Salzburg: Protest gegen Nazi-Bildhauer Thorak

Lesezeit: 3 Minuten

Wolf­ram P. Kast­ner, ein deut­scher Künst­ler mit star­kem Salz­burg-Bezug, hat in der Stadt Salz­burg am 3.8. eine wei­te­re „ästhe­ti­sche Inter­ven­ti­on“ vor­ge­nom­men. Dies­mal gemein­sam mit Dani­el Topo­ris und zwar für eine Stra­ßen­um­be­nen­nung und gegen den NS-Groß­kitsch, den der Bild­hau­er Josef Tho­rak in Salz­burg hin­ter­las­sen hat. Tho­rak war ein beson­ders eif­ri­ger Nazi, der sich 1933 von sei­ner jüdi­schen Frau schei­den ließ, um sich die Gunst Hit­lers und der Nazis zu erhalten.

GegenSetzung: Gwiggner Thorak / Kunststoff Marmor / h: 270 cm / 2010 1943 (Quelle: www.gwiggner.com/werke/gegensetzung)

Gegen­Set­zung: Gwiggner <–> Tho­rak / Kunst­stoff <–> Mar­mor / h: 270 cm / 2010 <–>1943 (Quel­le: www.gwiggner.com/werke/gegensetzung)

Erst vor weni­gen Mona­ten, im Mai 2016, hat­te der Künst­ler Bern­hard Gwiggner eine Gegen­skulp­tur in der For­men­spra­che von Fritz Wotru­ba neben die ‚Paracelsus‘-Skulptur von Tho­rak gestellt. Bei den Dis­kus­sio­nen, denen sich Gwiggner eine Woche lang neben den Skulp­tu­ren stell­te, muss­te der Künst­ler auch hand­greif­li­che Atta­cken von Tho­rak- bzw. NS- Sym­pa­thi­san­ten hin­neh­men, schrei­ben die „Salz­bur­ger Nachrichten“:

Ein 88-Jäh­ri­ger habe ihn ange­fle­gelt und mit sei­nem Geh­stock zu atta­ckie­ren ver­sucht, schil­dert der Künst­ler. ‚Er war von Anfang an aggres­siv’ und habe geru­fen: ‚Was kann der Para­cel­sus dafür!’ Auf die Fra­ge nach einer Begrün­dung habe er sich umge­dreht und sei weg­ge­gan­gen. Ein ande­rer Pas­sant habe Gwiggners Gegen-Para­cel­sus beschimpft: ‚Kunst kommt von Kön­nen, das ist ja ein Schmarrn!’ Auch die­ser habe sich, nach der Bit­te um ein Gespräch, weg­ge­dreht. Sei­nen Noti­zen ent­nimmt Bern­hard Gwiggner, dass etwa zehn Pro­zent so kate­go­risch und aggres­siv ableh­nend gewe­sen sei­en und die Auf­for­de­run­gen zum Gespräch mit Bemer­kun­gen wie ‚Lasst die Ver­gan­gen­heit end­lich ruhen’ abge­tan hät­ten“ (Salz­bur­ger Nach­rich­ten, 11.5.2016).

Nach­träg­lich beschmutzt“ wür­de das Lebens­werk von Tho­rak und ande­ren Nazi-Grö­ßen, hieß es in einem Leser­brief in der „Kro­ne“ (Salz­burg) im Juni, weil die Stadt pla­ne, mit Zusatz­ta­feln auf die Nazi-Ver­gan­gen­heit hinzuweisen.

Auf die­sen hin­hal­ten­den Wider­stand reagier­ten Kast­ner und Topo­ris mit der ästhe­ti­schen Inter­ven­ti­on „Ent-Tho­ra­ken“. Im fol­gen­den ihre Presseaussendung:

„Für unse­re Kunst­ak­ti­on Ent-Tho­ra­ken in der Fest­spiel­stadt Salz­burg leis­te­ten Unbe­kann­te gute Vorarbeit:

Die Stra­ßen­schil­der wur­den bereits ent­fernt. Von wem ist unbekannt.

War es evtl. die Stadt­ver­wal­tung selbst, die end­lich die not­wen­di­ge und von uns gefor­der­te Umbe­nen­nung voll­zie­hen will, waren es beherz­te Salz­bur­ger, die zur Tat schrit­ten oder waren es Anwoh­ner, die nicht län­ger die nach dem Nazi-Bild­hau­er benann­te Wohn­adres­se ertragen?

Wir for­dern die Umbe­nen­nung in Hele­ne-von-Taus­sig-Stra­ße (1879–1942, öster­rei­chi­sche Male­rin, die in Salz­burg leb­te und 1942 von den Nazis ermor­det wurde).

Vor­ab änder­ten wir heu­te eini­ge Haus­num­mern­schil­der mit blau­em Kle­be­band in Josef – Stra­ße, Jose – Stra­ße und Tho­ra – Straße .

Im Mira­bell­gar­ten füg­ten wir anschlie­ßend den grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Kitsch­Skulp­tu­ren Tafeln mit der Aufschrift

Nazi
bild
hau­er
Tho­rak

hin­zu, damit Ein­woh­ner und Besu­cher der Fest­spiel­stadt Salz­burg wis­sen kön­nen, von wem die­se Irr­sinns­bro­cken stam­men, die dort seit 1950 stehen.

Wir hof­fen, dass die Stadt Salz­burg end­lich die Umbe­nen­nung der Tho­rak-Stra­ße vornimmt,die von uns ange­brach­ten Tafeln dort lässt und für eine ange­mes­se­ne Behand­lung der Nazi-Groß­kit­sches offen ist.

Einen ent­spre­chen­den Vor­schlag wer­den wir dem­nächst vorlegen.”

Bericht auf haga­lil: Ent-Thoraken

Bericht auf salzburg.org.at: NS-Künst­ler Tho­rak: Stra­ßen­schil­der gestohlen