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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Die seltsamen Wahrheiten von Ruder-Weltmeister Vilimsky

Am 25. Febru­ar 2019 war Harald Vilims­ky, Gene­ral­se­kre­tär und Spit­zen­kan­di­dat der FPÖ bei den Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment, in der ZIB 2 bei Armin Wolf zu Gast. Auf­trit­te des pas­sio­nier­ten Taser-Exper­te und Ruder­sport­lers Vilims­ky sind immer dann ein beson­de­rer Genuss, wenn er auf hart­nä­cki­ge Nach­fra­gen Ant­wor­ten geben soll. Da zeigt sich dann sei­ne Stär­ke: er steht auch nach stärks­ten Atta­cken wie­der auf und rudert und rudert …

27. Feb. 2019

Ein „wah­rer Schau­kampf“ war’s laut blau­em „Wochen­blick“, der eine plum­pe, pro­vo­kan­te und sehr unhöf­li­che Inter­view­füh­rung durch Wolf erkannt haben will. Was ist passiert?

Der Inter­view­er und Mode­ra­tor Armin Wolf stellt eini­ge Fra­gen und erhält auch auf prä­zi­se Nach­fra­gen kei­ne bzw. nur aus­wei­chen­de Ant­wor­ten. So will Wolf von Vilims­ky wis­sen, wie er zu Kick­ls Vor­schlag von einer Prä­ven­tiv­haft steht. Vilims­ky schwärmt von Kickl, von des­sen Vor­schlag – da fragt Wolf nach, ob durch Kick­ls Prä­ven­tiv­haft wohl jener jugend­li­che Asyl­wer­ber, der von der FPÖ zu Unrecht als Ter­ro­rist ver­däch­tigt wur­de, in Haft gekom­men wäre?

Was ant­wor­tet Vilims­ky, der Rudersportler?

„Aber Herr Wolf, wenn da auf der einen Sei­te ein Ver­wechs­lungs­akt statt­ge­fun­den hat, und auf der ande­ren Sei­te sehr sehr vie­le, ja Aggres­si­ons­din­ge doku­men­tiert sind, dann muss man aber die Aggres­si­on hier vor Augen haben, die­se zu bekämp­fen und nicht eine ein­zi­ge Ver­wechs­lung unter hundert.“

Über­setzt aus Vilims­kys Schwur­bel­sprech: Der Jun­ge hat dann eben Pech gehabt! Auch bei den wei­te­ren sehr kon­kre­ten Nach­fra­gen zu Kick­ls Haft­wün­schen flüch­tet sich der Ruder-Welt­meis­ter ins Unbe­stimm­te, ver­weist auf Exper­ten, Spe­zia­lis­ten, denen schon was ein­fal­len wird, will kein Pri­va­tis­si­mum füh­ren usw.

Ähn­lich läuft’s dann auch bei Vilims­kys Aus­sa­gen zur Euro­päi­schen Uni­on. Hat Vilims­ky ein­mal mit der For­de­rung nach einem Öxit, also einem Aus­tritt Öster­reichs aus der EU bzw. einer Volks­ab­stim­mung dar­über spe­ku­liert? Vilims­ky bestrei­tet das, ver­sucht dem Mode­ra­tor ein­zu­re­den, dass die For­de­rung nach einer Volks­ab­stim­mung über einen Öxit ja nicht bedeu­te, dass er bzw. die FPÖ für die­sen ein­ge­tre­ten sei­en. War das so?

Kurz vor dem EU-Aus­tritts­volks­be­geh­ren 2015 gab Vilims­ky „unzen­su­riert-TV“ (13.6.15) ein Inter­view, in dem Vilims­ky zwi­schen Aus­tritt aus der EU und Volks­ab­stim­mung dazu so herumruderte:

„Wenn sich nichts ändert, dann ist es sehr wohl auch ein The­ma. (…) Dar­auf zielt mei­ne Poli­tik näm­lich ab, dass näm­lich zwan­zig Jah­re nach dem Bei­tritt Öster­reichs zur Euro­päi­schen Uni­on das Volk jetzt gefragt wird, ob wir wei­ter­ma­chen wol­len in die­sem euro­päi­schen Uni­ons­ge­bil­de, oder ob wir einen rot­weiß­ro­ten Weg wie­der gehen wol­len. (…) Jetzt sind wir genau in einer Situa­ti­on, wo inter­na­tio­nal auch sich ein Umfeld auf­be­rei­tet, dass wir in Öster­reich eine Volks­ab­stim­mung über einen wei­te­renVer­bleib Öster­reichs in der Euro­päi­schen Uni­on mehr als dring­lich anzu­ra­ten ist und auch durch­ge­führt wer­den soll.“

Vilimsky fordert Volksabstimmung über EU
Vilims­ky for­dert Volks­ab­stim­mung über EU

Alles klar? In die­sel­be Rich­tung geht dann Vilims­kys Reak­ti­on auf Armin Wolf, als ihn der zunächst auf einen Tweet anspricht, in dem der Taser-Exper­te neu­er­lich for­dert, dass Öster­reich – dies­mal nach dem Vor­bild der Bri­ten – „end­lich auch ein Refe­ren­dum über den wei­te­ren Ver­bleib in der EU ankün­di­gen und durch­füh­ren“ sol­le. Der Tweet wur­de im Febru­ar 2016 abge­setzt, vier Mona­te vor der bri­ti­schen Abstim­mung. Damit waren Vilims­ky und die FPÖ unter den Aller­ers­ten, die dem bri­ti­schen Vor­bild nach­ei­fer­ten. Dass Vilims­ky auch 2016 zwi­schen der For­de­rung nach einem Refe­ren­dum und der nach einem Aus­tritt hin- und her­ru­der­te, wird durch die von Wolf zitier­te Pres­se­aus­sendung Vilims­kys, die für Vilims­ky kei­ne war, bestä­tigt. Von der Pres­se­aus­sendung gibt es gleich zwei Ver­sio­nen: Die eine auf der FPÖ-Sei­te ist deut­lich kür­zer und viel­leicht um eine Spur bestimm­ter („Der frei­heit­li­che EU-Dele­ga­ti­ons­lei­ter Harald Vilims­ky will jetzt auch für Öster­reich bes­se­re Kon­di­tio­nen — oder den EU-Aus­tritt sei­nes Lan­des.“), die ande­re, die offi­zi­el­le OTS-Aus­sendung, län­ger. In bei­den Vari­an­ten spe­ku­lier­te Vilims­ky mit dem Öxit, das ist trotz Vilims­kys Rude­rei gar kei­ne Frage.

FPÖ-Vilimsky bringt Öxit ins Spiel (Variante 1)
FPÖ-Vilims­ky bringt Öxit ins Spiel (Vari­an­te 1)
FPÖ-Vilimsky bringt Öxit ins Spiel (Variante 2)
FPÖ-Vilims­ky bringt Öxit ins Spiel (Vari­an­te 2)

Ein viel zu wenig gewür­dig­ter Höhe­punkt in Vilims­kys Inter­view war aber zwei­fel­los sein Ver­such, ein Zitat von Mari­ne Le Pen aus einem Spie­gel-Inter­view von 2014 weg­zu­re­den bzw. weg­zu­ru­dern. Als ihm Wolf das Zitat sei­ner Frak­ti­ons­kol­le­gin vor­hält, die wört­lich sagt „Ich will die EU zer­stö­ren“, ant­wor­tet der taser­ge­prüf­te Vilimsky:

„Das ist aber kein Zitat, Herr Wolf.
Natür­lich ist das ein Zitat.
Ich habe oft mit ihr gespro­chen, und, Herr Wolf.
Herr Vilims­ky, ich lese es Ihnen vor: „SPIEGEL: Wol­len Sie Euro­pa zer­stö­ren? Le Pen: Ich will die EU zer­stö­ren, nicht Europa.“
Herr Wolf, Herr Wolf, Herr Wolf, wis­sen Sie, in wie vie­len Blät­tern Din­ge in einer hohen Unprä­zi­si­on auch ste­hen? Was sie gesagt hat, ja.
Das ist ganz prä­zi­se, ich habe extra beim SPIEGEL ange­ru­fen heu­te und habe mich erkun­digt, ob es ein Ton­band gibt.
Aber der SPIEGEL ist jetzt auch nicht bekannt, dass er mit gro­ßer Objek­ti­vi­tät die­sen Reform­kräf­ten gegen­über steht.“ 

Der Spiegel: Marine Le Pen, 2.6.2014: "Ich will die EU zerstören"
Der Spie­gel: Mari­ne Le Pen, 2.6.2014: „Ich will die EU zerstören”

Vilims­ky reicht also auch eine Ton­band­mit­schrift nicht, so sehr ist er davon über­zeugt, dass sei­ne Freun­din, die Cham­pa­gner-Exper­tin Le Pen nie und nim­mer einen Aus­tritt oder gar die Zer­stö­rung der EU anstrebt.

Der Spiegel: Marine Le Pen, 2.6.2014 zum Austritt aus dem Euro
Der Spie­gel: Mari­ne Le Pen, 2.6.2014 zum Aus­tritt aus dem Euro

Le Pen hat aber nicht nur 2014 die Zer­stö­rung bzw. das Ende der EU beschwo­ren, son­dern die auch noch im Dezem­ber 2017 bei einem Tref­fen rechts­extre­mer und rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en in Prag bekräf­tigt. „Von innen her“ müs­se die EU zer­stört wer­den, wird sie in einem Bei­trag zitiert, der – nun ja – auf einer tat­säch­lich wenig ver­trau­ens­wür­di­gen rech­ten Inter­net-Sei­te ver­öf­fent­licht wur­de. Aber auch der „Kurier“ berich­te­te über das Tref­fen, wo ein Ende der EU in der heu­ti­gen Form gefor­dert wor­den sei. Le Pen hat dem­nach die EU als „desas­trö­se Orga­ni­sa­ti­on“ bezeich­net und Geert Wil­ders apo­stro­phier­te sie als „exis­ten­zi­el­le Gefahr“ für die Natio­nal­staa­ten. Aus Öster­reich nahm Vilims­kys FPÖ- Kol­le­ge im EP, Georg May­er, teil. Ob der dazu genickt oder gar etwas gesagt hat, ist nicht überliefert.

Über Vilims­ky berich­tet der „Kurier“ hin­ge­gen, dass er aus „ter­min­li­chen“ Grün­den nicht an die­ser Kon­fe­renz teil­neh­men konn­te und weiters:

„Vilims­ky deu­te­te am Sams­tag vor der Sit­zung des Par­tei­vor­stan­des an, die FPÖ könn­te als Regie­rungs­par­tei auf Distanz zur ENF-Frak­ti­on im EU-Par­la­mentge­hen. Es gebe der­zeit ‚kei­nen Anlass im rei­ßen­den Fluss die Pfer­de zu wech­seln’, man wer­de sich aber über­le­gen, wie es nach der nächs­ten EU-Wahl 2019 wei­ter­ge­hen wer­de, sag­te Vilims­ky­auf die Fra­ge, ob die FPÖ die ENF ver­las­sen wer­de. Es brau­che aber ‚eine posi­ti­ve EU-Kri­tik’, so Vilims­ky.“

Na klar, das war ganz knapp vor Abschluss der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen mit der ÖVP. Da weiß gera­de ein Vilims­ky, dass man kurz­fris­tig ein biss­chen in die ande­re Rich­tung rudern muss!

P.S.: Auf dem Blog von Armin Wolf ist das Tran­skript des ZIB 2‑Gesprächs mit Harald Vilims­ky nachzulesen:

Transkript der Vilimsky-Ruderei zum Öxit
Tran­skript der Vilims­ky-Rude­rei zum Öxit

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