Rassismus und Homophobie bei der WM

Bei der letzten Fußball-WM lehnten viele deutsche und österreichische Neonazis die übliche Unterstützung der deutschen Elf wegen ihres Migrantenanteils ab, andere wiederum waren einfach auf Provokation und Schlägerei aus. Bei der WM in Brasilien ging’s abseits der Spieleinschätzungen bisher hauptsächlich um die Beißattacke von Luis Suarez aus Uruguay, homophobe und rassistische Vorfälle wurden kaum medial thematisiert.

Als beim Spiel Deutschland gegen Ghana für einige Sekunden ein bärtiger Flitzer zu sehen war – mit seltsamen Buchstaben- und Ziffernkürzeln auf seiner Brust, da vermuteten einige schon einen Neonazi. Es war aber ein Pole, der mit Angabe seiner Telefonnummer und E-Mail –Adresse auf der Brust Geld für WM-Tickets und Rückflug organisieren wollte.

Die tatsächlichen rassistischen und homophoben Vorfälle, die es bisher bei der WM gab, betreffen vier Länder: Mexiko, Brasilien, Kroatien und Russland. Die FIFA-Disziplinarkommission hat zwar Ermittlungen eingeleitet, nachdem mexikanische Fans im Spiel gegen Kamerun homophobe Sprechgesänge angestimmt hatten, das Verfahren aber mittlerweile bereits wieder eingestellt, wie die TAZ berichtet.

Auch im Spiel Brasilien gegen Mexiko ist es nach Angaben des antirassistischen Netzwerks FARE wechselseitig zu homophoben Sprüchen gekommen. Russischen und kroatischen Fans wiederum wird vorgeworfen, in den Spielen gegen Südkorea und Brasilien Banner mit rassistischen und homophoben Symbolen in den Stadien aufgehängt zu haben.

In dem TAZ-Beitrag wird aber auch die Scheinheiligkeit der FIFA thematisiert, die z.B. die WM 2022 an Katar vergeben hat – ein Land, das Homosexualität unter Strafe gestellt hat: „Und Blatter entblödete sich nicht, Schwulen während der künftigen WM den Verzicht auf Sex zu empfehlen“.

Aber auch abseits der Stadien blühen Rassismus und Homophobie. Nach der schweren Niederlage gegen Frankreich gab es im Internet heftige Shitstorms gegen die Migranten, vor allem die Kosovaren, im Schweizer Team (Krone, 27.6.2014) . Als dann Xherdan Shaqiri die Schweiz mit drei Toren gegen Honduras ins Achtelfinale schoss, verstummten die rassistischen Dumpfbacken.

Die Ermittlungen gegen Mexiko wegen der homophoben Sprüche wurden von der FIFA übrigens mit einer Begründung eingestellt, die für sich, allerdings klar gegen die FIFA spricht: bei den „Puto, puto“ (Schwuchtel)-Rufen handle es sich um einen Begriff, der „in diesem spezifischen Kontext nicht als beleidigend angesehen“ werden könne.