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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Verbindungsstudenten vermöbeln Burschenschafter

Seit Jah­ren ver­su­chen die Bur­schen­schaf­ten, die angeb­li­che lin­ke Gewalt gegen Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen zu doku­men­tie­ren. Peni­bel wer­den Farb­beu­tel­an­schlä­ge, Mal­ak­tio­nen und angeb­li­che Brand­an­schlä­ge doku­men­tiert. Und dann das: Das Ver­bin­dungs­haus der Deut­schen Bur­schen­schaft Reda­ria-Alle­man­nia zu Ros­tock wur­de angeb­lich von Corps­stu­den­ten über­fal­len, um damit gegen die Poli­tik der Deut­schen Bur­schen­schaft zu protestieren.

16. Nov. 2012

Die Deut­sche Bur­schen­schaft Reda­ria-Alle­man­nia zu Ros­tock ist der­zeit die vor­sitz­füh­ren­de Bur­schen­schaft inner­halb der DB und eigent­lich damit beschäf­tigt, den außer­or­dent­li­chen Bur­schen­tag Ende Novem­ber in Stutt­gart vor­zu­be­rei­ten. Ob es dabei zum Zer­fall der DB bzw. zur Macht­über­nah­me durch die Bur­schen­schaft­li­che Gemein­schaft (BG) kommt oder mit dem Appell an die Ein­heit die Kluft zwi­schen gemä­ßig­ten und kon­ser­va­ti­ven Bur­schen­schaf­ten und der rechts­extre­men BG noch ein­mal über­brückt wird, ist offen.

Die Reda­ria-Alle­man­nia gibt sich aus aktu­el­lem Anlass ent­setzt über das Ver­hal­ten von Corps-Stu­den­ten, die am hel­len Nach­mit­tag das Ver­bin­dungs­haus in der Ros­to­cker Innen­stadt über­fal­len haben:

Sie ver­schaff­ten sich über den Haupt- sowie einen Neben­ein­gang gewalt­sam Zugang. Dabei ver­ur­sach­ten die Lum­pen am und im Haus Schä­den in Höhe von meh­re­ren Tau­send Euro. Im Haus wur­de ein jun­ger Stu­dent der Uni­ver­si­tät Ros­tock durch den Wurf einer zer­bro­che­nen Bier­fla­sche am Kör­per getrof­fen. (Stel­lung­nah­me der Reda­ria Allemannia)


Ent­setz­te Burschenschaft

Über das Motiv der „Lum­pen“, die sich laut Reda­ria aus zwan­zig Mit­glie­dern von Corps des Roten Krei­ses zusam­men­set­zen, schweigt sich die Reda­ria aus. Das Corps Van­da­lia (Ros­tock) ist da etwas kla­rer. Zunächst wer­den die Behaup­tun­gen der Reda­ria bestritten:

Die im Text der Mit­tei­lung auf­ge­stell­ten Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen sind unwahr. Weder gewalt­sam, noch auf ande­rem Wege hat eine der­art gro­ße Anzahl von Corps­stu­den­ten jemals die­ses Haus betre­ten. Sofern ein­zel­ne Corps­stu­den­ten an besag­tem Nach­mit­tag das Bur­schen­schafts­haus im Rah­men eines tra­di­tio­nel­len „Cou­leur­be­suchs“ betre­ten haben soll­ten, haben sie dies gewiss nicht auf Ver­an­las­sung oder mit Bil­li­gung der ein­zel­nen Corps getan. Der Vor­wurf, einen Stu­den­ten mit einer zer­bro­che­nen Bier­fla­sche bewor­fen zu haben, ist eben­so falsch.“ (Stel­lung­nah­me der Vandalia)

Zu den Moti­ven schrei­ben die Van­da­len schreiben:

Sofern der Spre­cher der Bur­schen­schaft um den Ruf des Ver­bin­dungs­stu­den­ten­tums besorgt ist, möge er doch lie­ber zunächst Ein­fluss auf aktu­el­le poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen inner­halb des bur­schen­schaft­li­chen Dach­ver­ban­des und des­sen Ver­hält­nis zum Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus und die in sei­nem Dach­ver­band offen­bar bestehen­de „Ari­er-Rege­lung“ für Mit­glie­der neh­men; anstatt auf der eige­nen Inter­net­sei­te (Pres­se­mit­tei­lung vom 22.10.2012) revi­sio­nis­ti­sche Paro­len wie „Süd-Tirol ist nicht Ita­li­en!“ zu ver­brei­ten und Corps­stu­den­ten in braun anmu­ten­der Ter­mi­no­lo­gie als „Lum­pen“ zu bezeichnen.

Das ist doch recht deut­lich for­mu­liert und zeugt davon, dass den Corps­stu­den­ten bei ihrem „Cou­leur­be­such“ die poli­ti­sche Linie der DB nicht egal war.

In Deutsch­land bestehen inner­halb und zwi­schen den Bur­schen­schaf­ten der DB, die sich als poli­ti­scher Ver­band sieht, und den Corps, die in ver­schie­de­nen ande­ren Dach­ver­bän­den orga­ni­siert sind und sich als unpo­li­tisch defi­nie­ren, erheb­li­che Differenzen.

In Öster­reich hin­ge­gen ist die Unter­schei­dung ein­fa­cher: Alle (deut­schen) Bur­schen­schaf­ten und fast alle Corps, aka­de­mi­schen Sän­ger -, Tur­ner- und Lands­mann­schaf­ten sind in irgend­ei­ner Form mit dem „natio­nal-frei­heit­li­chen“ bzw. „deutsch­na­tio­na­len“ Lager ver­bun­den und damit rechts bis rechtsextrem.

Dass „Cou­leur­be­su­che“ nicht nur Höf­lich­keits­be­su­che mit dem Zweck eines gemein­sa­men Besäuf­nis­ses sind, machen die Ver­hal­tens­re­geln, die das „Mar­ko­man­nen­wi­ki“ dazu gibt, deutlich:

Leich­tes Pöbeln zum Zwe­cke eines Bier­streits sind (sic!) durch­aus nor­mal, bei hand­fes­ten Belei­di­gun­gen oder Sach­be­schä­di­gung, kann man selbst­ver­ständ­lich von sei­nem Haus­recht Gebrauch machen. Nach einem Cou­leur­be­such soll­te man auf jeden Fall über­prü­fen, ob Gegen­stän­de feh­len und ob jemand den Tür­he­bel umge­legt hat oder ande­re Ein­gän­ge (Fens­ter) offen sind.

In der Ers­ten Repu­blik kam es in Öster­reich häu­fig zu wüs­ten Schlä­ge­rei­en zwi­schen den deutsch­na­tio­na­len und pro­na­zis­ti­schen Bur­schen­schaf­tern und katho­li­schen Verbindungen.

Ob der „Besuch“, den der Olym­pe Mar­kus Katz­may­er im Febru­ar 2006 einem Ver­bin­dungs­lo­kal des (katho­li­schen) Mit­tel­schü­ler­kar­tell­ver­ban­des (MKV) abstat­te­te und dabei den anwe­sen­den MKV-Mann Mar­kus Kroi­her wort­los nie­der­schlug, auch unter „Cou­ler­be­such“ ein­zu­rei­hen ist, wis­sen wir nicht so genau.

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | Körperverletzung | Rechtsextremismus | Weite Welt

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