Österreichische Identitäre besetzten Landtag in Dresden

18.000 Menschen nahmen am 5. Jänner an der Pegida-Demo in Dresden teil. Mit den Zahlen von Pegida können die Identitären nicht einmal ansatzweise mithalten. Also musste eine andere Aktion her, um auf sich maximal aufmerksam zu machen: eine Besetzung des sächsischen Landtags ist dabei herausgekommen. An vorderster Front: Identitäre aus Österreich!

Das Front-Transparent bei der Besetzung des sächsischen Landtages in Dresden am 5. Jänner hatte die Inschrift „Unser Land Unsere Werte“. Rechts neben dem Transparent Martin Sellner, unmittelbar hinter dem Transparent Alexander Markovics, der Vorsitzende der Identitären Österreichs. „Unser Land“ Sachsen für Sellner und Co.?


Identitaere Österreicher bei Landtagsbesetzung in Dresden. Alexander Markovics (2. v. li., vorn). Martin Sellner (vorn, rechts außen); derstandard.at; screenshot: facebook

Gegen insgesamt 18 Personen der „Identitären“ stellte der Präsident des Sächsischen Landtags, Matthias Rößler (CDU) Anzeige wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs. Mindestens drei Österreicher sollen unter den Besetzern bzw. Angezeigten sein.

Der „Tagesspiegel“ schreibt dazu:

„Zwei Personen drangen über Absperrungen bis in das Foyer des Gebäudes vor. Erst nach mehrmaliger Aufforderung verließen sie das Gebäude. Die Polizei stelle die Identität der Personen vor Ort fest. Sie waren extra für die Aktion nach Dresden gereist – unter anderem aus Bayern und Brandenburg“.

Einige waren sogar extra aus dem Ausland angereist: die Spitzen der österreichischen Identitären, die den laschen Sachsen mal so richtig vorzeigen konnten, wie man Aktionen macht.

Unmittelbar nach der Aktion ein identitäres Video mit einem freudestrahlenden Martin Sellner, der – die Tonqualität ist erbärmlich – im Duktus der Kriegsberichterstattung davon spricht, dass „wir“ uns eine Zeit lang „gehalten“ haben.


Tony Gerber und Martin Sellner, screenshot:youtube

„Wir“ – das sind die österreichischen Identitären, die in Dresden den Landtag mitbesetzen! Zwischen den Österreichern und den Deutschen macht der Sellner nämlich keine Unterscheidung: “Unser Land Unsere Werte“! Klar, dass die Aktion vielen identitären Fans in Österreich gut gefällt. Auch dem Erwin S., der bis vor kurzem noch beim Objekt 21 war.

Und der Martin Sellner darf seine ersten Eindrücke von der Front in einem Video-Blog des Tony Gerber wiedergeben. Der ist ein so ähnlich beschriebenes Blatt wie der Sellner, war früher ein bekannter und bekennender Neonazi in Zwickau, dort beim „Schutzbund Zwickau“, später bei den „Nationalen Sozialisten Zwickau“ und mit dem NSU-Unterstützer Andre Eminger befreundet, den er als einen‚ anständigen, arbeitsamen und gewaltverneinenden Menschen‘ bejubelte. Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus ist trotz seiner Abhandlung „Bekenntnisse eines Sonnenritters“ noch immer nicht ganz geklärt, wenn man etwa die Zeilen liest: “Ich leugne nicht den Nationalsozialismus, sondern hinterfrage lediglich die Ideologie an sich. Ich verweigere grundsätzlich jede Art von übertriebenen Personenkult.“

Aber der Gerber ist ein Verehrer von Martin Sellner und trägt auch dessen Klamotten von „Phalanx Europa“.

Siehe auch: Der Standard „Österreicher bei Landtagsbesetzung in Dresden“.