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Ungarn: Aufklärung zu einer Hilfslieferung

Unse­re kur­ze Mel­dung zur Hilfs­lie­fe­rung der Cari­tas Wien in die unga­ri­sche Stadt Nyiregy­ha­za ist auf Wider­spruch gesto­ßen. In einer Stel­lung­nah­me erklär­te der Pres­se­spre­cher der Cari­tas Wien, es sei nie die Rede davon gewe­sen, dass spe­zi­ell Roma-Fami­li­en unter­stützt wer­den soll­ten. Haben wir uns geirrt?

18. Dez. 2012

Der Pres­se­spre­cher der Cari­tas Wien über­mit­tel­te uns eine Stel­lung­nah­me, in der auch der Aus­gangs­punkt der Hilfs­lie­fe­rung, eine Anfra­ge des unga­ri­schen Hono­rar­kon­suls, Dr. Bar­a­bas Lasz­lo, vom 10. Okto­ber 2012 beschrie­ben wird. „Dies­mal wäre die begüns­tig­te Orga­ni­sa­ti­on der Regio­nal­ver­ein der Lan­des­ver­ban­des der Groß­fa­mi­li­en. Sie betreu­en etwa 500 not­lei­den­de kin­der­rei­che Fami­li­en in mei­nem Kon­su­lats­be­zirk (Nord- und Ost­un­garn)“, erklärt der Honorarkonsul.

In der Stel­lung­nah­me der Cari­tas Wien heißt es weiter:

In der Fol­ge wur­de die Sach­spen­den­un­ter­stüt­zung über die Cari­tas der Erz­diö­ze­se Wien abge­wi­ckelt. Wie dem Mail vom 10.10.2012 leicht zu ent­neh­men ist, war nie die Rede davon, dass spe­zi­ell Roma-Fami­li­en unter­stützt wer­den soll­ten. Woher die­se fal­schen Infor­ma­tio­nen stam­men, wis­sen wir lei­der nicht. Als Cari­tas hel­fen wir immer unab­hän­gig von Reli­gi­on, sozia­ler oder natio­na­ler Her­kunft. Gleich­zei­tig müs­sen wir in die­sem Zusam­men­hang fest­hal­ten: 1) Es war in der kon­kre­ten Unter­stüt­zungs­an­fra­ge nie die Rede davon, dass die Begüns­tig­ten der Hilfs­lie­fe­rung aus­schließ­lich oder vor allem die Roma­be­völ­ke­rung wäre 2) Die Sach­spen­den (Möbel) sind bedürf­ti­gen Fami­li­en zugu­te gekom­men. Abge­wi­ckelt wur­de die Lie­fe­rung letzt­lich über die regio­na­le Orga­ni­sa­ti­on des Lan­des­ver­ban­des der Großfamilien.

Woher die fal­schen Infor­ma­tio­nen über die Hilfs­lie­fe­rung stam­men, wis­sen wir jedoch schon: aus einer Pres­se­infor­ma­ti­on der katho­li­schen Pres­se­agen­tur kath­press vom 4.12.2012. In ihr heißt es unter der Über­schrift „Wie­ner Cari­tas spen­det Möbel für unga­ri­sche Roma“:

Die unga­ri­sche Cari­tas ist in vie­len Lan­des­tei­len eben­falls in die Arbeit für Roma invol­viert. Ver­tre­ter der Cari­tas der Erz­diö­ze­se Wien über­reich­ten ihr erst Ende Novem­ber in Nyiregy­ha­za sie­ben Ton­nen Möbel­stü­cke für Küche, Wohn­zim­mer sowie Haus­rat, die beson­ders Roma-Groß­fa­mi­li­en zugu­te kom­men sol­len. Die Ver­tei­lung der Spen­de erfolg­te durch Mit­wir­kung des Hono­rar­kon­ksu­la­tes und des Gemein­de­ra­tes der Stadt Nyiregyhaza.

Aus­drück­lich wird in der kath­press-Mel­dung auch dar­auf Bezug genom­men, dass es „kei­ne eth­ni­sche Dis­kri­mi­nie­rung bei Hil­fe­leis­tung“ gebe.

Im Gegen­satz zur Cari­tas in Nyiregy­ha­za war vor kur­zem die Pfarr­ca­ri­tas von Sio­fok in Nega­tiv­schlag­zei­len gekom­men. Grund war der Aus­schluss einer Roma-Orga­ni­sa­ti­on von einem EU-finan­zier­ten Lebens­mit­tel­ver­tei­lungs-Pro­gramm. Begrün­det wor­den war der Aus­schluss von den Cari­tas-Ver­ant­wort­li­chen mit einer Eska­la­ti­on, die sich im Vor­jahr ereig­net habe. Dem­nach sei­en die Ver­tei­ler von einem alko­ho­li­sier­ten Roma-Ange­hö­ri­gen ange­grif­fen wor­den. (Kath­press)

So offen kath­press den Kon­flikt in Sio­fok anspricht, so falsch ist die Mel­dung zu Nyiregy­ha­za. Die Ver­tei­lung der Hilfs­gü­ter wur­de dort, so die Cari­tas Wien, über die Regio­nal­stel­le des Lan­des­ver­ban­des der Groß­fa­mi­li­en vor­ge­nom­men und damit über eine Orga­ni­sa­ti­on, die im poli­ti­schen Kon­flikt um die Nati­ons- und Natio­na­li­tä­ten­fra­ge, der von der rechts­kon­ser­va­ti­ven Regie­rung Orbán und von den Rechts­extre­men um Job­bik geführt wird, selbst Par­tei ist.


dRO­Ma-Blog — Cari­tas: Phan­tom­spen­den für Roma

„Pusz­t­ar­an­ger“ hat in sei­nem Bei­trag über die Hilfs­lie­fe­rung den Lan­des­ver­band der Groß­fa­mi­li­en (NOE) und sein poli­ti­sches und ideo­lo­gi­sches Bezugs­feld aus­rei­chend cha­rak­te­ri­siert. Eine Unter­stüt­zung von bedürf­ti­gen unga­ri­schen Groß­fa­mi­li­en bedeu­tet in die­sem Kon­text eben kei­nes­wegs eine Unter­stüt­zung von armen Roma-Groß­fa­mi­li­en. Pusz­t­ar­an­ger dazu: „Die (Groß)Familie erscheint hier als kon­sti­tu­ie­ren­de Keim­zel­le der völ­kisch ver­stan­de­nen “Nati­on”, und Roma-Fami­li­en wer­den weder erwähnt noch sind sie zu sehen.“

Die Cari­tas Wien ist mit ihrer Hilfs­lie­fe­rung mit­ten in einem zen­tra­len poli­ti­schen Kon­flikt Ungarns ange­kom­men, den sie offen­sicht­lich so nicht gese­hen hat. Wer bedürf­ti­ge unga­ri­sche Fami­li­en för­dern will, denkt ver­mut­lich nicht mit, dass dies bei den poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen in Ungarn zu einer „Volks­tums­fra­ge“ führt. Über die Zuge­hö­rig­keit zu wel­chem Volks­tum auch immer dür­fen Zutei­lun­gen von Hilfs­lie­fe­run­gen nicht ent­schie­den wer­den – dar­in sind wir uns mit der Cari­tas Öster­reich, die bei sozia­len und Men­schen­rech­ten immer klar Posi­ti­on bezo­gen hat, einig.

⇒ Pus­za­r­an­ger — Wie­ner Cari­tas spen­det Möbel für unga­ri­sche Roma? (mit Update).
⇒ Kathpress-Meldung
⇒ ORF-Bericht — Unga­ri­sche Roma: Vati­kan will eige­ne Berufungspastoral
⇒ dRO­Ma-Blog — Cari­tas: Phan­tom­spen­den für Roma
⇒ Bericht von Pusz­t­ar­an­ger über Roma-Armut in Nordostungarn

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