Strache, seine Tante und die Pfadfinder

Brigitte Schindl ist eine Tante des FPÖ-Parteichefs Heinz Christian Strache. Als solche durfte sie im ORF „Sommergespräch“ ihren „Heinzi“ natürlich in wärmsten Worten darstellen. Es sei ihm vergönnt! Bei der Einschätzung seiner politischen Aktivitäten in den rechtsextrem bewegten Jugendjahren hat sich die Tante allerdings ziemlich vergriffen – ausgerechnet an den PfadfinderInnen.

Ausgerechnet die Pfadfinderinnen und Pfadfinder sollen herhalten, um Straches Teilnahme an paramilitärischen Übungen von Neonazis in ein mildes Licht zu tauchen?! Frau Schindl im ORF-Sommergespräch vom 27.2.2012: „Und politisch, ich glaub wenn man die Pfadfinder anschaut, da sind oft schlimmere Spiele im Wald gespielt worden“.

[youtube QrFVoLrjrtQ] Strache-Porträt von Klaus Dutzler aus dem Sommergespräch 2012

Nun sei der guten Tante auch noch die ziemlich weltfremde Annahme erlaubt, dass der damals 20-jährige Heinzi gerne im Wald mit anderen Jungen herumgetollt ist, in ihren Worten „gespielt habe“ – aber was denn eigentlich? Blinde Kuh? Räuber und Gendarm?

Aber ihre Behauptung, dass die PfadfinderInnen „schlimmere Spiele“ absolvieren als ein Trupp von Neonazis, der mit Knüppel, Pumpguns und anderen Waffen im Wald „übt“, ist nicht bloß blauäugig, sondern eine inakzeptable Behübschung der Vergangenheit ihres „Heinzi“, die noch dazu die PfadfinderInnen in ein Eck stellt, in das diese zu Recht nicht verbannt werden wollen.

Die PfadfinderInnen bzw. ihr Dachverband PPÖ haben sich deshalb mit einer Presseaussendung gegen diesen Vergleich zur Wehr gesetzt:


STELLUNGNAHME

Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs verwehren sich mit den politischen Aktivitäten und Aussagen von Herrn Strache verglichen zu werden und stellen klar, dass die PfadfinderInnen überparteilich, aber politisch sind und sich für Freiheit, Fairness, Frieden, Respekt allen Religionen und ethnischen Gruppen gegenüber einsetzen.

Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) sprechen sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Xenophobie, Rassismus, Sexismus und weitere Diskriminierungen in unserer Gesellschaft aus. Die PPÖ sehen Vielfalt als eine Herausforderung in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu Frieden und Demokratie. Gleiche Chancen und Möglichkeiten werden im Umfeld der Pfadfinder und Pfadfinderinnen seit über 100 Jahren als Selbstverständlichkeit gelebt.

RUFSCHÄDIGUNG – RECHTLICHE SCHRITTE – ENTSCHULDIGUNG

Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs behalten sich weitere rechtliche Schritte auf Grund dieser offensichtlichen Rufschädigung vor! Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs fordern Frau Brigitte Schindl zu einer medialen Entschuldigung/Richtigstellung sowie Herrn Heinz-Christian Strache zu einer Entgegnung und Distanzierung zu diesen Aussagen auf.

EMPÖRUNG bei über 85.000 Pfadis in ganz Österreich

Die Aussagen von Frau Schindl im ORF Sommergespräch haben für eine große Anzahl von Empörungen und Protesten von Jugendlichen, Eltern, ehrenamtlichen PfadfinderleiterInnen und Pfadfinderfreunden in ganz Österreich gesorgt. Immerhin über 250.000 Österreicher und Österreicherinnen waren jemals bei den Pfadfindern und erinnern sich gerne an eine ausgezeichnete Kinder- und Jugendzeit.“


Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen – würde nicht Strache selbst noch eins drauflegen. Die Presseaussendung des PPÖ veröffentlicht er auf Facebook unter dem Titel „Absurdistan läßt grüßen ;- )“.

Während ein Fan über eine Zwangseinweisung der Pfadfinder „offen nachdenken“ will („die gehören weggesperrt“), versucht ein Poster mit dem Hinweis auf die Presseaussendung Beruhigung zu schaffen : „Es wäre vl (vielleicht, die Red.)nicht schlecht, wenn ihr euch alle die Stellungnahme im Original durchlest“.

Die Antwort von Strache: „Die Hetzer entlarven sich selbst!:-)“

Da hat er Recht!