Die AfD spricht gern von Meinungsfreiheit. Alice Weidel lobt eine „wohltuende Streitkultur“, die Partei inszeniert sich als Schutzraum freier Rede. Die Doku prüft diese Selbstdarstellung an konkreten Fällen und zeigt ein anderes Bild: Kritik wird nicht ausgehalten, sondern markiert, delegitimiert und bekämpft.
Im Zentrum steht das Dorf Gauersheim in Rheinland-Pfalz. Dort übernehmen AfD-Anhänger im Sommer 2025 eine Kneipe und machen daraus den „Treffpunkt Nordpfalz“. Als Bürger:innen eine Informationsveranstaltung dazu organisieren, tauchen rund 40 AfD-Anhänger auf, filmen aus nächster Nähe und verwandeln die Situation in Material für die eigenen Kanäle. Aus einem Bürgerdialog wird in der AfD-Erzählung eine feindliche Aktion, aus lokaler Kritik eine angebliche „Antifa“-Bedrohung.
Darin zeigt sich eine zentrale Methode rechtsextremer Politik: provozieren, zuspitzen, online verbreiten. Wer widerspricht, wird nicht als Bürger:in mit legitimer Kritik behandelt, sondern in ein Feindbild verschoben. Kritiker:innen werden als „links“, „Antifa“, „System“ oder „Lügenpresse“ markiert. Diese Etiketten erfüllen eine Funktion: Sie entwerten Widerspruch politisch und sozial. Danach kann Druck aufgebaut werden – durch Masse, durch Öffentlichkeit, durch digitale Kampagnen, durch juristische Drohkulissen.
Die Folgen beschreibt die Doku eindrücklich. In Gauersheim ist vom zerrissenen Dorfleben die Rede, von Misstrauen, Anwaltsschreiben und einem raueren Ton. Ein internes AfD-Papier mit dem Titel „Verankerung in der Fläche. Die AfD erobert die Dörfer“ empfiehlt, leerstehende Objekte zu nutzen und mit Angeboten wie Bratwurst, Bier oder Aperolabenden Präsenz aufzubauen. Rechte Politik wird so zur sozialen Landnahme: Räume besetzen, Milieus bilden, Gegner:innen isolieren.
Auch innerparteilich beschreibt die Doku ein autoritäres Muster. Ehemalige und kritische AfD-Mitglieder berichten von Drohungen, Abmahnungen, Parteiausschlussverfahren und ignorierten Beschwerden. Kritik wird als parteischädigend gerahmt. Wer interne Machtstrukturen, Finanzfragen oder Wahlverfahren problematisiert, riskiert soziale Ächtung, Kosten und Verfahren. Das entspricht einer Logik, die aus rechtsextremen Organisationen bekannt ist: Nach außen wird Vielfalt behauptet, nach innen Loyalität verlangt. Demokratische Streitkultur endet dort, wo sie Führung, Kurs oder Machtzirkel berührt.
Auch gegenüber Medien folgt die AfD diesem Muster. Journalist:innen werden öffentlich markiert, diffamiert und damit für Anhänger:innen zur Zielscheibe gemacht. Die Doku berichtet von Drohungen, Auskunftssperren und Schutzmaßnahmen. Der Angriff auf Medien ist Teil der Methode: Wer berichtet, soll eingeschüchtert werden. Wer einschüchtert, kann später behaupten, selbst Opfer einer feindlichen Öffentlichkeit zu sein.
„Inside AfD“ zeigt damit ein politisches System: Meinungsfreiheit wird reklamiert, solange sie der eigenen Mobilisierung dient. Widerspruch wird delegitimiert, wenn er die Partei trifft. Das Ergebnis ist eine autoritäre Praxis, die im Dorf, in der Partei und gegenüber Medien nach demselben Prinzip funktioniert: Druck erzeugen, Gegner:innen markieren, Kritik zum Schweigen bringen.
Inside AfD — Der Umgang mit Kritikern (SWR 2026, 45′)
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