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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Totale Blamage für Strache und die FPÖ

Am Mor­gen des 10. Juli 2009 mel­de­te sich der Klub­ob­mann der FPÖ, Heinz-Chris­ti­an Stra­che, im Ple­num des Natio­nal­rats zu Wort und sprach vom „größ­ten Spit­zel­skan­dal der Zwei­ten Repu­blik“ durch den Abge­ord­ne­ten der Grü­nen, Karl Öllinger.

20. Feb. 2011

Am Abend des 10. Juli 2009 wur­de vom Ple­num des Natio­nal­rats ein par­la­men­ta­ri­scher Unter­su­chungs­aus­schuss ein­ge­setzt, der die­sen „größ­ten Spit­zel­skan­dal“ unter­su­chen soll­te. Ein bei­spiel­lo­ser Vor­gang in der Geschich­te des Par­la­ments der Zwei­ten Repu­blik. Wenn es um Gras­ser und Co. oder irgend­ei­nen ande­ren Skan­dal der Macht­eli­ten geht, dann wer­den die abstru­ses­ten Aus­re­den benutzt, um einen Unter­su­chungs­aus­schuss zu verhindern.

Die FPÖ erstat­te­te Straf­an­zei­ge gegen Karl Öllin­ger und den Kri­mi­nal­be­am­ten Uwe S., der mit Öllin­ger im Mail­kon­takt gestan­den hat­te, wegen des Ver­dach­tes des Amts­miss­brauchs, der Ver­let­zung des Amts­ge­heim­nis­ses und der Anstif­tung dazu.

FPÖ: Grü­ne Netz­wer­ke und die Hand­ta­sche von Fekter

Stra­che sprach in einer Pres­se­kon­fe­renz am 10.7.2009 von „orga­ni­sier­ten grü­nen Netz­wer­ken eines rechts­wid­ri­gen Spit­zel- und Ver­na­de­rungs­we­sens” und erin­ner­te dabei an den Hand­ta­schen­dieb­stahl bei Innen­mi­nis­te­rin Fek­ter, an Lap­top-Dieb­stäh­le bei Minis­ter­mit­ar­bei­tern, an Ein­brü­che in Büros von poli­ti­schen Par­tei­en, an Wan­zen im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und an die Stras­ser E‑Mails, die dann bei Peter Pilz auf­ge­taucht sind. (OTS 10.7.2009)

Unter­su­chungs­aus­schuss: Kon­tak­te zwi­schen Frei­heit­li­chen und Neonazis


Drei Sei­ten in der Anfra­ge zu Alpen-Donau, die sich mit den Kon­takt von Nazi­use­rIn­nen mit der FPÖ beschäftigen

Der Unter­su­chungs­aus­schuss, der im August 2009 sei­ne Arbeit auf­ge­nom­men hat­te und am 11. Dezem­ber 2009 ohne einen abschlie­ßen­den Bericht im Ple­num des Natio­nal­rats vor­zei­tig been­det wur­de, brach­te tat­säch­lich Erstaun­li­ches zutage:

  • Das BIA (Büro für inter­ne Ange­le­gen­hei­ten) hat­te sei­ne Ermitt­lun­gen noch am 10.7.2009 auf­ge­nom­men, ohne eine Ent­schei­dung des Par­la­ments über die „Aus­lie­fe­rung” (Zustim­mung des Par­la­ments zu Ermitt­lun­gen der Behör­den) von Karl Öllin­ger abzuwarten.
  • Es gab tat­säch­lich Jugend­funk­tio­nä­re des Rings Frei­heit­li­cher Jugend, die zeit­gleich auch Mit­glie­der einer neo­na­zis­tisch ori­en­tier­ten Grup­pe (Bund Frei­er Jugend) waren.

Im Herbst 2009 setz­ten die Abge­ord­ne­ten Graf, Rosen­kranz und Neu­bau­er mit einer Anzei­ge wegen des Ver­dachts der fal­schen Zeu­gen­aus­sa­ge durch Karl Öllin­ger bzw. den Kri­mi­nal­be­am­ten Uwe S. nach.

Die Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft wur­de mit den Ermitt­lun­gen in der Cau­sa Öllin­ger beauf­tragt. Am 17.2.2011 gab sie bekannt, dass das gesam­te Ver­fah­ren gegen Karl Öllin­ger ein­ge­stellt wurde:

„Die Ein­stel­lung erfolg­te gemäß § 190 Z 1 StPO, weil die dem Ermitt­lungs­ver­fah­ren zu Grun­de lie­gen­de Tat nicht mit gericht­li­cher Stra­fe bedroht ist oder sonst die wei­te­re Ver­fol­gung aus recht­li­chen Grün­den unzu­läs­sig wäre. Die Ein­stel­lung erfolg­te gemäß § 190 Z 2 StPO, weil kein tat­säch­li­cher Grund zur wei­te­ren Ver­fol­gung besteht.

Bei­satz: „Betrifft Vor­wurf der Anstif­tung zum Miss­brauch der Amts­ge­walt bzw der Ver­let­zung des Amts­ge­heim­nis­ses (E−Mail−Korrespondenz mit dem Beam­ten Uwe S. sowie Vor­wurf der fal­schen Beweis­aus­sa­ge im Ver­fah­ren vor dem par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss, kein Nach­weis straf­rechts­re­le­van­ten Fehl­ver­hal­tens (Gesamt­ein­stel­lung des Verfahrens)”

Öllin­ger: Der Ver­such, mich zu kri­mi­na­li­sie­ren, weil ich mich im Rah­men mei­ner Arbeit auch mit Rechts­extre­mis­mus und Neo­na­zis­mus in Öster­reich und sei­nen Ver­bin­dun­gen der FPÖ beschäf­ti­ge, ist wie­der ein­mal geschei­tert. Eigent­lich ist eine Ent­schul­di­gung durch Herrn Stra­che und Co. fäl­lig, die mir ja Unge­heu­er­li­ches vor­ge­wor­fen haben.

Inter­es­sant ist der Zeit­punkt der FPÖ-Atta­cke und auch die Begrün­dung, wie die FPÖ zu den Mails gekom­men sein will.

Öllin­ger: Ich habe damals inten­siv zu den Bezie­hun­gen zwi­schen der Neo­na­zi-Sei­te alpen-donau.info und Frei­heit­li­chen recher­chiert. Damals ist z.B. ein Brief, den der FPÖ-Abge­ord­ne­te Fich­ten­bau­er an einen T.A. in Ser­bi­en geschrie­ben hat, auf alpen-donau fak­si­mi­liert auf­ge­taucht. Weil das nicht der ein­zi­ge Vor­fall war, wo sehr direk­te Kon­tak­te sicht­bar wur­den, hat mich inter­es­siert, wie kommt der Fich­ten­bau­er-Brief zu alpen-donau? Ich habe dann her­aus­ge­fun­den, dass er von einem pri­va­ten Fax des Herrn Gude­nus ver­schickt wur­de. Wie kam der Brief zum Fax von Gudenus?
Der „Kurier“ hat die Geschich­te wei­ter recher­chiert und die FPÖ dazu befragt. Das war den Befrag­ten sehr unan­ge­nehm und hat viel Staub auf­ge­wir­belt in der FPÖ. Der „Kurier“ hat­te die Geschich­te kom­plett fer­tig, sie aber über eine Woche immer wie­der gescho­ben. Genau in die­ser Zeit­span­ne sind sie dann mit der Atta­cke gegen mich an die Öffent­lich­keit gegan­gen – eine gera­de­zu klas­si­sche Reak­ti­on. Stra­che hat damals auch behaup­tet, ein Mit­ar­bei­ter habe ihnen die Mails zuge­spielt. Das ist gera­de­zu lächer­lich! Sie haben bis heu­te nicht erklärt, wie sie die Mails an sich gebracht haben.


Ein Brief des FPÖ-Abge­ord­ne­ten Peter Fich­ten­bau­er wird an Alpen-Donau und an eine deut­sche Neo­na­zi­sei­te wei­ter­ge­lei­tet. Im Bild erkennt man als Fax­num­mer den Anschluss der Fami­lie Gudenus.

Fich­ten­bau­er und Mar­kus Gude­nus im „Kurier“ vom 12.7.2009 (Aus­zug):

Der stell­ver­tre­ten­de Klub­chef der Blau­en, Peter Fich­ten­bau­er, ver­fass­te eine Ein­la­dung zu Gedenk­fei­ern an eine Grup­pe ser­bi­scher Holo­cau­st­über­le­ben­der. Schon bald fand sich der Brief im Netz — mit Fich­ten­bau­er- und FPÖ-Schel­te wegen der Ein­la­dung. „Eine gewis­se Kryp­to-Gesell­schaft hat hier eine Debat­te los­ge­tre­ten”, sagt Fich­ten­bau­er zum KURIER. Auf einem Brief-Fak­si­mi­le ist der Fax-Absen­der „Gude­nus” zu lesen — und eine Num­mer, die auf John Gude­nus gemel­det ist. Ein Sohn des Ex-Bun­des­rats, Mar­kus, ist Mit­ar­bei­ter von FP-Chef Stra­che. Gude­nus Juni­or „hat in mei­nem Brief offen­sicht­lich ein Gesprächs­the­ma erblickt”, sagt Fich­ten­bau­er. Ob er glau­be, dass Gude­nus den Brief den rech­ten Sei­ten zuspiel­te, will er nicht sagen. Auf Anfra­ge des KURIER sag­te Mar­kus Gude­nus, er wis­se nichts vom Brief. Auch die genann­te Tele­fon­num­mer bzw. die zuge­hö­ri­ge Adres­se sei­nes Vaters sei­en ihm gänz­lich unbe­kannt. „Es ist beun­ru­hi­gend, das­ses direk­te Bezie­hun­gen vom FPÖ-Klub gibt”, sagt Öllin­ger. ” Und zwar offen­bar in bei­de Rich­tun­gen.” Nach Auf­re­gung im FP-Klub ver­schwand der Brief mit der Fax-Ken­nung näm­lich aus dem Netz.

Doku­men­te

Aus­zug Sit­zungs­pro­to­koll Nationalrat

Heinz-Chris­ti­an Stra­che: Es steht fest – doku­men­tiert und mit Unter­la­gen beleg­bar –, dass ein Beam­ter des Innen­mi­nis­te­ri­ums, der für den Ver­fas­sungs­dienst als EDV- und IT-Spe­zia­list tätig war und der heu­te für das Stadt­po­li­zei­kom­man­do in Linz tätig ist, mit dem Herrn Abge­ord­ne­ten Öllin­ger in Kon­takt steht (Ah-Rufe bei der FPÖ), und dass der Herr Abge­ord­ne­te Öllin­ger bei dem Beam­ten Uwe Sai­ler in Auf­trag gege­ben hat, Per­so­nen zu kon­trol­lie­ren, zu recher­chie­ren (Rufe bei der FPÖ: Unglaub­lich!), dass Abge­ord­ne­te die­ses Hau­ses auch in einem doku­men­tier­ten Bereich von Unter­la­gen vor­kom­men, der uns vor­liegt. Da kommt mei­ne Per­son vor, und es fin­den auch Herr Abge­ord­ne­ter Fich­ten­bau­er oder Herr Prä­si­dent Graf Erwäh­nung, bis zum Abge­ord­ne­ten Wein­zin­ger. – Das ist ein Skan­dal! Sie haben einen Spit­zel­skan­dal zu ver­ant­wor­ten, den größ­ten Spit­zel­skan­dal der Zwei­ten Repu­blik! (Bei­fall bei der FPÖ. – Rufe und Gegen­ru­fe zwi­schen Abge­ord­ne­ten von FPÖ und Grü­nen.) Vor die­sem Hin­ter­grund muss man schon ein­mal gewis­se Fra­gen stel­len und auch die Lap­top-Dieb­stäh­le und Ein­brü­che in Minis­ter­bü­ros in einem völ­lig ande­ren Licht sehen. (Abg. Dr. Moser: Sie haben so viel But­ter auf dem Kopf!) Das soll­te man da auch durch­aus ein­mal erwäh­nen. (Abg. Dr. Moser: Es tropft und tropft!) (Quel­le: 32. Sit­zung des Natio­nal­ra­tes, 10.7.2009)

Stra­che in der ZIB: Bezahl­te Spitzel …

HC Stra­che: Ein biss­chen hat man schon den Ein­druck, dass der Herr Öllin­ger der Erich Miel­ke des öster­rei­chi­schen Par­la­ments sein könn­te. Mit den Sta­si-Metho­den. Ich ken­ne kei­nen Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten, der jemals so gehan­delt hät­te wie Sie Herr Öllin­ger, Sie sind rück­tritts­reif. (Quel­le: ZIB 24 vom 10.07.2009)

HC Stra­che: Wir wis­sen, dass es eini­ges zuzu­de­cken gibt offen­bar in die­ser Repu­blik. Und genau das gilt es jetzt in die­sem Unter­su­chungs­aus­schüs­sen zu klä­ren. Wir wis­sen, dass es Bele­ge gibt dafür, dass grü­ne Abge­ord­ne­te Poli­zis­ten beauf­tragt haben auch ande­re poli­ti­sche Mit­be­wer­ber aus­zu­spio­nie­ren bezie­hungs­wei­se hier auch Auf­trä­ge der Fall gewe­sen sind ‚kon­kre­ter Bezah­lung — das ist Fakt. (Quel­le: ZIB 24 vom 22.07.2009)

Wie kommt ein nicht ver­öf­fent­lich­tes Doku­ment auf die Home­page von Alpen-Donau?

  • Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge Öllin­ger vom 10.6.2009 an die Prä­si­den­tin des NR
  • Ant­wort der Prä­si­den­tin des NR


Eine nicht­öf­fent­li­che Kor­re­spon­denz des Lan­des­ge­rich­tes Wien mit der Prä­si­den­tin des Natio­nal­rats wird auf Alpen-Donau ver­öf­fent­licht. Laut Anfra­ge zu Alpen-Donau wei­ter­ge­ge­ben von S.P. (bzw. des­sen Rechtsvertreter).

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