Ein identitärer Chef auf großer Weltreise

Mar­tin Sell­ner ist der Chef der recht­sex­tremen Iden­titären. Keine Debat­te! Aber der Chef hat auch einen Co-Chef: Patrick Lenart. Jeden­falls war das bish­er so. Lenart und Sell­ner betreiben seit 2013 so neben­bei auch den Pha­lanx-Europa-Ver­sand, mit dem sich Geld ver­di­enen lässt. Ein angenehmer Neben­ef­fekt der poli­tis­chen Tätigkeit. Vor allem, wenn er sich auf ein­er Wel­treise genießen lässt. Denn ein­er der ober­sten „Vertei­di­ger Europas“ gondelt seit fast einem Jahr mit Fre­undin in Asien herum.

Im Sep­tem­ber des Vor­jahres hat Lenart, der seit den Anfän­gen der Iden­titären Bewe­gung in Öster­re­ich dabei ist, sie mit Alexan­der Markovics und Mar­tin Sell­ner begrün­det hat, via Face­book angekündigt, dass er sich ab Okto­ber auf Wel­treise begeben würde. Mit dem Ziel, „jeden Kul­tur­raum zu bereisen und in die kul­turelle Vielfalt der Welt einzu­tauchen“. Ein­er, der die kul­turelle Ein­falt predigt, will in die kul­turelle Vielfalt der Welt ein­tauchen? Noch dazu offen­sichtlich auf unbes­timmte Zeit? Lenart ist mit­tler­weile fast zwölf Monate unter­wegs, hat Viet­nam, Laos, Kam­bod­scha, Myan­mar, Nepal, Thai­land, Indi­en, Nepal usw. bereist und ist jet­zt auf Sri Lan­ka gelandet. Da fehlen doch noch etliche andere „Kul­tur­räume“?

Lenart kündigt im September 2018 seine "lange Reise" an, um "jeden Kulturraum zu bereisen und in die kulturelle Vielfalt der Welt einzutauchen".

Lenart kündigt im Sep­tem­ber 2018 seine „lange Reise” an, um „jeden Kul­tur­raum zu bereisen und in die kul­turelle Vielfalt der Welt einzutauchen”.

„Südameri­ka ste­ht defin­i­tiv auf der Liste“, ist sich Lenart zu Beginn sein­er Reise sich­er. Ver­mut­lich wird die Iden­titäre Bewe­gung ihren Co-Chef also noch einige Zeit ent­behren müssen. Das wirft einige Fra­gen auf.

Die nahe­liegend­ste ist wohl die nach dem Geld. Schließlich kosten mehrjährige Wel­treisen mit Fre­undin viel Geld. Selb­st wenn der Co-Vor­sitzende seine Erleb­nisse über Vlogs (Video-Blogs) zu ver­mark­ten ver­sucht, viel Kohle kommt da wohl nicht. Wer also finanziert die Wel­treise? Die braven Sym­pa­thisan­ten der Iden­titären? Nicht alle, die Lenarts Ankündi­gung lesen, brin­gen Ver­ständ­nis für die Wel­treise auf.

Reaktion auf Lenarts Weltreise: "Pack mal mit an und geh arbeiten und Steuern zahlen ..."

Reak­tion auf Lenarts Wel­treise: „Pack mal mit an und geh arbeit­en und Steuern zahlen …”

Reaktion auf Lenarts Weltreise: "Am besten du bleibst gleich dort!"

Reak­tion auf Lenarts Wel­treise: „Am besten du bleib­st gle­ich dort!”

Dann gibt es natür­lich noch die span­nende ide­ol­o­gis­che Frage: Wie kann sich ein „Hopli­tenchef“ in ein­er Phase, wo es in der dümm­lichen Erzäh­lung der Iden­titären darum geht, das Leben und Über­leben des eige­nen „Volkes“ zu vertei­di­gen, auf eine mehrjährige Wel­treise begeben?

Während sein Co-Vor­sitzen­der Sell­ner mit schw­erem Pathos „alle Patri­oten“ aufruft, „ihren Beruf, wenn es sein muss, zu kündi­gen; ihre Beziehung, wenn es sein muss, zu been­den; mit ihrer Fam­i­lie, wenn es sein muss, zu brechen; ihre Prü­fun­gen, ihre Semes­ter, ihre Stu­di­en abzubrechen und sich voll und ganz der Vertei­di­gung Europas zu wid­men“, tin­gelt Lenart mit Fre­undin durch Südostasien und schick­tschöne Bilder und Videos über „her­rliche Aus­blicke“ und „über­wälti­gende Erfahrun­gen“ nach Hause.

Auch wenn Lenart betont, „weit­er­hin“ für seine Heimatak­tiv bleiben undalle Facetten von Aktivis­mus, Kul­tur und Poli­tik behan­deln“ zu wollen – am Ende lei­det die Vertei­di­gungs­bere­itschaft natür­lich unter der Weltreise.

Das medi­ale Organ der Iden­titären, die „Tagesstimme“, meldete Ende Novem­ber des Vor­jahres, dass Patrick Lenart die Leitung des Arbeit­skreis­es Nau­tilus über­nom­men habe. Das ist schon deshalb span­nend, weil Lenart zu diesem Zeit­punkt schon fast zwei Monate mit sein­er Fre­undin Pia in Asien abge­taucht war.

Die identitäre "Tagesstimme" verkündet im Oktober 2018, dass Lenart die "Nautilus-Leitung" übernimmt.

Die iden­titäre „Tagesstimme” verkün­det im Okto­ber 2018, dass Lenart die „Nau­tilus-Leitung” übernimmt.

Der AK Nau­tilus hat­te eigentlich einiges vor:

  • Anfang 2018 wollte der AK das Buch von Hans-Hen­ning Scharsach „Die stille Machter­grei­fung“ unter­suchen – „mit Hochdruck“. Der „Hochdruck“ hat sich in der Folge so ver­flüchtigt, dass nichts mehr von dem Pro­jekt bemerk­bar ist.
  • Das Pro­jekt „Patro­naut“ wollte im Früh­jahr 2019 starten, dampft aber noch immer in der Pipeline vor sich hin.
  • Offen scheint auch das Pro­jekt Bib­lio­thek „Iden­tität und Idee“, jeden­falls gibt die Web­site dazu keine Infos preis.
  • Das Pro­jekt „Recherchen“ düm­pelt eben­falls vor sich hin – die let­zte „Recherche“ stammt aus dem Früh­jahr 2019.

Wenn man kein iden­titäres Brett vor dem Kopf hat, kön­nte man eventuell auf die Idee kom­men, dass die versenk­ten bzw. verzögerten Pro­jek­te des AK Nau­tilus mit der Wel­treise seines Leit­ers zu tun haben. Das wäre natür­lich ein ziem­lich bösar­tiger und irgend­wie nei­dis­ch­er Gedanke, den wir entsch­ieden in Abrede stellen müssen. Denn wir von „Stoppt die Recht­en“ wün­schen uns nicht nur einen, son­dern viele iden­titäre Wel­treisende. Viel Spaß und freut Euch, wenn die Reise so gün­stig finanziert wird von Euren SympathisantInnen!