Braunauer Bierbüffel verurteilt

Eines der Tat­toos, die wir in unserem Beitrag „Jung­nazis verurteilt“ veröf­fentlicht haben, gehört tat­säch­lich zu einem der Verurteil­ten, aber erst seit dem Bericht in den „OÖN“ ist klar, dass es sich bei den Angeklagten um das Brüder­paar von den „Braunen Bier­büf­feln“ handelt.

Die „Braunen Bier­büf­fel“ sind mit­tler­weile Ver­gan­gen­heit, aber sie waren – so wie das „Sturm­führerkom­man­do“ (SFK) – Teil ein­er leb­haften, aber auch sehr flüchti­gen neon­azis­tis­chen Szene in und um Braunau/Inn, die rasch ihre Beze­ich­nun­gen änderte, aber nach wie vor ihre fix­en per­son­ellen Bezugspunk­te hat.


„Braune Bier­büf­fel”
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Die Brüder A. waren fest inte­gri­ert in der Brau­nauer Szene — Fotos von Flasch­enetiket­ten mit Hitler und die Tat­toos gehörten da zu den ver­gle­ich­sweise harm­losen Aktiv­itäten. Das Brüder­paar ist auch schon vorbe­straft – offen­sichtlich ein­schlägig. Darauf deutet jeden­falls eine Face­book-Unter­hal­tung hin, die Hannes A. mit einem anderen Neon­azi aus Steyr geführt hat. Hannes A. platzierte auch einen wider­lichen anti­semi­tis­chen Spruch auf sein­er Face­book-Pin­nwand. Vor Gericht die üblichen Ausre­den: „Ich habe zu viel getrunk­en“. Und dann noch der Hin­weis auf den mit­tler­weile geän­derten Fre­un­deskreis: „Haupt­säch­lich Fis­ch­er sind das“. Die Beruf­s­richter, die die Ver­hand­lung führen, trauen den Erk­lärun­gen der bei­den Brüder nicht: „Sie verniedlichen hier ihre Tat­en“, sagt ein beisitzen­der Richter – und die Vor­sitzende erk­lärt: „Das kön­nen Sie mir nicht erzählen, dass Sie über­haupt keinen Zusam­men­hang kapieren“ (OÖN).

Auch die Staat­san­wältin zweifelt: „Wenn ich Ihnen so zuhöre, dann sind Sie bei­de ganz weit weg von einem reumüti­gen Geständ­nis“ (OÖN).

Man fragt sich, welche Ermit­tlungsergeb­nisse der Anklage zugrun­de­la­gen. Wur­den da die Struk­turen der Brau­nauer Szene, die Rolle der bei­den Brüder aufgearbeitet?

Und schon ist man mit­ten in dem aktuellen Stre­it um die Brau­nauer Neon­azi-Szene, die für die Polizei gar nicht existiert: “Nur zwei, drei Einge­fleis­chte, ein paar kleine Grup­pierun­gen“.

Die OÖN hat dazu jet­zt Bernd Wag­n­er von der deutschen Neon­azi-Ausstiegsini­tia­tive „Exit“ befragt, der nicht nur bejaht, dass es in Brau­nau eine braune Szene gibt, son­dern auch davon spricht, dass Exit auch Ausstiegswillige aus Öster­re­ich berat­en habe, weil es in Öster­re­ich bis­lang keine entsprechende Beratungsstelle gibt.