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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Anfrage: Rechtsextremer Witikobund

Eine Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge zum rechts­extre­men Witiko­bund.

23. Feb. 2011

ANFRAGE

der Abge­ord­ne­ten Öllin­ger, Freun­din­nen und Freunde
an die Bun­des­mi­nis­te­rin für Inneres
betref­fend Rechts­extre­mer Witikobund

In den letz­ten Tagen ist bekannt­ge­wor­den, dass der ober­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des- und Klub­ob­mann der FPÖ, Man­fred Haim­buch­ner, auch stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Witiko­bun­des Öster­reich (WBÖ) ist. Haim­buch­ner ist damit Mar­tin Graf auf den Fer­sen, der 2002 zum Vor­sit­zen­den des Arbeits­krei­ses Witiko­bund Öster­reich und zum Vor­stands­mit­glied des deut­schen Witiko­bun­des erko­ren wur­de. Vor­sit­zen­der des deut­schen Witiko­bun­des war damals noch Horst Rudolf Übela­cker, der aber zu Grafs Zei­ten auch schon im öster­rei­chi­schen Arbeits­kreis werk­te und mitt­ler­wei­le auch im Lin­zer Gemein­de­rat für die FPÖ aktiv ist. Beim Witiko­bund sind die Lan­des­gren­zen zwi­schen Öster­reich und Deutsch­land eben sehr flie­ßend, fak­tisch nicht vorhanden.

Das hat schon sei­ne Grün­de in Geschich­te und Pro­gram­ma­tik des Witiko­bun­des. 1950 von sie­ben Anhän­gern der in den 30er Jah­ren von Kon­rad Hen­lein geführ­ten Sude­ten­deut­schen Par­tei gegrün­det, domi­nier­te von Beginn an die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ver­gan­gen­heit etli­cher Füh­rungs­ka­der , die sich auch in bes­ten Bezie­hun­gen zu Orga­ni­sa­tio­nen der extre­men Rech­ten äußer­te. Geschicht­li­cher Revi­sio­nis­mus und ein star­ker Zug zum Anti­se­mi­tis­mus kom­plet­tie­ren das Bild des eli­tä­ren Bun­des, der sich in sei­ner Selbst­be­schrei­bung als „natio­na­le Gesin­nungs­ge­mein­schaft der Sude­ten­deut­schen“ ver­steht. Die Kader­or­ga­ni­sa­ti­on Witiko­bund sieht es als ihre Auf­ga­be, die Ver­trie­be­nen­ver­bän­de auf eine deutsch-völ­ki­sche Linie zu verpflichten.

Zur Pro­gram­ma­tik gehö­ren auch Sät­ze wie folgende:

„Der Witiko­bund bekennt sich zur Ein­heit Deutsch­lands in Frie­den und Frei­heit, zum deut­schen Volk und zu sei­ner Geschich­te, sowie zu Recht und Wahr­heit in sou­ve­rä­ner Verantwortung.
Er wen­det sich gegen Ver­fäl­schun­gen und Klit­te­run­gen der Geschich­te des deut­schen Sprach­raums und der deut­schen Sied­lungs­ge­bie­te zum Zwe­cke der natio­na­len Ernied­ri­gung sowie der mora­li­schen und mate­ri­el­len Erpres­sung .“
(http://www.witikobund.de/html/ziele_und_aufgaben.html)

Soll­te irgend­je­mand noch zwei­feln, wie die­se Sät­ze zu inter­pre­tie­ren sind, der kann sie sich auch von Horst Rudolf Übela­cker, dem lang­jäh­ri­gen Vor­sit­zen­den des Witiko­bun­des Deutsch­land und jet­zi­gen stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den des Witiko­bun­des Öster­reich und FPÖ Gemein­de­rat in Linz über­set­zen lassen:

„Die Deut­schen, zusam­men­ge­drängt auf die Rest­ge­bie­te in West- und Mit­tel­deutsch­land sowie in Öster­reich und zudem bedrängt von einem ‚Mil­lio­nen­heer’ volks­frem­der Zuwan­de­rer, sehen sich einer all­mäh­lich zer­brö­ckeln­den Zeit­ge­schichts­fas­sa­de gegenübergestellt.“

Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung bzw. der Ver­fas­sungs­schutz haben des­halb in den Grün­dungs­jah­ren den Witiko­bund als rechts­extre­me Orga­ni­sa­ti­on ein­ge­schätzt. Auch seit dem Jah­re 2000 gibt es eine ähn­li­che Ein­schät­zung des Witiko­bun­des in den Doku­men­ten des Ver­fas­sungs­schut­zes bzw. der deut­schen Bun­des­re­gie­rung. So heißt es in einer Anfra­ge­be­ant­wor­tung der deut­schen Bun­des­re­gie­rung aus dem Jahr 2008 (16/10755 vom 3.11.2008):

„Inwie­weit hält die Bun­des­re­gie­rung an ihrer Ende 2001 zu der Ant­wort auf eine Klei­ne Anfra­ge der PDS getrof­fe­nen Ein­schät­zung fest, wonach beim Witiko­bund „eine Ver­dich­tung von tat­säch­li­chen Anhalts­punk­ten für rechts­extre­me Bestre­bun­gen fest­ge­stellt“ wurden?”

Die Bun­des­re­gie­rung hält an der getrof­fe­nen Ein­schät­zung fest.

In Öster­reich ist eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Witiko­bund und dem neo­na­zis­tisch ori­en­tier­ten Bund Frei­er Jugend (BfJ) bekannt­ge­wor­den: Im Jahr 2005 ver­teil­te der BfJ Flug­blät­ter des Witiko­bun­des und nahm 2006 auch an einer Ver­an­stal­tung des WBÖ teil. Im Aus­tausch dafür erschien in den „Witikobriefen“(1/06) ein sehr wohl­wol­len­der Bericht über die neo­na­zis­ti­schen Aktio­nen des BfJ.
Eine eigen­stän­di­ge Ver­eins­po­li­tik des WBÖ ist bei der engen pro­gram­ma­tisch-ideo­lo­gi­schen und per­so­nel­len Ver­bin­dung, die es zwi­schen den bei­den Mit­glieds­bün­den gibt, aus­zu­schlie­ßen. Auch die Öffent­lich­keits­ar­beit bei­der Bün­de läuft über die gemein­sa­men „Witiko­brie­fe“ ab.

Die unter­fer­tig­ten Abge­ord­ne­ten stel­len daher folgende

ANFRAGE:

1). Tei­len Sie die Ein­schät­zung, die die deut­sche Bun­des­re­gie­rung bezüg­lich Witiko­bund geäu­ßert hat, auch für des­sen öster­rei­chi­sche Zweigstelle?

2). Wel­che nach außen hin ver­tre­tungs­be­fug­ten Vertreter(innen) hat­te der Witiko­bund Öster­reich seit sei­ner Grün­dung im Jahr 1971?

3). Wel­che Lan­des­ver­bän­de hat der Witiko­bund Öster­reich und wer sind (waren) sei­ne Reprä­sen­tan­tIn­nen seit ihrer Gründung?

4).Im Jahr 2005 hielt der Witiko­bund (BRD) sein Jah­res­tref­fen in Schär­ding (OÖ) ab. Wel­che wei­te­ren grenz­über­schrei­ten­den Akti­vi­tä­ten oder Ver­samm­lun­gen hiel­ten Witiko­bund (BRD) und sei­ne Zweig­stel­le WBÖ jeweils in
a) Österreich
b) der BRD ab?

5). Wel­che öster­rei­chi­schen Staats­bür­ger waren – so wie der 3. Prä­si­dent des Natio­nal­rats, Mar­tin Graf — seit des­sen Grün­dung in Orga­nen des Witiko­bun­des (BRD) tätig?

6). Waren auch Staats­bür­ger der BRD seit der Grün­dung des WBÖ in des­sen Orga­nen tätig? Wenn ja, wel­che und wann?

7). In wel­cher Bezie­hung stand der Arbeits­kreis Witiko­bund zum Ver­ein Witiko­bund Österreich?

8). Gibt es Ver­ei­ne in Öster­reich, die von Reprä­sen­tan­ten des Witiko­bun­des beherrscht oder beein­flusst wer­den (poli­tisch, per­so­nell oder finanziell)?

Anfra­ge und Beantwortung

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