Der FPÖ-Chef hat seine „Argumentation“ binnen weniger Stunden gravierend verändert. Hatte er zunächst noch von „künstlicher Aufregung“ und „Schmuddeljournalismus“ gesprochen, so wechselte er kurz darauf zu dem rechten Spruch „Der größte Schuft im ganzen Land, ist und bleibt der Denunziant.“ Nachdem auch diese Verteidigungslinie nicht sehr erfolgversprechend war, musste eine neue Linie her.
„Die verabscheuungswürdigen Hetz-Postings von diversen Usern auf dieser Seite sind offensichtlich auch anonyme Profile, welche auszuforschen und zur Verantwortung zu ziehen sind“, schreibt Strache auf seiner FB-Seite. Da werden aber einige seiner Kameraden nicht erfreut sein! Schließlich haben sich in der geheimen Gruppe nicht alle die Mühe gemacht, ein Fake-Profil zu verwenden. Und selbst bei den Fake-Profilen ist es zuweilen nicht so schwer, die richtigen Namen herauszufinden.
„Grundsätzlich finde ich jede ‚positive’ Unterstützungsseite für die FPÖ „toll“!“, schreibt Strache. Das hat er schon einmal behauptet. Im Vorjahr gefiel ihm die hetzerische FB-Seite „Wir stehen zur FPÖ !!!“ sogar so gut, dass er die (damaligen) Administratoren öffentlich lobte und dazu aufforderte, die Seite anzuklicken.

„Klick doch mal rein”, Straches Werbung für die alte Facebookgruppe „Wir stehen zur FPÖ” mit drei Rufzeichen
Als im August 2012 über die Hetz-und Hass-Postings in dieser Gruppe berichtet wurde, verabschiedete sich Strache, der neben anderen FPÖ-Größen als Mitglied geführt wurde, und löschte seine euphorischen FB-Einträge. In der Gruppe „Wir stehen zur FPÖ !!!“ waren nicht nur deutsche NPD-Funktionäre wie etwa Matthias Faust und heimische Neonazis unterwegs, sondern auch zahlreiche FPÖ-Spitzenpolitiker. Mehr als 1.500 Mitglieder umfasste die Gruppe, die zunächst offen und dann als geheime Gruppe geführt wurde. Die Postings, die damals bekannt wurden, waren ähnlich heftig wie die in der im Juni 2013 gegründeten neuen Gruppe „Wir stehen zur FPÖ!“.

Noch ein Lob von Strache für die alte Facebookgruppe „Wir stehen zur FPÖ” mit drei Rufzeichen
Den Unterschied zwischen den beiden Gruppen machen nur die Rufzeichen und die deutlich gesiebten Mitgliederzahlen aus: ein Rufzeichen statt drei und rund 150 Mitglieder statt 1.500. Dass Strache den Unterschied nicht kennen will, ist merkwürdig.
Grotesk ist aber, wenn er behauptet: „Verhetzende Hasspostings lehne ich zutiefst ab, solche lösche ich auch konsequent und auch die Administratorin dieser privaten Seite versichert, diese auch regelmäßig gelöscht zu haben.“
Was seine eigene Seite betrifft, können wir ihm gerne belegen, dass das so nicht stimmt. Was die neue Facebook-Gruppe „Wir stehen zur FPÖ!“ betrifft, ist er offensichtlich wieder einmal zu vertrauensselig. Sich auf die Erklärungen der Administratorin, einer FPÖ-Funktionärin, zu verlassen, wonach sie Hetz-Postings „regelmäßig gelöscht“ habe, ist vielleicht doch nicht ratsam. Schließlich waren schon Administratoren der alten FB-Gruppe mit den drei Rufzeichen nicht so sauber.
Fassen wir die Irrtümer von Strache zusammen:
- Hasspostings werden konsequent gelöscht – Irrtum!
- Die „besagte“ Facebook-Seite hat 1500 Mitglieder – Irrtum!
- Die Hetzpostings sind von Usern mit anonymen (Fake-)Profilen – Irrtum!
- Die Administratorin hat Hetzpostings regelmäßig gelöscht – Irrtum!
- Kein FPÖ-Funktionär hat ein Hetzposting verfasst, kommentiert, „geliked“ oder gelesen – Irrtum!
- Zuzustimmen ist dem FPÖ-Parteichef dort, wo er fordert, dass die Hetz-Poster ausgeforscht, angezeigt und zur Verantwortung gezogen werden sollen.
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