Rechtsextreme Frauen in der DDR

Während in Bezug auf das Phänomen rechter/rechtsextremer Frauen in der BRD einige Forschungsar­beit­en vor­liegen, wur­den ver­gle­ich­bare Unter­suchun­gen für die DDR bis­lang weit­ge­hend ver­nach­läs­sigt. Diese Leer­stelle füllt nun eine Anfang Dezem­ber in Berlin von der Fach­stelle Gen­der und Recht­sex­trem­is­mus der Amadeu Anto­nio Stiftung eröffnete Ausstel­lung über „Recht­sex­treme Frauen in der DDR“. 

Ver­nach­läs­sigte Themen
Sowohl recht­sex­treme Frauen als auch Recht­sex­trem­is­mus in der DDR sind The­men, die in der all­ge­meinen Beschäf­ti­gung mit men­schen­feindlichen Ein­stel­lun­gen oft­mals vergessen oder als „weniger wichtig“ hin­ten angerei­ht wer­den. So mag es kaum ver­wun­dern und den­noch immer wieder erschreck­en, dass es bis heute großes Unwis­sen um bei­de The­men­bere­iche gibt. Ins­beson­dere in Bezug auf Frauen dominieren nach wie vor biol­o­gis­tis­che, geschlechter­stereo­typ­isierende Vorstel­lun­gen des ver­meintlich unpolitisch(er)en, weniger gewalt­täti­gen „Geschlechts“, das sich weniger anfäl­lig für recht­sex­tremes Gedankengut erweisen würde. Und das obwohl sich in der Ver­gan­gen­heit immer wieder gezeigt hat, dass Frauen in den unter­schiedlich­sten Spek­tren des Neon­azis­mus und Recht­sex­trem­is­mus aktiv waren und bis heute bedeu­tende Rollen übernehmen. Nicht zulet­zt haben die Auseinan­der­set­zun­gen rund um den NSU und Beate Zschäpe verdeut­licht, dass auch der Blick der zuständi­gen Behör­den und Medi­en tief von der­ar­ti­gen, sex­is­tis­chen Denkweisen und Blick­en geprägt ist, die Frauen nicht in gle­ich­er Weise als poten­tielle oder tat­säch­liche Täterin­nen ras­sis­tis­ch­er Straftat­en oder Morde ernst nehmen.

Neues Phänomen oder Kontinuität?
Um der Frage „mit Blick auf die DDR [nachzuge­hen], ob es sich bei der verz­er­rten Wahrnehmung von Polizei und Ver­fas­sungss­chutz um ein neues Phänomen han­delt oder ob es Kon­ti­nu­itäten gibt“, durch­forsteten die Pro­jek­tlei­t­erin Heike Rad­van sowie die Kura­torin Hen­rike Voigtlän­der Akten der Sta­si­un­ter­la­gen­be­hör­den und wur­den tat­säch­lich auch fündig. Anhand von vier exem­plar­ischen Fällen analysieren sie vor allem den Blick, mit dem Behör­den wie Polizei und das Min­is­teri­um für Staatssicher­heit (MfS) recht­sex­treme Frauen in der DDR wahrnah­men. Dabei wurde ein­er­seits deut­lich, dass die DDR ver­suchte, die Exis­tenz von Neon­azis und Recht­sex­trem­is­mus zu ver­heim­lichen, da es im Wider­spruch zur Selb­stin­sze­nierung als antifaschis­tis­ch­er Staat stand. Ander­er­seits zeigte sich ein­mal mehr, dass recht­sex­treme Frauen von den Behör­den zwar wahrgenom­men, jedoch ihr poli­tis­ches Engage­ment ent­lang von geschlechtsspez­i­fis­chen Fak­toren weniger oder nicht ernst genom­men wurde. Die Mech­a­nis­men, die dabei zum Ein­satz kamen, unter­schei­den sich wenig von jenen, die bis heute im Umgang mit recht­sex­tremem Frauen angetrof­fen wer­den kön­nen. So wur­den auch die vier Frauen aus der DDR entwed­er sex­u­al­isiert und als Anhängsel eines recht­sex­tremen Mannes dargestellt, pathol­o­gisiert und als psy­chisch krank erk­lärt oder ihnen ihre Hand­lungs­fähigkeit abgesprochen.

In diesem Sinne erzählt auch Kura­torin Voigtländer:

In der DDR nah­men Polizei und MfS Ende der 1980er Jahre das Han­deln recht­sex­tremer Frauen dur­chaus wahr und beobachteten es. Jedoch ver­harm­losten sie die Ein­stel­lun­gen und Aktio­nen der Frauen wieder­holt und ent­poli­tisierten sie ent­lang von geschlechter­spez­i­fis­chen Stereo­typen: So reduzierten sie z.B. die recht­sex­tremen Frauen auf ihr Äußeres und auf ihre Sex­u­al­ität, stuften sie als psy­chisch krank ein oder sahen sie lediglich in Abhängigkeit mit pri­vat­en Beziehun­gen zu männlichen Neon­azis.“ (Link)

Die span­nende, gut auf­bere­it­ete, wenn auch kleine Wan­der­ausstel­lung kann noch bis Ende Jan­u­ar 2017 im Jugend[widerstands]museum Berlin, Galiläakirche, Rigaer Straße 9, 10247 Berlin, kosten­los besucht wer­den. Weit­ere Ter­mine sind für das Jahr 2017 geplant, vielle­icht ver­schlägt es sie ja auch nach Wien.

Flyer zur Ausstellung "Rechtsextreme Frauen in der DDR"

Fly­er zur Ausstel­lung „Recht­sex­treme Frauen in der DDR”