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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Die vielen Irrtümer des Herrn Strache

Zuge­ge­ben, es ist nicht ein­fach den Über­blick zu behal­ten. Gera­de für einen, der sich so häu­fig distan­zie­ren muss wie FPÖ-Chef Stra­che. Aber zumin­dest soll­te er wis­sen, was er schreibt. Sei­ne jüngs­te Distan­zie­rung von den Hetz-Pos­tings der gehei­men Face­book-Grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ!“ wirft näm­lich eini­ge Fra­gen auf.

24. Aug. 2013

Der FPÖ-Chef hat sei­ne „Argu­men­ta­ti­on“ bin­nen weni­ger Stun­den gra­vie­rend ver­än­dert. Hat­te er zunächst noch von „künst­li­cher Auf­re­gung“ und „Schmud­del­jour­na­lis­mus“ gespro­chen, so wech­sel­te er kurz dar­auf zu dem rech­ten Spruch „Der größ­te Schuft im gan­zen Land, ist und bleibt der Denun­zi­ant.“ Nach­dem auch die­se Ver­tei­di­gungs­li­nie nicht sehr erfolg­ver­spre­chend war, muss­te eine neue Linie her.

„Die ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Hetz-Pos­tings von diver­sen Usern auf die­ser Sei­te sind offen­sicht­lich auch anony­me Pro­fi­le, wel­che aus­zu­for­schen und zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen sind“, schreibt Stra­che auf sei­ner FB-Sei­te. Da wer­den aber eini­ge sei­ner Kame­ra­den nicht erfreut sein! Schließ­lich haben sich in der gehei­men Grup­pe nicht alle die Mühe gemacht, ein Fake-Pro­fil zu ver­wen­den. Und selbst bei den Fake-Pro­fi­len ist es zuwei­len nicht so schwer, die rich­ti­gen Namen herauszufinden.

„Grund­sätz­lich fin­de ich jede ‚posi­ti­ve’ Unter­stüt­zungs­sei­te für die FPÖ „toll“!“, schreibt Stra­che. Das hat er schon ein­mal behaup­tet. Im Vor­jahr gefiel ihm die het­ze­ri­sche FB-Sei­te „Wir ste­hen zur FPÖ !!!“ sogar so gut, dass er die (dama­li­gen) Admi­nis­tra­to­ren öffent­lich lob­te und dazu auf­for­der­te, die Sei­te anzu­kli­cken.


„Klick doch mal rein”, Stra­ches Wer­bung für die alte Face­book­grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ” mit drei Rufzeichen

Als im August 2012 über die Hetz-und Hass-Pos­tings in die­ser Grup­pe berich­tet wur­de, ver­ab­schie­de­te sich Stra­che, der neben ande­ren FPÖ-Grö­ßen als Mit­glied geführt wur­de, und lösch­te sei­ne eupho­ri­schen FB-Ein­trä­ge. In der Grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ !!!“ waren nicht nur deut­sche NPD-Funk­tio­nä­re wie etwa Mat­thi­as Faust und hei­mi­sche Neo­na­zis unter­wegs, son­dern auch zahl­rei­che FPÖ-Spit­zen­po­li­ti­ker. Mehr als 1.500 Mit­glie­der umfass­te die Grup­pe, die zunächst offen und dann als gehei­me Grup­pe geführt wur­de. Die Pos­tings, die damals bekannt wur­den, waren ähn­lich hef­tig wie die in der im Juni 2013 gegrün­de­ten neu­en Grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ!“.


Noch ein Lob von Stra­che für die alte Face­book­grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ” mit drei Rufzeichen

Den Unter­schied zwi­schen den bei­den Grup­pen machen nur die Ruf­zei­chen und die deut­lich gesieb­ten Mit­glie­der­zah­len aus: ein Ruf­zei­chen statt drei und rund 150 Mit­glie­der statt 1.500. Dass Stra­che den Unter­schied nicht ken­nen will, ist merkwürdig.

Gro­tesk ist aber, wenn er behaup­tet: „Ver­het­zen­de Hass­pos­tings leh­ne ich zutiefst ab, sol­che lösche ich auch kon­se­quent und auch die Admi­nis­tra­to­rin die­ser pri­va­ten Sei­te ver­si­chert, die­se auch regel­mä­ßig gelöscht zu haben.“

Was sei­ne eige­ne Sei­te betrifft, kön­nen wir ihm ger­ne bele­gen, dass das so nicht stimmt. Was die neue Face­book-Grup­pe „Wir ste­hen zur FPÖ!“ betrifft, ist er offen­sicht­lich wie­der ein­mal zu ver­trau­ens­se­lig. Sich auf die Erklä­run­gen der Admi­nis­tra­to­rin, einer FPÖ-Funk­tio­nä­rin, zu ver­las­sen, wonach sie Hetz-Pos­tings „regel­mä­ßig gelöscht“ habe, ist viel­leicht doch nicht rat­sam. Schließ­lich waren schon Admi­nis­tra­to­ren der alten FB-Grup­pe mit den drei Ruf­zei­chen nicht so sauber.

Fassen wir die Irrtümer von Strache zusammen:

  • Hass­pos­tings wer­den kon­se­quent gelöscht – Irrtum!
  • Die „besag­te“ Face­book-Sei­te hat 1500 Mit­glie­der – Irrtum!
  • Die Hetz­pos­tings sind von Usern mit anony­men (Fake-)Profilen – Irrtum!
  • Die Admi­nis­tra­to­rin hat Hetz­pos­tings regel­mä­ßig gelöscht – Irrtum!
  • Kein FPÖ-Funk­tio­när hat ein Hetz­pos­ting ver­fasst, kom­men­tiert, „gelik­ed“ oder gele­sen – Irrtum!
  • Zuzu­stim­men ist dem FPÖ-Par­tei­chef dort, wo er for­dert, dass die Hetz-Pos­ter aus­ge­forscht, ange­zeigt und zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wer­den sollen.

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