Ukraine: Österreichische Söldner beim Rechten Sektor

Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat in der Vor­woche einen aus­geze­ich­neten Beitrag über den „Recht­en Sek­tor“, „Die nation­al­is­tis­chen Kinder der Rev­o­lu­tion“ in der Ukraine veröf­fentlicht. Die Recht­sex­trem­is­ten unter­hal­ten auch eine eigene Frei­willi­gen­truppe, die sich der Kon­trolle und dem Kom­man­do der reg­ulären Armee und des Staates entzieht. Hierzu­lande völ­lig unbekan­nt ist, dass es unter den recht­sex­tremen Paramil­itärs auch öster­re­ichis­che Söld­ner gibt.


Der „Rechte Sektor”
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Zulet­zt hat der Rechte Sek­tor durch die Spren­gung von Strom­mas­ten in der ostukrainis­chen Region Cher­son für Aufmerk­samkeit gesorgt. Mit der Aktion, die vorüberge­hend die Stromver­sorgung der – jet­zt rus­sis­chen – Krim lahm­legte, kon­nten Aktivis­ten des Recht­en Sek­tors gemein­sam mit Krim­tataren ein­mal mehr demon­stri­eren, dass sie imstande sind, den Kon­flikt zwis­chen Rus­s­land und der Ukraine wieder gefährlich zu eskalieren, nach­dem es zuvor eine Phase der Entspan­nung gegeben hatte.

Auf rund 2.000 Mann wer­den die paramil­itärischen Ein­heit­en des Recht­en Sek­tors geschätzt, davon befind­en sich rund 700 jew­eils an der Front. Die Truppe ist – auch dank finanzkräftiger Spon­soren – bess­er aus­gerüstet als die reg­uläre Armee. Im Som­mer probte der Rechte Sek­tor den inneren Auf­s­tand – bei stun­den­lan­gen Schießereien zwis­chen Ein­heit­en des Innen­min­is­teri­ums und dem Recht­en Sek­tor, die auch mit schw­erem Kriegs­gerät (Maschi­nengewehre, Panz­er­w­er­fer) aus­ge­tra­gen wur­den, gab es drei Tote und mehr als ein Dutzend Verletzte.


Demon­stra­tio­nen mit Bildern des NS-Kol­lab­o­ra­teurs Ste­fan Bandera
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Als Kon­se­quenz dieser hefti­gen Auseinan­der­set­zun­gen unter­stell­ten sich die anderen – teil­weise eben­falls recht­sex­tremen Frei­willi­gen­ver­bände – dem Kom­man­do des Innen­min­is­teri­ums. Für den Recht­en Sek­tor galt das nur eingeschränkt: „Zwar sind im Sep­tem­ber einige Dutzend Kämpfer des Recht­en Sek­tors in eine Spezialein­heit des ukrainis­chen Geheim­di­en­stes einge­treten. Im Okto­ber aber erk­lärte ein­er sein­er Kom­man­dan­ten, die Reserveein­heit­en wür­den nicht aufgelöst. Diese seien wichtig für «den Wider­stand gegen das Regime von Präsi­dent Poroschenko».“ (NZZ):

Völ­lig unbekan­nt ist hierzu­lande, dass sich die Trup­pen des recht­en Sek­tors nicht nur aus Ukrain­ern, son­dern auch aus Aus­län­dern rekru­tieren. Der Kor­re­spon­dent der „NZZ“, der das Basis­lager der recht­sex­tremen Truppe in Kras­noarmi­isk besuchte, traf dort neben einem Amerikan­er und einem Ungarn mit Schweiz­er Ver­gan­gen­heit auch zwei Öster­re­ich­er an. Lei­der sind dem Beitrag keine genaueren Infor­ma­tio­nen über die bei­den Öster­re­ich­er und ihre Motive, mit der recht­sex­tremen Truppe zu kämpfen, zu entnehmen.

Inner­halb der europäis­chen Recht­sex­trem­is­ten- und Neon­aziszene hat der Rechte Sek­tor die Arschkarte gezo­gen: es gibt mit­tler­weile keine nen­nenswerten recht­sex­tremen Grup­pen oder Parteien mehr, die in der Auseinan­der­set­zung zwis­chen Rus­s­land und der Ukraine um ukrainis­che Ter­ri­to­rien die ukrainis­che Seite bzw. dort die Recht­sex­tremen unter­stützen wür­den. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil nationale Integrität, Sou­veränität und „Volks­ge­mein­schaft“ in der gesamten Recht­en einen hohen Stel­len­wert besitzen. Ob bei den bei­den Öster­re­ich­ern ide­ol­o­gis­che und poli­tis­che Motive entschei­dend waren, wäre daher auch unter diesem Gesicht­spunkt interessant.