Bautzen (BRD): Österreich-Nazi mit Hörfehler

Der Vertei­di­ger ver­suchte es mit ein­er etwas eige­nar­ti­gen Tak­tik. Eine erhobene rechte Hand sei nur in Tatein­heit mit dem Brüllen von „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ ein Hit­ler­gruß, so seine Argu­men­ta­tion. Dem Angeklagten Manuel M. B. (31), einem nach Bautzen aus­ge­wan­derten Öster­re­ich­er, kon­nte der Vertei­di­ger damit nicht helfen. Das Amts­gericht Bautzen verurteilte den Angeklagten zu zehn Monat­en unbe­d­ingter Haft.

Sie haben den Schuss nicht gehört“, ver­suchte sich der Richter, der den Angeklagten schon ein­mal vor drei Jahren wegen des öffentlichen Tra­gens eines ver­bote­nen Nazi-Sym­bols als Tat­too verurteilt hat­te, mit einem bildlichen Ver­gle­ich. Nein, den hat der Angeklagte nicht gehört, denn auf die Frage des Richters, ob er sich das – in Deutsch­land ver­botene – Kel­tenkreuz-Tat­too weg­machen habe lassen, antwortete B., „dass er es weg­machen lassen wolle. Also gar nix gehört.

Der Manuel stand aber nicht wegen seines poli­tis­chen Hör­fehlers von damals vor Gericht, son­dern weil er im Jän­ner 2015 während ein­er Demo von Neon­azis in Bautzen von seinem Fen­ster aus den Hit­ler­gruß gle­ich mehrmals aus­ge­führt hat. Der Vertei­di­ger, der in dem stum­men Hit­ler­gruß nur ein „Winken aus dem Fen­ster“ sehen wollte, kam mit sein­er Argu­men­ta­tion eben­so wenig durch wie der Angeklagte, der die Schuld bei der Polizei suchte: Wenn die Polizei mich nicht angeleuchtet hätte, wäre das im Dunkeln gar nicht zu sehen gewe­sen. Die Antwort des Richters: „Der Hit­ler­gruß ist auch im Dunkeln straf­bar!“.

Und so kam es dann zu dem Urteil: zehn Monate Haft ohne Bewährung. „Der Staat mache sich lächer­lich, wenn er in solchen Fällen immer wieder Nach­sicht zeige, so der Amt­srichter Dirk Her­tle“, resümiert die Säch­sis­che Zeitung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

- Bericht aus der Vor­woche zu Bautzen auf stopptdierechten.at