Mölzer und die Nekrophilie

Aus­gerech­net FPÖ-Parte­ichef Stra­che rück­te gestern zur Weißwaschung von Andreas Mölz­er mit ein­er passenden Erk­lärung aus: Mölz­ers Darstel­lung sei glaub­haft, weil der doch häu­fig den Aus­druck „Nekrophilie“ in den Mund genom­men habe. Mit sein­er Entschuldigung sei die Sache für ihn, Stra­che „gegessen und erledigt“. Für uns noch nicht.

Wer sich auf die Suche nach Tex­ten oder Reden von Mölz­er macht, in denen er doch so häu­fig den Aus­druck „Nekrophilie“ in den Mund genom­men haben will, ist schon ver­loren, sprich: dem Mölz­er oder dem Stra­che auf den Leim gegangen.

Die erste Ver­sion Mölz­ers, die aber nur bis zur Veröf­fentlichung des Ton­mitschnitts hielt, war seine Behaup­tung, er habe nicht von einem „Negerkon­glom­er­at“, son­dern von einem „nekrophilen Kon­glom­er­at“ EU im Zusam­men­hang mit sink­enden Geburten­rat­en gesprochen. Das war nach­weis­lich und mehrfach falsch, denn auch von sink­enden Geburten­rat­en oder ein­er Alterung der Gesellschaft war im Zusam­men­hang keine Rede.


Michael Wol­ge­muts Danse-Macabre (Tanz der Gerippe), Holzschnitt von 1493
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Und außer­dem: was hat die Alterung der Gesellschaft mit der Nekrophilie zu tun? Unter Nekrophilie ver­ste­ht man eine sex­uelle Präferenz, die auf Leichen gerichtet ist. Was hat die Alterung der Gesellschaft mit einem „nekrophilen Kon­glom­er­at“ EU zu tun? Wis­sen Stra­che und Mölz­er, welche Bedeu­tung der Begriff „Nekrophilie“ hat? Wir ver­muten, sie wis­sen es sehr genau. Der Rück­nahme der Pro­voka­tion (Leug­nen des „Negerkon­glom­er­ats“ EU) fol­gt eine andere Pro­voka­tion („nekrophiles Kon­glom­er­at“ EU). Als sich her­ausstellt, dass das unwahr ist, fol­gt die „Entschuldigung“ für die „seman­tis­che Fehlleis­tung“ und gle­ich darauf die näch­ste Pro­voka­tion: Mölz­er dis­tanziert sich nur vom Begriff „Negerkon­glom­er­at“, nicht aber vom „Neger“:

„Das Wort „Neger” als solch­es ist ein nor­males deutsches Wort, das noch wed­er eine Wer­tung noch son­st etwas bein­hal­tet. Das kann man ver­wen­den, genau­so wie „Zige­uner” oder ähn­lich­es.“ (ZIB 2,25.3.14)

Das ist die Qual­ität von frei­heitlichen Entschuldigungen!


Das EU-Wahl­pro­gramm der FPÖ? Mölz­ers ver­wende den Aus­druck „Nekrophilie“ häu­fig (Stra­che).
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Die „Presse“, die in ihrer Son­ntag-Aus­gabe die öffentliche Kri­tik an Mölz­er als Fließen des „medi­alen Spe­ichels der pawlowschen Hunde“ beze­ich­net hat, macht in ihrer heuti­gen Aus­gabe ihre krasse Fehlein­schätzung mehr als gut durch einen Schw­er­punkt zum frei­heitlichen Spiel mit Bedeu­tun­gen und einen aus­geze­ich­neten Kom­men­tar von Wolf­gang Böhm „Herr Mölz­er! Bitte bleiben Sie uns in diesem Wahlkampf erhal­ten“. Dessen Schlusssätze lauten:

„Sehr geehrter Herr Mölz­er! Natür­lich müssen Sie zurück­treten, aber bitte erst nach­dem Sie als Sym­bol des ver­ant­wor­tungslosen Umgangs mit der Geschichte aus­ge­di­ent haben. Das ist jet­zt auch nicht ganz „kor­rekt“, aber damit haben Sie ja wohl kein Prob­lem“.