„Gilt“ nicht: die Verbreitung der „ Protokolle“!

Am Montag, 28.August, twitterte der Politikwissenschafter Matthias Falter, dass der Spitzenkandidat der Liste „Gilt“, der Pensionist Günther Lassi, auf seiner Homepage „Merlins Home“ zu dem antisemitischen Machwerk „Die Protokolle der Weisen von Zion“ verlinke. Kurze Zeit später war die gesamte Homepage aus dem Netz verschwunden. Auf seinem Facebook-Konto reagiert Lassi nicht besonders einsichtig: er sei erschüttert und enttäuscht über den Shitstorm gegen ihn.

Wenn man sich die Homepage „Merlins Home“ ansieht, wird man jede Menge Hinweise zu esoterischem Schmonzes finden – von Aleister Crowley über UFOs bis hin zu Tarot und Wicca. Insofern hat Lassi bedingt Recht, wenn er in seiner Stellungnahme auf Facebook schreibt: „Eine einzige Datei auf einer sehr umfassenden und, so denke ich, informativen HP, die sicher keinen weiteren Hinweis auf rechtes Gedankengut, Antisemitismus aufweist“.

„Informativ“ ist vielleicht ein etwas hochgestochener Begriff für Texte zum Thema Chaosmagie oder Alchemie. Eine erste Irritation: unter Politik/Gesellschaft ist auch Franz Hörmanns Text „Das Ende des Geldes“ zu finden. Aber das gemeinsam mit Otmar Pregetter verfasste Buch kann ja nicht unbedingt für die antisemitischen und revisionistischen Ansichten von Hörmann herhalten.

Anders sieht es unter der Rubrik „Orden“ aus. Da finden sich bezeichnenderweise nicht nur die „Protokolle der Weisen von Zion“, sondern auch Texte zu den Templern und den Freimaurern. Verschwörungsgebrabbel. In solchem Amalgam gedeiht der Antisemitismus besonders gut. Günther Lassi sieht das ganz anders: „Ich bin ein einfacher Mensch mit wenig politischer Erfahrung und bin zutiefst erschüttert und enttäuscht über diesen Shitstorm, der da über mich herzieht“.

Was hat er sich erwartet? Dass man dem Spitzenkandidaten einer wahlwerbenden Gruppe die Verbreitung der übelsten antisemitischen Hetzschrift durchgehen lässt? Als Lapsus? Als Versehen? Lassi hat nicht bloß zu den „Protokollen“ verlinkt, sondern sie sogar auf seine Homepage heruntergeladen. Ohne jede einschränkende Bemerkung, ohne Kommentar. Als Entschuldigung wäre wohl mehr Auseinandersetzung mit den „Protokollen“ und warum sie auf Lassis Homepage zu finden waren erforderlich als der bloße Verweis, dass es sich dabei um ein „Pamphlet“ handle. Bei den „Protokollen“ handelt es sich schließlich um eine Hetzschrift, deren Verbreitung auch strafrechtlich relevant ist.