„Kopiermaschine“ Strache

Jet­zt also auch Marine Le Pen! Die recht­sex­treme Präsi­dentschaft­skan­di­datin wurde dabei ertappt, dass sie mehrere Pas­sagen ein­er Rede des aus­geschiede­nen kon­ser­v­a­tiv­en Kan­di­dat­en Fran­cois Fil­lon in ihrer Rede zum Ersten Mai ver­wen­det hat – ohne sie als Zitat auszuweisen. Da fällt einem natür­lich gle­ich wieder Mela­nia Trump ein, die Michelle Oba­ma abgekupfert hat, oder noch bess­er: „Kopier­mas­chine“ Stra­che. Von dem kön­nen alle noch lernen!

Ver­glichen mit Stra­che ist Marine Le Pen noch eine Anfän­gerin beim Abkupfern von Tex­ten. Der ist in diesem Meti­er näm­lich schon seit vie­len Jahren unter­wegs – und zwar viel unver­schämter als seine Kam­eradin Marine. Erst vor weni­gen Tagen hat er die jüng­ste Probe seines Kön­nens abgeliefert, indem er auf sein­er Face­book-Seite einen (ziem­lich dum­men) Text der deutschen Autorin Gabriele Brinkmann alias Paula Bengt­zon „ver­wen­det“ hat – ohne Zitierung natürlich.

Brinkmann gab sich empört — „Ich habe kein Herz für Pop­ulis­ten, erst recht nicht, wenn sie geistiges Eigen­tum stehlen“ — (Kuri­er, 25.4.2017). Das mit dem „geisti­gen“ ist angesichts des Textes zwar etwas hoch gegrif­f­en, aber „Eigen­tum“ würde schon passen. Man kön­nte die Frage anschließen, warum aus­gerech­net die Eigen­tumsvertei­di­ger kein Prob­lem damit haben, geistiges Eigen­tum zu klauen. Wir erin­nern da an Gut­ten­berg und Scha­van in der BRD oder an heimis­che Größen wie Gio Hahn und den steirischen Lan­desrat Buch­mann – natür­lich auch an die Leucht­en von „Info-Direkt“.

Hein­rich Stra­che ver­tritt da eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Von Brinkmanns Text habe er sich nur „inspiri­eren“ lassen:
Die „hol­pri­gen Stellen” habe er „geglät­tet”, auf Öster­re­ich umgemünzt und so die 3500 Zeichen auf 5000 getrimmt. Dass von seinem Post­ing mehr als die Hälfte kopiert ist, erwäh­nt der FPÖ-Chef nicht — von Unrechts­be­wusst­sein keine Spur“, schreibt der „Kuri­er“ am 26.4.2017.

Original und "Adaption", beschränkt auf die ersten beiden Absätze.

Orig­i­nal und „Adap­tion” (hier beschränkt auf die ersten bei­den Absätze). Der gesamten Ver­gle­ich lässt sich zB beim Kuri­er nach­le­sen, Link.

Klingt doch super, oder? „Geglät­tet“ und „adap­tiert“ wurde der geklaute Text zum Beispiel auch dadurch, dass neben den „Deutschen“ die „Öster­re­ich­er“ in den Text einge­fügt wur­den. Jet­zt aber mal ehrlich! Wer hätte dieses Aus­maß an poli­tis­ch­er Sen­si­bil­ität erwartet?

Wir! Schon 2005 glänzte der damals frischge­back­ene Parte­ichef der FPÖ näm­lich dadurch, dass er im ORF-„Sommergespräch“ 2005 frisch und frech behauptete, dass eine auf sein­er Home­page veröf­fentlichte Rezen­sion des Buch­es „Der Waldgang“ von Ernst Jünger von ihm höch­st­per­sön­lich stamme. Erst als ihn sein Inter­view­er Armin Wolf darauf aufmerk­sam macht, dass die Rezen­sion nicht von ihm stam­men könne, knickt Stra­che ein.

Im „Som­merge­spräch“ 2012, das wieder zwis­chen Armin Wolf und Hein­rich Stra­che stat­tfind­et, kommt es zu ein­er Neuau­flage des Stre­its um die Urhe­ber­schaft. Stra­che, der zuvor auf Face­book gepostet hat­te, dass Armin Wolf 2005 „fälschlich“ behauptet habe, dass er abgeschrieben hätte, wird von Wolf zur Rede gestellt und an sein Geständ­nis von 2005 erin­nert. Davon will Stra­che aber nichts mehr wis­sen und behauptet stattdessen, dass er plagi­iert wor­den sei. Das „Som­merge­spräch“ endet mit der Fest­stel­lung von Wolf, dass man sich in der Sendung wohl nicht mehr eini­gen könne.

Nach­dem Armin Wolf nach der Sendung die ein­deuti­gen Fak­ten online stellte, musste Stra­che auf sein­er Face­book-Seite w.o. geben und klein­laut erk­lären, dass Wolf „völ­lig kor­rekt gehan­delt habe:

„Daher ziehe ich meine dies­bezüglichen Vor­würfe gegen Armin Wolf selb­stver­ständlich zurück. Ehre, wem Ehre gebührt!“.

Eigentlich ziem­lich blam­a­bel für Stra­che und die FPÖ, aber ohne jegliche Kon­se­quenz. Erst im März 2017 ver­lor die FPÖ endgültig einen Rechtsstre­it, den die Partei gegen das Medi­enkollek­tiv „Film­pi­rat­en“ angestrengt hat­te. Die FPÖ hat­te für FPÖ-TV 2014 unge­fragt ein Video der „Film­pi­rat­en“ geklaut. Als die Partei aufge­fordert wurde, die Nutzung dieses Videos zu unter­lassen, antwortete die FPÖ mit ein­er Klage mit hohem Stre­itwert, mit der die FPÖ gerichtlich fest­gestellt wis­sen wollte, dass keine Urhe­ber­recht­sansprüche der „Film­pi­rat­en“ bestün­den. Durch die hohen Prozesskosten waren die „Fim­pi­rat­en“ exis­ten­ziell gefährdet, aber sie gewan­nen die Klage bis zum Ober­sten Gericht­shof. Die Auseinan­der­set­zung ist damit noch nicht been­det, denn die FPÖ ver­wende das Film­ma­te­r­i­al auf YouTube noch immer, hieß es im „Kuri­er“ vom 11.3.2017.

2015 hat­te Stra­che einen Stre­it um die Urhe­ber­rechte gegen zwei Karika­tur­is­ten ver­loren. Auf sein­er Face­book-Seite hat­te er Teile ein­er Karikatur der bei­den ver­wen­det und für eigene Zwecke ver­fälscht, berichtete die „Tirol­er Tageszeitung“ vom 15.10.2015.

2014 protestierte der Kärnt­ner Kabaret­tist Wolf­gang Feistritzer alias „Petutschnig Hons“ dage­gen, dass Stra­che ohne sein Ein­ver­ständ­nis ein Video von ihm auf seine Face­book-Seite hochge­laden hat­te: „Du Stra­che, hurch amol zu. Du hast mei Video zum HCB-Skan­dal im Görtschitz­tal auf deine Home­page aufige­laden. Des derf ma nit, Stra­che!“ (Kleine Zeitung, 20.12.2014).

Eben­falls 2014 ging die Mod­edesigner­in Lena Hoschek gegen Stra­che anwaltlich vor, weil der auf sein­er Face­book-Seite eine junge Frau im Dirndl mit dem Text „tra­di­tion schlägt jeden trend“ gepostet hat­te. Ohne Genehmi­gung der Designer­in, von der das Foto stammte.

2008 warf Jörg Haider in ein­er TV-Debat­te (22.8.) Stra­che vor, dass der eine „kom­plette Kopier­mas­chine“ sei. Da hat­te er nicht Unrecht!