Strache, seine Tante und die Pfadfinder

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Bri­git­te Schindl ist eine Tan­te des FPÖ-Par­tei­chefs Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Als sol­che durf­te sie im ORF „Som­mer­ge­spräch“ ihren „Hein­zi“ natür­lich in wärms­ten Wor­ten dar­stel­len. Es sei ihm ver­gönnt! Bei der Ein­schät­zung sei­ner poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten in den rechts­extrem beweg­ten Jugend­jah­ren hat sich die Tan­te aller­dings ziem­lich ver­grif­fen – aus­ge­rech­net an den Pfad­fin­de­rIn­nen.Die Pfad­fin­de­rin­nen und Pfad­fin­der müs­sen her­hal­ten, um Stra­ches Teil­nah­me an para­mi­li­tä­ri­schen Übun­gen von Neo­na­zis in ein mil­des Licht zu tau­chen? Frau Schindl im ORF-Som­mer­ge­spräch vom 27.2.2012: „Und poli­tisch, ich glaub wenn man die Pfad­fin­der anschaut, da sind oft schlim­me­re Spie­le im Wald gespielt worden.”

Nun sei der guten Tan­te auch noch die ziem­lich welt­frem­de Annah­me erlaubt, dass der damals 20-jäh­ri­ge Hein­zi ger­ne im Wald mit ande­ren Jun­gen her­um­ge­tollt ist, in ihren Wor­ten „gespielt habe“ – aber was denn eigent­lich? Blin­de Kuh? Räu­ber und Gendarm?

Ihre Behaup­tung, dass die Pfad­fin­de­rIn­nen „schlim­me­re Spie­le“ absol­vie­ren als ein Trupp von Neo­na­zis, der mit Knüp­pel, Pump­guns und ande­ren Waf­fen im Wald „übt“, ist nicht bloß blau­äu­gig, son­dern eine inak­zep­ta­ble Behüb­schung der Ver­gan­gen­heit ihres „Hein­zi“, die noch dazu die Pfad­fin­de­rIn­nen in eine Ecke stellt, in das die­se zu Recht nicht ver­bannt wer­den wollen.

Der Dach­ver­band der Pfad­fin­de­rIn­nen „PPÖ” hat sich des­halb mit einer Pres­se­aus­sendung gegen die­sen Ver­gleich zur Wehr gesetzt:

STELLUNGNAHME

Die Pfad­fin­der und Pfad­fin­de­rin­nen Öster­reichs ver­weh­ren sich mit den poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten und Aus­sa­gen von Herrn Stra­che ver­gli­chen zu wer­den und stel­len klar, dass die Pfad­fin­de­rIn­nen über­par­tei­lich, aber poli­tisch sind und sich für Frei­heit, Fair­ness, Frie­den, Respekt allen Reli­gio­nen und eth­ni­schen Grup­pen gegen­über einsetzen.

Die Pfad­fin­der und Pfad­fin­de­rin­nen Öster­reichs (PPÖ) spre­chen sich klar gegen Frem­den­feind­lich­keit, Homo­pho­bie, Xeno­pho­bie, Ras­sis­mus, Sexis­mus und wei­te­re Dis­kri­mi­nie­run­gen in unse­rer Gesell­schaft aus. Die PPÖ sehen Viel­falt als eine Her­aus­for­de­rung in der Erzie­hung von Kin­dern und Jugend­li­chen zu Frie­den und Demo­kra­tie. Glei­che Chan­cen und Mög­lich­kei­ten wer­den im Umfeld der Pfad­fin­der und Pfad­fin­de­rin­nen seit über 100 Jah­ren als Selbst­ver­ständ­lich­keit gelebt.

RUFSCHÄDIGUNG – RECHTLICHE SCHRITTE — ENTSCHULDIGUNG

Die Pfad­fin­der und Pfad­fin­de­rin­nen Öster­reichs behal­ten sich wei­te­re recht­li­che Schrit­te auf Grund die­ser offen­sicht­li­chen Ruf­schä­di­gung vor! Die Pfad­fin­der und Pfad­fin­de­rin­nen Öster­reichs for­dern Frau Bri­git­te Schindl zu einer media­len Entschuldigung/Richtigstellung sowie Herrn Heinz-Chris­ti­an Stra­che zu einer Ent­geg­nung und Distan­zie­rung zu die­sen Aus­sa­gen auf.

EMPÖRUNG bei über 85.000 Pfadis in ganz Österreich

Die Aus­sa­gen von Frau Schindl im ORF Som­mer­ge­spräch haben für eine gro­ße Anzahl von Empö­run­gen und Pro­tes­ten von Jugend­li­chen, Eltern, ehren­amt­li­chen Pfad­fin­der­lei­te­rIn­nen und Pfad­fin­der­freun­den in ganz Öster­reich gesorgt. Immer­hin über 250.000 Öster­rei­cher und Öster­rei­che­rin­nen waren jemals bei den Pfad­fin­dern und erin­nern sich ger­ne an eine aus­ge­zeich­ne­te Kin­der- und Jugendzeit.“

Dem wäre nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen, wür­de nicht Stra­che selbst noch eins drauf­le­gen. Die Pres­se­aus­sendung des PPÖ ver­öf­fent­licht er auf Face­book unter dem Titel „Absur­di­stan läßt grüßen ;- )“

Wäh­rend ein Fan über eine Zwangs­ein­wei­sung der Pfad­fin­der „offen nach­den­ken“ will („die gehö­ren weg­ge­sperrt“), ver­sucht ein Pos­ter mit dem Hin­weis auf die Pres­se­aus­sendung Beru­hi­gung zu schaf­fen: „Es wäre vl nicht schlecht, wenn ihr euch alle die Stel­lung­nah­me im Ori­gi­nal durch­lest.“ Die Ant­wort von Stra­che: „Die Het­zer ent­lar­ven sich selbst!:-)“ Da hat er Recht!