Hofer & Hautevolee heben ab: Im Privatjet nach Prag

Nor­bert Hofer hat am Mon­tag, 12. Sep­tem­ber, den tschechis­chen Präsi­den­ten Milos Zeman in Prag besucht. Pri­vat, wie Hofer erk­lärt. Die tschechis­che Seite, aber auch die öster­re­ichis­che Botschaft haben das anders gese­hen. Zeman und Hofer waren sich jeden­falls einig, dass sie sich nicht mit der Ver­gan­gen­heit befassen woll­ten. Dafür sorgte Hofer mit seinen san­ften Aus­sagen zu Temelin für „Irri­ta­tio­nen“. Uns irri­tiert auch noch, wie und mit wem Hofer nach Prag gereist ist.

Ein kat­e­gorisches Nein hat er ver­mieden“, schreibt die ÖVP-Zeitung „Neues Volks­blatt“ (10.9.2016) zu den Äußerun­gen Hofers über tschechis­che AKW, mit denen er in Öster­re­ich für hefti­gen Protest sorgte. Uns haben die Äußerun­gen Hofers nicht so wirk­lich über­rascht. Schließlich hat Nor­bert Hofer schon vor Jahren, im Inter­view mit dem Neon­azi-Blatt „hier & jet­zt, schon deut­lich zwis­chen deutschen Atom­kraftwerken und deutsch­er Inge­nieursqual­ität und dem Rest dif­feren­ziert. Ver­mut­lich hat er diese Dif­feren­zierung mit Zeman nicht weit­er erörtert. Nach sein­er Rück­kehr hat er ohne­hin wieder alles dementiert.

Des Hofers ganz unelitäres Fortbewegungsmittel, quasi ein Volksflieger - Bildquelle: Foto von hier, veröffentlicht unter CC, 3.0

Des Hofers ganz unelitäres Fort­be­we­gungsmit­tel, qua­si ein Volks­flieger — Bildquelle: Foto von hier, veröf­fentlicht unter CC, 3.0

Über­rascht hat uns aber, wie Nor­bert Hofer nach Prag gereist ist – und mit wem. Die Presse“ hat­te offen­sichtlich exk­lu­sive Infor­ma­tio­nen und berichtete, dass sie Hofer „im Led­er­sitz“ der Cess­na Cita­tion, „die ihn in nur 45 Minuten nach Prag bringt“, kauern sah. Sechs Sitz­plätze für Pas­sagiere hat das Bedarfs­flugzeug, mit dem Hofer ver­mut­lich um einen fün­f­stel­li­gen Euro-Betrag nach Prag jettete.

Jet­zt sind die Fra­gen, ob Hofer mit seinem Char­ter-Jet etwas präsi­den­tiellen Ein­druck schin­den wollte, ob für 260 km Dis­tanz nicht ein anderes Reisemit­tel angemessen­er und vor allem viel bil­liger wäre, das eine. Wären wir die FPÖ, wür­den wir jet­zt schon vorzurech­nen begin­nen, wie viele Kinder wie lange von den Kosten für den Jet ernährt wer­den könnten.

Uns inter­essiert aber noch viel mehr als die Kosten­frage jene nach den Begleit­ern. Die „Presse“ hält sich da auch sehr zurück, aber den – neben Hofer natür­lich! — wichtig­sten Mann an Bord nen­nt sie, wird fast geschwätzig:

Mit an Bord der winzi­gen Mas­chine ist auch jen­er Mann, der den Besuch einge­fädelt hat: Nor­bert van Han­del. Die Reisegellschaft (sic!) nen­nt ihn nur den Baron. Der frühere Geschäfts­mann (75) hat seine Kon­tak­te spie­len lassen. Sein Netz span­nt sich über Europa. Denn er fungiert als Proku­ra­tor des St.Georgs-Ordens. Auch Nor­bert Hofer gehört dieser christlichen Vere­ini­gung im Geiste Hab­s­burgs an – als Ehren­rit­ter. (Die Presse)

Der St.Georgs-Orden stellt sich vor...

Der St.Georgs-Orden stellt sich vor…

Wie bitte? Diese Sätze muss man sich auf der Zunge zerge­hen lassen. Nor­bert Hofer ist Ehren­rit­ter des St. Georgs-Ordens! Er ist also bei einem Vere­in, der nicht nur ultra­kon­ser­v­a­tiv und natür­lich schw­er monar­chis­tisch ist (an sein­er Spitze ste­ht Karl Hab­s­burg), son­dern auch nach Fremd- und Eigenbeschrei­bung sehr elitär:
Der Orden ist elitär. Die Auf­nahme erfol­gt auss­chließlich nach geprüftem Vorschlag eines Ordens­mit­gliedes.“ (Home­page Georgsorden)

...und eindeutig klar, wie er es mit der Auswahl der Personals hält...

…und ein­deutig klar, wie er es mit der Auswahl des Per­son­als hält…

Wir sparen uns weit­ere Beschrei­bun­gen des elitären Ordens und ver­weisen nur mehr auf die Äußerung seines Ehren­rit­ters Nor­bert Hofer, die dieser an die Adresse des Gegenkan­di­dat­en Van der Bellen gemacht hat: „Ja, es gibt einen großen Unter­schied zwis­chen uns bei­den. Sie haben die Hautev­olee, und ich habe die Men­schen, und das ist der große Unter­schied, das zählt.“ Lassen wir auch diese Sätze des Ehren­rit­ters ein­fach auf uns wirken …

Weit­ere Links:
Bericht in heute: Nor­bert Hofer kann auf elitäre Rit­ter­fre­unde zählen
Bericht in der Presse: „We agreed to dis­agree”: Hofer auf Mitteleuropa-Mission