­lich ein her­ber Ver­lust an Kom­mu­nika­tion­sre­ich­weite für die Blauen, aber nicht in dem Aus­maß, wie es über Jahre hin­weg von Medi­en hochgeschrieben wurde. Stra­che selb­st zeigt sich über diesen Schritt not amused und wirft der Partei den Fehde­hand­schuh hin.

Vorneweg: Betreiber von FB-Accounts kön­nen ihre Seit­en und Pro­file jed­erzeit offline und dann wieder online stellen. Geht Stra­ches Rechtsstre­it mit der FPÖ zu seinen Gun­sten aus – was als unwahrschein­lich gilt –, kön­nte er die Seite the­o­retisch wieder aktivieren. Jedoch, so berichtet der Stan­dard, gibt es dafür eine Hürde: „Face­book bindet hier­bei seine Nutzer jedoch an eine 14-tägige Frist. In der Regel wird eine Seite dann per­ma­nent ent­fer­nt. Für Stra­che ist das freilich ärg­er­lich, da eine juris­tis­che Auseinan­der­set­zung wohl weitaus mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Daher müsste der auf­grund von Kor­rup­tions­fan­tasien aus­geschiedene Poli­tik­er auf eine Aus­nahme durch das Unternehmen hof­fen. Unmöglich ist das nicht: In der Ver­gan­gen­heit hat sich der Konz­ern gegenüber Busi­ness-Accounts ein wenig kulanter ver­hal­ten. Solche wer­den genutzt, um Wer­bung auf dem sozialen Net­zw­erk zu buchen. Das Busi­ness-Kon­to, welch­es für die Stra­che-Seite ver­wen­det wurde, liegt in FPÖ-Hand. Über diesen Account müsste eine geson­derte Kon­tak­tauf­nahme erfol­gen, bei der Face­book von Fall zu Fall entschei­det – ein Schritt, der erst nach einem Rechtsstre­it getätigt wer­den kann.“

Umgekehrt gilt das natür­lich auch für die FPÖ. Das Offline-Schal­ten der Seite hat der­weilen einen dur­chaus prak­tis­chen Neben­ef­fekt: Die Stra­che-Page hat in den let­zten Monat­en Fans ver­loren. Ein­er nicht pub­lizierten Seite kann das Page-Like nicht ent­zo­gen wer­den. Also ver­hin­dert die FPÖ mit diesem Schritt gle­ichzeit­ig ein Weg­driften der Fans.

Für die FPÖ ist die Seite, wenn sie unter Stra­ches Namen läuft, wert­los. Bei Umbe­nen­nun­gen und Zusam­men­le­gun­gen von Seit­en ist Face­book im Laufe der Jahre restrik­tiv­er gewor­den, und das mit gutem Grund. Wir erin­nern uns etwa an das ewige Wahl­jahr 2016, als die mit his­torischen Ansicht­en der Tirol­er Haupt­stadt bespielte Seite „Das alte Inns­bruck“ mit ca. 12.000 Fans plöt­zlich in „Inns­bruck für Nor­bert Hofer“ umbe­nan­nt wurde. Und schon damals ließ FB zumin­d­est nicht die Umbe­nen­nung der URL zu: Wer hin­ter der Seite steckt, ist unklar. Obwohl sie offiziell ‚Inns­bruck für Nor­bert Hofer’ heißt, musste der alte Nutzer­name @DasAlteInnsbruck beibehal­ten wer­den. Laut Face­book-Statuten dürfte die Umbe­nen­nung die Nutzungs­be­din­gun­gen der sozialen Plat­tform ver­let­zen. Denn dort heißt es, dass eine Namen­sän­derung oder Zusam­men­führung mit ein­er zweit­en Seite nicht ‚irreführend’ sein dürfe.“ (derstandard.at, 12.7.16) Eben­falls im Jahr 2016 taufte sich die Seite „Rück­tritt Wern­er Fay­mann“ mit immer­hin fast 53.000 Fans plöt­zlich in „Van der Bellen ver­hin­dern – Rück­tritt Wern­er Fay­mann“ um.

Zurück zur Stra­che-Page: Sie zählte zweifel­los zu den größten Het­zme­di­en in Öster­re­ich, auf der auch gezielt Falschmel­dun­gen ver­bre­it­et wur­den, mit denen Stim­mung erzeugt wurde: gegen „die Aus­län­der“, gegen Geflüchtete, gegen poli­tis­che Mit­be­wer­berIn­nen. Nur eines von vie­len Beispie­len: Im Juli 2016 ver­bre­it­ete Stra­che über den recht­sex­tremen Atten­täter von München, dieser habe „Allahu Akbar“ gerufen, samt der Schlussfol­gerung, es gäbe noch immer „die gefährlichen und unver­ant­wortlichen Beschwich­ti­gungsvertreter“ – das zu einem Zeit­punkt, als die Polizei schon längst klargestellt hat­te, es wären Bezüge zum nor­wegis­chen Atten­täter Anders Breivik her­stell­bar. Das Post­ing blieb ste­hen, ob es die FPÖ oder Stra­che über­haupt jemals gelöscht hat, wis­sen wir nicht – falls ja, sehr, will heißen, zu spät, denn der Hass war ins Rollen gekom­men. Nicht zulet­zt über zahlre­iche Shares und andere Parteiac­counts wie jenen von Har­ald Vilimsky.

Strache am 23. Juli 2016 zum Attentat eines Rechtsextremen in München

Stra­che am 23. Juli 2016 zum Atten­tat eines Recht­sex­tremen in München

Vilimsky am 23. Juli 2016 zum Amoklauf eines Rechtsextremen in München

Vil­im­sky am 23. Juli 2016 zum Amok­lauf eines Recht­sex­tremen in München

Emo­tion­al­isierende Falschmel­dun­gen, die bis Mai 2019 dauernde unselige Allianz mit der Kro­nen Zeitung im Mix mit einem beträchtlichen finanziellen Aufwand für Wer­bung haben für eine rel­e­vante Reich­weite gesorgt. Jedoch auch die all­ge­meine Rezep­tion: Die Medi­en berichteten häu­fig über Skan­dal­post­ings und über die Fanan­zahl, zweit­eres so undif­feren­ziert, dass die Bedeu­tung der Seite hin­aufgeschrieben wurde.

Ein paar Zahlen zum Geraderücken

Bei unser­er let­zten Über­prü­fung im Juni 2018 zur Herkun­ft der Fans von Stra­ches Seite (Face­book stellte Mitte 2018 die Möglichkeit zum „Like-Check“ ein) waren von 775.595 Fans ger­ade ein­mal 451.590 Öster­re­ich zuge­ord­net, 265.690 Deutsch­land, der Rest ent­fiel auf andere Län­der. Stra­che, respek­tive die FPÖ, hat­te für die Seite auch gezielt Wer­bung in Deutsch­land, später dann eben­falls in Ital­ien geschal­tet. Das zeigt zweier­lei: Die erzielte Reich­weite hat­te für Öster­re­ich nicht jene Rel­e­vanz, die ihr auf­grund der Gesamtzahl der Fans zugeschrieben wurde und Stra­ches Seite war in Öster­re­ich am Pla­fonds ange­langt, denn hierzu­lande ließ sich offen­bar kaum noch Wach­s­tum erzeu­gen. In 20 Monat­en – ab Okto­ber 2016 bis Juni 2018 – wuchs Stra­ches Anteil bei öster­re­ichis­chen „Fans“ von 310.552 auf 451.590 an, also um 141.000 Fans. Jene von Deutsch­land steigerten sich im sel­ben Zeitraum um 181.000 Fans, von 84.417 auf 265.690. Auch der Zuwachs inner­halb des let­zten Jahres war beschei­den: Bis zu Stra­ches Rück­tritt im Mai 2019 war ger­ade ein­mal ein Plus von 25.000 Fans zu verze­ich­nen – insgesamt.

Likes Strache FB-Page 23.10.2016: 310.552 aus Österreich, 84.417 aus Deutschland

Likes Stra­che FB-Page 23.10.2016: 310.552 aus Öster­re­ich, 84.417 aus Deutschland

Likes Strache FB-Page 21.6.2018: 451.590 aus Österreich, 265.690 aus Deutschland

Likes Stra­che FB-Page 21.6.2018: 451.590 aus Öster­re­ich, 265.690 aus Deutschland

Mit Stra­ches FB-Seite wur­den auch sein Insta­gram- und Twit­ter-Account offline genom­men. Dazu die Kon­ten sein­er Frau Philip­pa, die offen­bar eben­falls von der Partei bespielt wurden.

Auch Straches Instagram- und Twitteraccount sind nicht mehr online

Auch Stra­ches Insta­gram- und Twit­ter­ac­count sind nicht mehr online

Stra­ches Mel­dun­gen dazu lassen erah­nen, was nun fol­gen kön­nte: Die inner­parteiliche Gemen­ge­lage scheint explo­siv zu sein, die Zurech­nungs­fähigkeit manch­er Akteure eingeschränkt. „Öster­re­ich“ schreibt bere­its das poli­tis­che Come­back von Stra­che mit ein­er eige­nen Liste her­bei. Stra­che selb­st postet auf seinem FB-Pro­fil: „Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Keine Sorge, ich komme nicht nur auf der Face­book-Fan­seite wieder.“ In diesem Stre­it kön­nte jeden­falls noch sehr viel Dreck hochgeschwemmt wer­den, der sich im blauen Fam­i­lien­sumpf ange­sam­melt hat.

Strache auf seinem FB-Profil zur Stilllegung seiner Seite: "Die aktuell gelebte Zensur der FPÖ-Funktionärsspitze ..."

Stra­che auf seinem FB-Pro­fil zur Stil­l­le­gung sein­er Seite: „Die aktuell gelebte Zen­sur der FPÖ-Funktionärsspitze …”