Burschenschaftliche Gemeinschaft: Die Rechtsaußen bei den Deutschen Burschis

Die Situation ist verwirrend: es gibt jede Menge studentischer Verbindungen. Hier interessieren uns nur jene, die dem deutschnationalen oder „völkischem“ Lager zuzurechnen sind. Auch die sind nicht so einfach zu identifizieren. Es gibt akademische und nicht akademische (pennale) Verbindungen, Burschenschaften, Landsmannschaften, Sängerschaften, Gildenschaften, Turnerschaften, Fliegerschaften usw.

Die in Österreich wichtigste und auch älteste akademische Gruppierung sind die (akademischen) Burschenschaften, die heute im Dachverband Deutscher Burschenschaften zusammengefasst sind. Nach 1945 wurde als Dachverband zunächst die Deutsche Burschenschaft in Österreich (DBÖ) im Jahr 1952 gegründet, der sich ideologisch an seinem Vorgängerverband, der Burschenschaft der Ostmark (BdO) orientierte und die Aufnahme bzw. Fusion mit der Deutschen Burschenschaft (DB) anstrebte. 1961 scheiterte der erste Fusionsversuch über einen Antrag. Die Mehrheit der DB war damals – noch – der Auffassung, dass der staatsbürgerliche Vaterlandsbegriff und nicht der Begriff der staatsübergreifenden „deutschen Kulturnation“ konstitutiv für eine Zugehörigkeit zur DB sei .

Als Konsequenz dieser Entscheidung gründeten die rechtsextremen Burschenschaften Deutschlands (BRD) und Österreichs die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG), die in der Folge konsequent auf die Revision dieses Beschlusses hinarbeitete. 1971 war sie erfolgreich damit. Die Burschenschaften Österreichs wurden in die DB aufgenommen – die Vertreter einer gemeinsamen „deutschen Kulturnation“ hatten sich durchgesetzt. Zum Ausgleich wurde damals auch beschlossen, dass die Pflichtmensur für die Burschenschaften durch das fakultative Prinzip ersetzt werde: nicht mehr alle Mitgliedsbünde der DB verlangen seither ihren Burschis ab, sich über Pflichtmensuren gegenseitig den Schädel zu zerschlitzen.

Die BG hat mit dem Erfolg von 1971 ihre Tätigkeit aber nicht eingestellt, sondern arbeitet als Fraktion innerhalb der DB weiter. Obwohl von den rund 120 Mitgliedsorganisationen der DB nur rund 40 zur BG zählen, ist ihr Einfluss im Dachverband noch immer bedeutend: das Verbandsorgan der DB, die „Burschenschaftlichen Blätter“ werden seit Jahren von einem BG-Burschi und Verbindungsmann zur Neonazi-Szene redigiert.

Innerhalb der BG gibt es eine starke Stellung der österreichischen Burschenschaften. Rund die Hälfte der Mitgliedsbünde, darunter so „klingende“ Namen wie Olympia, Silesia, Libertas (alle Wien), Arminia (Graz) und Brixia (Innsbruck) kommen aus Österreich.

Zur politischen und ideologischen Orientierung der BG hat die Münchner Antifaschistische Informations- , Dokumentations- und Archivstelle a.i.d.a ein umfangreiches Dossier erstellt. Die BG will nämlich demnächst ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festkommers im „Sudetendeutschen Haus“ in München feiern.

Siehe auch:
Dossier „Olympia“ (pdf)
Neues vom rechten Rand (pdf)