Eklat beim rechtsextremen ‚Lesertreffen‘ ?

Dieses Wochenende fand in Zeulenroda (Ostthüringen) nach einer Unterbrechung im Jahr 2014 wieder ein „Lesertreffen“ der extrem rechten Zeitschrift „Zuerst!“ statt. Die angereisten Rechtsextremen und Neonazis hatten viel zu besprechen angesichts der breiten Themenpalette. Mit dabei unter den ReferentInnen: Alexander Dugin und Barbara Rosenkranz (FPÖ). Ja, und einen Eklat gab es auch noch.

Zu den Lesertreffen lädt offiziell der „Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e. V“, der – so Thüringen rechtsaussen – zum Netzwerk der von Dietmar Munier, dem rechtsextremen Verleger, beeinflussten oder initiierten Vereine und Einrichtungen gehört. 2013 fand das Lesertreffen noch im Hotel Panorama in Oberwiesenthal statt – unter Beteiligung eines FPÖ-Mandatars. Hans Jörg Jenewein durfte über „Freiheitliche Perspektiven. Die FPÖ im Superwahljahr“ referieren, der Nazi-Barde Frank Rennicke war als musikalische Begleitung des Treffens angesagt. Weil aber der Hotelbesitzer das Lesertreffen der extremen Rechten nicht länger in seinem Haus haben wollte, fiel es 2014 aus.

Mit dem „Bio-Seehotel Zeulenroda“ wurde für 2015 ein neuer Veranstaltungsort gefunden. Unter konspirativen Voraussetzungen – wie „Blick nach Rechts“ schon Mitte Februar meldete:

„Der Veranstaltungsort wurde den Interessenten erst nach einer verbindlichen Anmeldung mitgeteilt. Neben einem Tagungsbeitrag in Höhe von 99,– Euro pro Person müssen die Teilnehmer auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung tragen“.


So oder so ähnlich könnte sich das Treffen unter konspirativen Voraussetzungen abgespielt haben. Aus: Ein Käfig Voller Helden, Das Geheimtreffen

Somit wäre eigentlich kostenmäßig sichergestellt , dass sich nur handverlesenes Publikum, sozusagen die Creme de la Creme der Rechtsextremen, zum „Lesertreffen“ versammelt, um den Vorträgen von Alexander Dugin, russischer Faschist und Kriegstreiber der „Eurasischen Bewegung“, James Bacque , kanadischer Geschichtsrevisionist und Barbara Rosenkranz, FPÖ-Abgeordnete zu „Europa fördern, EU zähmen, Euro stoppen!“ zu lauschen (die weiteren Referenten bzw. Themen findet man auf Blick nach Rechts).

Ganz so lauschig dürfte es nicht gewesen sein, denn zum „Lesertreffen“(sic!) erschien auch eine Leserin: die 86-jährige Ursula Haverbeck, die Grande Dame der Neonazis, Holocaustleugner und Geschichtsrevisionisten. Angeblich war sie vom Verleger und Veranstalter Dietmar Munier selbst schriftlich eingeladen worden. Das berichtet jedenfalls „Die Rechte – Verden“ auf ihrem Facebook-Konto. „Die Rechte“, das ist eine Partei rechts von der NPD, die ihr zu lasch ist.

Da muss noch eine Ergänzung her: eigentlich berichtet auch „Die Rechte – Verden“ nicht mehr über den Eklat, denn die Meldung wurde wieder gelöscht. Auch ein anderes Online-Neonazi-Blättchen hat die Meldung über den Eklat auf seine Homepage gestellt, um sie dann wieder zu löschen. Wozu aber gibt’s Google-Cache? Wir müssen ja annehmen, dass die „Rechten“ doch nichts Unrechtes geschrieben haben, oder? Deshalb hier ihr verschwundener, aber ergreifender Bericht:


„Während im Hauptsaal das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“ gesungen wurde, hat der Verleger und Veranstalter Dietmar MUNIER, die europaweit bekannte 86jährige Dissidentin und Kämpferin Ursula HAVERBECK hinauswerfen wollen. Eine Begründung erfolgte zunächst nicht.
Frau Haverbeck ist ursprünglich einer schriftlichen Einladung von Herrn Munier gefolgt, weswegen es zu großem Unverständnis bei der Witwe, des ehemaligen Waffen-SS Angehörigen und ehem. Reichstabsmitglied der NSDAP unter Rudolf Heß, Prof. Dr. Werner Georg Haverbeck kam.
Dank der Begleitung von Kameraden unserer Partei konnte schlimmeres verhindert werden.
Unzählige der über 400 angereisten Teilnehmer zeigten sich solidarisch mit der großartigen Dame und würdigten ihren ungebrochenen Einsatz für Deutschland und ließen es schlußendlich zu einem Eklat kommen.
Nach einer regen Diskussion mit allen Beteiligten, beschloß die Dissidentin dem Treiben von Herrn Munier nicht weiter beiwohnen zu wollen und verließ mit einigen bisherigen Teilnehmern das 4 Sterne Hotel am See.
Wer unsere Veteranen nicht mit Würde und Anstand behandelt, hat in unserer Bewegung nichts zu suchen!“
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Jetzt hätten wir natürlich gerne erfahren, was die Zeitschrift „Zuerst!“ zu dem hier beschriebenen Eklat sagt- oder auch Barbara Rosenkranz, von der wir zudem gerne gewusst hätten, ob auch sie „dem Treiben von Herrn Munier“ nicht länger zusehen wollte bzw. welche Eindrücke sie von dem „Lesertreffen“ mitgenommen hat. Aber weder auf der FB-Seite von „Zuerst!“ noch auf der von Barbara Rosenkranz findet sich ein Hinweis – ja, auf beiden Seiten kommt das „Lesertreffen“ nicht einmal vor!

Jedenfalls bemerkenswert, welchen Umgang FPÖ- Abgeordnete pflegen!